Vereinsabend mit dem Traxler und dem Budapester Gambit

Will man seine Schach-Schüler fürs Schach begeistern, kommt man um den Traxler nicht herum. Wie schon letzte Woche, war auch am gestrigen Donnerstag diese scharfe Waffe das Thema unserer Trainingsstunde. Schachspieler brauchen Motivation!

Als Trainer bekommt man von unerfahrenen Spielern sehr oft zu hören, dass das Taktiktraining anstrengend ist und man sowieso diese Stellungen nicht aufs Brett bekommt. Diese Aussage ist so nicht richtig. Beim Taktiktraining geht es in erster Linie darum, taktische Motive zu lernen. Hiervon gibt es viele Tausend und wenn man mit dem Taktiktraining anfängt, kennt man diese ganzen Motive natürlich noch nicht. Aus diesem Grund ist es nur allzu verständlich, dass die Chance die erst wenigen gelernten Motive aufs Brett zu bekommen, gering ist. Wenn man sich aber mal ein Jahr durch tägliche Taktiktraining durchgebissen hat, wird man die Früchte seiner Arbeit in jedem Fall ernten.

Es geht allerdings auch etwas schneller.

Der Traxler ist für Trainer eine wunderbare Möglichkeit, seinen Schülern Themen wie Kompensation für geopfertes Material, schnelle Entwicklung, Königssicherheit und Figurenkoordination begreifbar zu machen. Gleichzeitig bietet der Traxler einen guten Einstieg in das Thema Vorbereitung und öffnet die Tür zum praktischen Anwenden von gelernter Taktik.

Die meisten Varianten im Traxler sind ziemlich forciert. Es gibt eine handvoll Abweichungen, welche man aber in der heimischen Analyse erlernen kann. Die taktischen Motive ähneln sich sehr stark und genau hier zeigt sich sehr gut, wer ernsthaft Taktik trainiert hat. Mit einer guten Vorbereitung und vielen Trainingspartien bekommen die Schüler die notwendige Sicherheit, sich in den resultierenden scharfen Stellungen zurecht zu finden. Ein mit Weiß unvorbereiteter Gegner kann hier schnell unter die Räder kommen.

Erfahrungsgemäß sind es gerade die Spieler im Bereich bis 1600 DWZ, welche eventuell die ersten Züge einer Hauptvariante kennen, aber in Nebenvarianten hoffnungslos am Brett die Wahrheit finden müssen. Die richtigen Züge für Weiß im Traxler am Brett zu finden, ist für Anfänger eine ziemlich schwierige, bis fast schon unlösbare Aufgabe.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wer von unseren Jungs und Mädels den Mumm hat, diese Eröffnung in der Praxis anwenden. 🙂 Bis zu den Mannschaftskämpfen ist ja noch etwas Zeit.

Pünktlich um 20 Uhr waren wir dann auch wieder im „El Diablo“ zum Vereinsabend. Natürlich wieder mit unserem IM Thomas Reich. Neben spannenden Blitzpartien wurde natürlich auch wieder analysiert. Einmal mehr war das Thema das Budapester Gambit. Ganz konkret ging es um folgende Variante:

In dieser Stellung benötigt man mit Schwarz schon einen gewissen Skill, um einen Plan zu finden. Hier empfehle ich auf jeden Fall das Studium der Partie Aronian gegen Ivanchuk , gespielt beim FIDE Kandidatenturnier 2013. Aber auch IM Ritschi zeigte uns ein paar gute Ideen und Fortsetzungen.

In den anschließenden Schnellschach-Trainingspartien behielt allerdings Ritschi die Oberhand.

Damit ging wieder ein Vereinsabend zu Ende, der gerne noch bis in die frühen Morgenstunden hätte gehen können. Nur allzu gerne erinnere ich mich an die Vereinsabende beim Schachverein PTSV Neustadt, bei welchen erst mit dem Sonnenaufgang die Bretter weggeräumt wurden. Das ist aber auch schon gut 25 Jahre her. 🙂

Bis bald

Euer Benny