Starnberger Stadtmeisterschaft 2017 – Schlussgedanken

Stadtmeisterschaft Starnberg 2017 – Fritz Absmeier holt den Titel

Liebe Schachfreunde,

am letzten Freitag wurde die letzte Runde der Offenen Starnberger Stadtmeisterschaft gespielt. Gerade an den oberen Brettern konnte man spannende Partien verfolgen. Die Schachfreunde Topschach haben mit drei Spielern an diesem schönen Turnier teilgenommen. Für mich persönlich lief das Turnier ganz ok, wobei ich mehrheitlich einfach schlechte Stellungen in meinen Partien hatte, welche ich zäh ins Remis retten konnte. In Runde 6 traf ich auf meinen „Angst“-Gegner Joachim Heinze. Wenn man sich die Gegnerschaft ansieht, welche er in den letzten Jahren vermöbelt hat, ist es unbegreiflich, warum er sich noch immer unterhalb der 1700er-Marke herumtreibt.

Gegen einen Gschwendtner Klaus und Strecker Gerhard holt man nicht im Vorbeigehen jeweils nen halben Zähler ab. Joachim spielt unglaublich solide und wenn er ein Remis möchte, dann holt er sich das auch gegen starke Gegner. In meiner Partie gegen ihn konnte ich nur durch eine taktische Finesse die Oberhand in einer für mich üblen Stellung gewinnen. Einmal mehr machte sich mein tägliches Taktiktraining positiv bemerkbar. Ich holte hier den vollen Punkt, aber dies habe ich wohl einfach nur der Tatsache zu Danken, dass der gute Joachim gegen mich gewinnen wollte und dabei auch Risiken nicht scheute.

Nun musste ich in der letzten Runde gegen Stephan Wehr antreten. Ein Spieler vom SC Starnberg, der im Laufe des Turniers gegen ziemlich starke Gegner ordentlich abgeräumt hat. Mit den schwarzen Steinen bereitete ich mich auf 1.Sf3 vor. Ich muss dazu sagen, dass 1.Sf3 bisher zu meinen Achillesfersen gehörte und ich mit Schwarz hierzu kein ordentliches Repertoire hatte. Meine einzige Niederlage in diesem Turnier (gegen Klaus Gschwendtner) zeigte mir sehr gut, dass ich an 1.Sf3 mit Schwarz arbeiten muss.

So habe ich mir in mühevoller Kleinarbeit in 2 Wochen ein rundes Repertoire gegen 1.Sf3 angeeignet und freute mich schon, dass Stephan Wehr ebenfalls ein 1.Sf3-Spieler ist. Mit ein paar Minuten Verspätung kam er dann auch am letzten Freitag ans Brett und zog……… 1.c4.

Im ersten Moment dachte ich „Schade,- also keine Premiere für mein Repertoire“. Aber gleichzeitig war ich auch mit 1.c4 sehr zufrieden. Als ich den B-Trainerschein machte, habe ich als Abschlussprüfung ein komplettes Repertoire gegen 1.c4 erstellt, welches bei den Prüfern zu einigem Lob führte. Neue Ideen und Pläne habe ich bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Daraus entstanden ist auch meine DVD „Grandmasters Lab Vol.2 – Ein komplettes Repertoire gegen 1.c4“.

So saß ich am Brett und spulte die ersten 20 Züge in gerade mal 4 Minuten herunter, während mein Gegner über eine Stunde in das Eröffnungskonzept investierte. Einmal mehr sollte ich mir für dieses übereilige Vorgehen selbst eine Watschen geben, da ich an einem Punkt nicht energisch genug mein Ziel verfolgte. Das Mittelspiel war aus praktischer Sicht ausgeglichen, aber es war Weiß, der die Initiative hatte und mich vor einige schwer zu lösende Aufgaben stellte.

Es ist bei mir wie eine Seuche. Erst wenn mir der Gegner am Brett Probleme bereitet, fange ich das Denken an. Ein großes Problem ist hierbei auch, dass man sich mit zunehmender Spielstärke den Gegner stark rechnet. Stephan Wehr hat eine handvoll Chancen ungenutzt gelassen, mich weiter unter Druck zu setzen. Als er mehr und mehr prophylaktische statt planvolle Züge ausführte, merkte ich, dass seine Schwäche im Berechnen von Varianten liegt.

Also versuchte ich, die Stellung mit jedem Zug zu verkomplizieren und opferte hierzu einen Bauern. Es bahnte sich ein Endspiel König + Läuferpaar gegen König + Läuferpaar + Bauer an. Vorher konnte ich recht trickreich die restlichen Bauern auflösen und musste anschließend nur noch einen Läufer gegen den letzten Bauern von ihn opfern, was mir auch gelang.

Mit König + Läufer gegen König + Läuferpaar bot ich dann auch Remis an. Wir hatten beide jeweils nur noch etwa eine Minute Restbedenkzeit und überlebten zusätzlich durch den 30 Sekunden Bonus pro Zug. Zu meiner Überraschung lehnte mein Gegner das Remisangebot ab. Es war bereits 23:30 Uhr und es war die letzte laufende Partie. Innerlich fragte ich mich, für wie blöd mich Stephan Wehr wohl halten muss, dass ich so ein elementares Endspiel nicht Remis halten könne. Eventuell war das aber auch seine Art zu zeigen, dass er mit dem Spielverlauf absolut nicht zufrieden war. Während ich bei der gesamten Partie die meiste Zeit nicht am Brett saß, kam er am Brett aus dem Grübeln nicht mehr raus. Viele Schachspieler werten mein Verhalten, nur zum Ziehen ans Brett zu kommen als arrogant, jedoch gibt es dafür eine sehr einfache Erklärung.

Ich kann in Bewegung besser denken. Wenn also mein Gegner sich am Brett den Kopf zerbricht, laufe ich gedankenversunken im Spielsaal umher. So einfach ist das. Die Partie ging dann auch noch etwa 10 Züge weiter, bis auch Stephan erkannte, dass es hier nicht mehr als nen halben Zähler zu holen gibt. Zähneknirschend bot er mir das Remis an, was ich direkt angenommen habe.

Zu keinem Zeitpunkt der Partie war für mich aus praktischer Sicht mehr drin, weshalb ich mit dem Ergebnis insgesamt sehr zufrieden war. Auch hier hat sich mein in letzter Zeit zunehmendes Endspieltraining bezahlt gemacht. An meiner Defensivarbeit habe ich nicht auszusetzen, jedoch muss ich mir über die Ausarbeitung von eigenen Chancen Gedanken machen.

Ganz anders verlief die Partie von meinem Vereinskollegen Dr. Ralf Ludwig. Er musste gegen den starken Robert Gödel ebenfalls mit den schwarzen Steinen ran. Wie üblich, setzte Ralf komplett auf Angriff und opferte zur Öffnung der f-Linie einen Bauern. Es dauerte nicht lange und Robert stand komplett im Saft. Ralf hatte unwiderstehlichen Angriff und stand komplett auf Gewinn. Aber leider wird Ralf seit einiger Zeit vom Pech verfolgt und so übersah er ein einfaches Damenschach seines Gegner mit Figurengewinn. Er gab die bis dahin von ihm komplett dominierte Partie auf. 🙁

Schade! Aber solche Phasen hat jeder Schachspieler und ich erinnere mich noch gut an eine Saison vor einigen Jahren, in welcher ich mit 1,5 Punkten aus 9 Partien den Glauben an Gerechtigkeit beim Schach verloren habe. Am laufenden Band hatte ich gewonnene Partien weggeschmissen. Hier darf man nicht den Glauben an sich selbst verlieren. Hartes Training wird sich irgendwann bezahlt machen!

Zu der Partie von André Krupke von den Schachfreunden Topschach gibt es nicht viel zu sagen. Mit drastischem Entwicklungsrückstand kam er aus der Eröffnung raus. Sein Gegner nutzte das für druckvolles Spiel aus, an welchem André dann zerbrach. Hier werden wir beim nächsten Training nochmal die grundsätzlichen Eröffnungsprinzipien wiederholen.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch die Partie zwischen Klaus Geschwendtner und Achim Flemming. Klaus spielte 1.Sf3 und als ich nach etwa 10-15 Zügen einen Blick aufs Brett von beiden warf, musste ich Schmunzeln 🙂

Achim hat 1 zu 1 genau das aufs Brett gezaubert, was ich gegen das erwartete 1.Sf3 gegen Stephan Wehr vorbereitet habe. Für mich der ultimative Test um zu sehen, wie Klaus dagegen spielt. Entgegen meiner Befürchtung, kannte Klaus diese Variante offenbar nicht allzu gut und verließ recht schnell den üblichen Pfad. Achim hat am Ende die Partie gewonnen und es brennt mir unter den Nägeln, es ihm bei der nächsten Gelegenheit gleich zu tun. 🙂

Mit dem kommenden Würmsee Open stehen die Chancen hierzu nicht schlecht. Hoffentlich meldet sich Klaus bald an. 😛

Mit einem DWZ-Plus von 17 Punkten gehe ich zufrieden aus dem Turnier. Wenn ich es jetzt noch schaffe, gegen starke Gegner nicht nur mit Defensivkünsten zu beeindrucken, sondern auch mit schön herausgespielten Chancen, ist in Zukunft mit Sicherheit mehr drin.

Auch wenn es bei der diesjährigen Stadtmeisterschaft einige organisatorische Stolpersteine gab, wurde das Turnier von Gerhard Strecker bis zum Ende souverän geleitet. Fritz Absmeier ist ein verdienter Sieger und mit dem Ratingpreis als bester Spieler unter 1900 kann ich mich nicht beschweren.

Tabellen und Ergebnisse findet ihr auf der offiziellen Webseite vom SC Starnberg http://www.sc-starnberg.de

Soweit mein kurzer Abschlussbericht

Bis bald

Euer Benny

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