Spannendes 3:3 beim letzten Spieltag in Germering

Die rote Laterne

Auch am letzten Spieltag wollte unsere Mannschaft nochmal alles geben. Mit einem Sieg hatten wir gute Chancen, die rote Laterne zum Saisonende nochmal weiterreichen zu dürfen. Es gab die Anweisung, dass jeder frei aufspielen kann und es keine taktischen Remis geben wird. Jeder soll nochmal die Chance bekommen, eine ordentliche Partie spielen zu können. Ganz für sich.

Der Spielort

Ausgerechnet an diesem Spielsonntag fand direkt in der Straße in welcher sich unser Schachcenter befindet der verkaufsoffene Sonntag mit Straßenfest statt. Direkt vor unserer Tür hat sich dann auch noch eine Tanzschule angekündigt. Für einen Mannschaftskampf keine guten Bedingungen, weshalb ich gut 14 Tage vorher unseren Gegner mit der Frage angeschrieben habe, ob wir unseren Heimkampf nicht bei ihnen vor Ort austragen könnten. Hier gab es recht schnell eine positive Antwort von dem Germeringer Schachverein. Vielen Dank an dieser Stelle an die Germeringer für die schnelle Lösung. Selbstverständlich reisten einige von uns etwas früher an, um beim Aufbauen zu helfen. Es war ja immer noch unser Heimkampf und da liegt es dann auch in unserer Verantwortung, dass alles passt. 🙂

Schach in Germering

Schach in Germering

Die Aufstellung

Gerne hätte ich unseren Oliver aufgestellt, jedoch weilt dieser zur Zeit aus beruflichen Gründen in den USA. Dies gab aber sowohl Janos, als auch Hans die Chance, gleichzeitig zu spielen. Mit Ralf an Brett 1 und meiner Wenigkeit an Brett 2 gab in jeder Runde den Plan, zumindest an diesen Brettern immer den vollen Punkt zu holen und an den verbliebenen 4 Brettern 1,5 Punkte rauszuquetschen. Was aber auf dem Papier schön aussieht, muss in der Realität nicht unbedingt funktionieren. In allen Mannschaftskämpfen haben wir es nicht geschafft, an jedem Brett die volle Leistung abzurufen. Punkteten wir an den vorderen Brettern, wurde an den hinteren Brettern geschwächelt. Klappte es hinten, gab es vorne das Desaster. Diesmal waren wir alle aber frei von allen Zwängen und jeder durfte einfach nur seine Schachpartie spielen. An Brett 3 startete Kurt. Er hat in dieser Saison einige Chancen auf volle Punkte liegen gelassen und auch so manches Remis noch in einen Nuller verwandelt. Er wollte heute unbedingt gewinnen. An Brett 4 spielte Andre. Seine bisherigen Partien im Mannschaftskampf waren nicht gerade eine Augenweide. Allerdings überraschte er mich in den letzten Wochen mit gespielten Partien, die den Eindruck erweckten, dass er es auch besser kann. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Selten habe ich einen Schachspieler erlebt, bei welchem es vom Niveau so hoch und runter ging, wie beim Andre. An Brett 5 durfte unser Hans ran. Die Saison hat in schon richtig gebeutelt. Viele Partien in denen er klar besser stand und der Sieg zum greifen nah war, hat er einzügig weggeschmissen. Wenn einer aus unserer Truppe nun den vollen Punkt verdient hatte, dann war es er. An Brett 6 wollte Janos zeigen, dass auch er eine Schippe drauflegen kann.

Die Aufstellung

Die Aufstellung

Die Partien

Nor vor dem Mannschaftskampf habe ich unsere Jungs darauf hingewiesen, dass wir bei der Germeringer Mannschaft mit 1.e4 rechnen dürfen und dort vor allem Italienisch zum Einsatz kommen wird. Ebenso antworten die meisten der Spieler auf 1.e4 mit e5. Woher ich das wusste? Nun, Partien lagen uns keine vor, aber man kann auf Grund des Alters der Spieler sehr gut auf das jeweilige Repertoire schließen. Ältere Spieler sind noch mit den klassischen Eröffnungen groß geworden, also Italienisch, Spanisch, etc.). Bei den ganz jungen Spielern ist gerade Italienisch eine der ersten Eröffnungen, die sie lernen. Wenn man dann noch einen Blick auf den DWZ-Verlauf wirft, kann man sehr gut ahnen, ob jemand Spanisch oder Italienisch spielt. Ein 1200er wird es in jedem Fall vorziehen, Italienisch zu spielen. Die Pläne sind einfach und taktisch bietet diese Eröffnung viel Spaß. Beim Spanier hingegen muss man schon etwas mehr Stellungsverständnis mitbringen und ein 1200er wird hier wohl immer Italienisch vorziehen. Nachdem ich die ersten Züge an allen Brettern beobachtet habe, war klar, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Nun war ich gespannt, wie sich jeder Einzelne auf seine letzte Partie dieser Saison vorbereitet hat. Da ich selbst eine Partie am Laufen hatte, blieb mir nur gelegentlich Zeit, einen Blick auf die umliegenden Bretter zu werfen. Zu meiner Überraschung konnte Kurt bereits nach einer halben Stunde einen Zähler auf seinem Punktekonto verbuchen. Sein Gegner hat ein einfaches Abzugschach mit dem Läufer übersehen, welches den Damengewinn zur Folge hatte und dies den Gegner zur sofortigen Resignation veranlasste. Bis zu dem Damengewinn fand ich die Stellung von Kurt auch nicht gerade vertrauenserweckend. So schön dieser Erfolg auch ist, der Gegner hat in aussichtsreicher Stellung ohne Zwang die Dame eingestellt. Mehr war es nicht. Grund zur Freude? Ja! Verdient? Nach all den unglücklichen Partien in dieser Saison mit Sicherheit! Aber darauf, dass ein Gegner grundlos eine Figur einstellt, sollte man sich in zukünftigen Partien nicht verlassen.

Noch hat Kurts Gegner alles im Griff

Noch hat Kurts Gegner alles im Griff

Weiter ging es mit meiner Partie. ich muss dazu sagen, dass ich mittlerweile sowohl 1.e4, als auch 1.d4 oder gar 1.Sf3 sehr gerne spiele. Bisher war es so, dass ich ausschließlich zu 1.e4 griff, obwohl ich auch nach 1.d4 theoretisch recht fit bin. 1.d4 war jahrelang mein Notfall-Repertoire, welches aber nie zum Einsatz kam. Meine erste 1.d4-Partie liegt gerade mal ein paar Wochen zurück. Hier durfte ich gegen Sven Szaleva ran und hatte auf sein Französisch keine Lust. 🙂

Aber zurück zum Mannschaftskampf. Ich hatte mir vorgenommen, die Entscheidung meines ersten Zuges direkt am Brett vorzunehmen. Peter Holzner war mein Gegner und ohne Mühe entschied ich mich für 1.e4. Es kam ein Spanier aufs Brett und ich wählte eine Variante, welche nicht gerade als scharf zu bezeichnen ist. Gegen einen stärkeren Gegner hätte ich mich auf jeden Fall anders entschieden. Ich möchte an dieser Stelle einen Einblick geben, wie man die richtige Eröffnungsvariante für seinen jeweiligen Gegner findet. In meiner vorliegenden Partie kam es zu folgender Stellung:

Mit meinem letzten Zug provozierte ich den Bauernzug nach b5, welchen mein Gegner auch ausführte. es handelt sich hierbei auch um die erste Wahl, wenn man den Computer über die Stellung flutschen lässt. Schlecht kann dieser Zug also nicht sein. Werfen wir jedoch einen Blick auf die Bauernstruktur von Schwarz am Damenflügel, so können wir sehr gut sehen, dass diese (zumindest optisch) sehr schlecht erscheint. Und genau auf diesen Punkt möchte ich näher eingehen. Computer können diese Stellung sehr gut spielen und haben mehr als genug Wissen, wie man diese Bauernstruktur spielen muss. Von einem Gegner der 1500 DWZ besitzt, kann man dieses Wissen nicht erwarten. Während mein Plan mit Weiß recht einfach ist (Überführung der Figuren zum Königsflügel, Öffnen der g-Linie und Angriff), ist das Gegenspiel mit Schwarz am Damenflügel komplizierter und einem 1500er fehlt hier einfach das notwendige Stellungsverständnis um die teilweise mysteriösen Bauernzüge die das Gegenspiel einleiten am Brett zu finden. Und hier zeigt sich sehr gut, wie wenig Sinn es oft macht, wenn Anfänger ihre Partien mit dem Computer analysieren oder sich mit dem Computer vorbereiten. Eröffnungen gibt es wie Sand am Meer und bei den meisten Spielern spielt der persönliche Geschmack bei der Wahl einer Eröffnung eine größere Rolle, als das richtige Einschätzen der eigenen Spielstärke. Jede Eröffnung stellt unterschiedliche Anforderungen an den jeweiligen Spieler. Als Beispiel möchte ich hier nur den Sweschnikov-Sizilianer und den Panov-Angriff im Caro Kann nennen. Beides gute Varianten, aber wenn ein Schachspieler keine Ahnung hat, wie er mit einem rückständigen Bauern sein Spiel gestalten soll, dann ist Sweschnikov eine schlechte Wahl. Wer sich noch nie mit dem Spiel eines Isolani-Bauern beschäftigt hat, wird wohl auch mit Panov im Caro Kann untergehen. Ich denke das zeigt sehr deutlich, dass wir uns bei der Wahl unserer Eröffnungen nicht von unserem Geschmack leiten lassen sollten, sondern von unseren Fähigkeiten. Ein Spieler der dem ausgetrampelten Pfad der Italienischen Eröffnung folgt, muss sich nicht mit Themen wie „rückständiger Bauer“ oder „Isolani-Bauer“ innerhalb der Eröffnung auseinandersetzen.

In meiner Partie habe ich eine Variante gewählt, bei welcher selbst ein 1600er mit Weiß die richtigen Ideen am Brett finden kann, während man mit Schwarz das Stellungsverständnis eines min. 1800er benötigt, um effektives Gegenspiel aufs Brett zu bekommen. Wenn wir einen Blick auf Großmeisterpartien werfen, in welchen sie gegen Amateure spielen, dann fällt schnell auf, dass diese Großmeister oft Varianten von Eröffnungen spielen, die sie gegen großmeisterliche Gegner nie auspacken würden. Hier agiert der Großmeister nach dem selben Prinzip. Es gilt immer, was man von seinem Gegner erwarten kann und wenn ein GM eine „unseriöse“ Variante gegen einen 2000er spielt und weiß, dass der Gegner mindestens ein FM sein muss, um die Stellung zu verstehen, dann hat er alles richtig gemacht.

In meiner Partie kam es gegen Ende zu folgender Stellung:

Mein Gegner hatte gerade den König nach h8 gezogen und ich sah, dass ich bereits jetzt mittels Sxe5 klaren Material- und Stellungsvorteil erlangen würde. Grundsätzlich sollte man sich aber immer Gedanken darüber machen, welche Absichten der Gegner mit seinen Zügen verfolgt. Nach dem Königszug nach h8 war mir klar, dass er seinen Turm auf g8 stellen möchte. Der König ist aus der Schusslinie und wenn Schwarz die g8-Linie öffnen kann, wäre das bestimmt eine schöne Sache für ihn. Soweit die offensichtlichen Gedanken meines Gegners. Was mein Gegner jedoch nicht sah, war die nach Tg8 noch bessere Möglichkeit für Weiß, den Bauern auf e5 zu nehmen. Es droht einfach matt. Mit dem Wissen, dass also Tg8 folgen wird, habe ich mich auf die Suche nach einem guten Abwartezug gemacht. Das ist manchmal schwieriger, als man denkt. Hier habe ich mit Kh1 die wohl psychologisch beste Entscheidung getroffen. Dieser Zug sagt dem Gegner, dass man seine geplante Drohung Tg8 durchaus ernst nimmt und man vorsichtshalber den König aus der Schusslinie nimmt. Ich habe meinem Gegner also zu seinem gepanten Tg8-Zug noch einen zusätzlichen Grund gegeben, sich auf jeden Fall für diesen Zug zu entscheiden. Mein Gegner überlegte auch nicht lange und zog die Tonne auf die g-Linie. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, nahm ich mit dem Springer den Bauern auf e5 raus. Nun sah auch mein Gegner die einzügige Mattdrohung (Sxf7#). Ohne groß zu überlegen zog er nun seine Dame nach f8. Die Dame, der Turm und der Springer sollten ja wohl ausreichend sein, den schwarzen König zu sichern. Nachdem ich aber direkt mit Dg6 antwortete, fiel mein Gegner aus allen Wolken. Er schaute sich die Stellung noch ein paar Minuten an und reichte mir anschließend die Hand zur Aufgabe.

Aus Sicht von Weiß eine wirklich einfach gespielte Partie mit einem offensichtlichen Angriffsplan. Schwarz hätte sich frühzeitig um Gegenspiel am Damenflügel kümmern müssen, aber ohne die entsprechende Spielstärke ist das für einen 1500er eine unlösbare Aufgabe. Im Mannschaftskampf weiß man oft nicht, wer genau der Gegner sein wird, der einem am Brett gegenüber sitzt. Aber dafür kann man gut eingrenzen, im welchem DWZ-Bereich sich der mögliche Gegner wohl befindet. Nun muss man natürlich noch die Kenntnis haben, welche Arten von Stellungen und Plänen die gegnerische Spielstärke überfordern und schon kann man sich entsprechend vorbereiten. Damit hatten wir bereits den zweiten Punkt im Mannschaftskampf und ich nun auch genügend Zeit, die restlichen Partien zu verfolgen.

Unser Janos, bevor sein Gegner direkt gegen den weißen König vorging

Ich schaute mir die laufende Partie von Janos (Brett 6) an. Die Eröffnung war mal wieder ein Kraut und Rüben Salat von Janos und ich sagte zu Kurt, dass die Kiste wohl gleich vorbei sein wird. Es dauerte dann auch nur noch ein paar Minuten, bis Janos die Segel streichte. Zu seiner Entschuldigung muss man aber erwähnen, dass er an Brett 6 einen Jugendspieler von Germering als Gegner hatte, bei welchem die aktuelle DWZ der eigentlichen Spielstärke deutlich hinterherhinkt. Hier trafen praktisch zwei Gegensätze aufeinander. Auf der einen Seite ein junger und ambitionierter Jugendspieler, der viel trainiert und bereits einiges an Erfahrung am Brett gesammelt hat. Und auf der anderen Seite ein verantwortungsbewusster Familienvater und Anwalt, der keine Zeit zum Trainieren hat und auch so gut wie keine Turniererfahrung besitzt. Damit war die Niederlage von Janos im Bereich der Erwartung. Wir führten damit nur noch 2:1.

Das Unheil nimmt seinen Lauf....

Das Unheil nimmt seinen Lauf….

Weiter ging es an Brett 5 mit unserem Hans. Auch er hatte sich viel vorgenommen und antwortete auf das 1.e4 mit 1…c5. Also Sizilianisch. Die Theoriepfade wurden aber, wie immer von Hans, sehr schnell verlassen. Seit Jahr und Tag strebt er in dieser Eröffnung einen Stellungstyp an, den ich einfach nicht empfehlen kann. Hin und wieder schafft er es dann aber auch, mit kräftiger Hilfe des Gegners, seine, ich nenne es mal Eröffnungs-Bruchbude, zu reparieren und wenn er wie Phönix aus der Asche dann plötzlich doch noch ins Spiel kommt, spielt er richtig gut. Die vorliegende Partie gehört allerdings nicht dazu. Mit noch nicht abgeschlossener Entwicklung ist es eine schlechte Idee, seinen Springer gegen den Läufer auf c4 abzutauschen und eine bereits entwickelte Figur zweimal zu ziehen und noch dazu an den Rand (Sc6-a5). Ich erwähne dies als exemplarisches Beispiel, wie viele Grundprinzipien der Eröffnungslehre man mit einem einzigen Zug brechen kann. Da wäre unter anderem 1. Ziehe in der Eröffnung keine Figur mehrmals, wenn dies nicht zwingend notwendig ist und die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. 2. Springer am Rande bringt Kummer und Schande. 3. Ziehe keine Figur die ins Zentrum wirkt auf ein Feld ohne Zentrumskontrolle. 4. Führe die Klärung der Zentrumsfrage erst herbei, wenn der eigene König sicher steht.

Seit 1,5 Jahren wiederholen wir Woche für Woche beim Training diese für Anfänger wichtigen Regeln und für einen Trainer ist es natürlich absolut kräftezehrend , immer und immer wieder auf ein und die selben Fehler hinzuweisen. Im Falle der vorliegenden Partie ist es umso deprimierender, da Hans an für sich gutes Schach spielt, wenn er nach der Eröffnung keine Ruine verwalten muss. Nachdem er seinen Springer auf f6 hat stehen lassen und der Gegner zugegriffen hat, war natürlich die Motivation im Keller und die Partie gelaufen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle noch, dass der erste Figurenverlust das Resultat eines Reparaturversuchs der Eröffnungsstellung war. Man hat es halt einfach schwer, nachdem man mit den ersten Zügen das Auto gegen die Wand gefahren hat, und es anschließend mit einem Hammer zu reparieren versucht. Mit dieser künstlerischen Freiheit grenzt man sich natürlich sehr bewusst vom „normalen“ Schachspieler ab. Idiologisch wertvoll, aber den Punkt bekommt dann halt der Gegner. 🙂

Ralf auf der Suche nach einer Idee

Ralf auf der Suche nach einer Idee

So stand es also 2:2. Unsere Führung war nur ein kurzer Genuss. Nun kam es auf die letzten beiden Bretter an. an Brett 4 stand Andre mit der Qualität weniger in einem Mittelspiel, dass der Gegner einfach nur gewissenhaft zu Ende hätte spielen müssen, um den Punkt nach Hause zu schieben. Es kam also auf unser Spitzenbrett an. Ralf sollte seine 1600er-Gegnerin auf jeden Fall im Griff haben. Zu Beginn staunte ich aber nicht schlecht, dass Ralf von seinem normalen Repertoire abgewichen ist und sich mit den schwarzen Steinen auf eine Italienische Partie eingelassen hat. Ralf spielt Italienisch? Hat er noch nie gemacht. Entsprechend seltsam verlief auch die Partie. Wenn man zum ersten mal Italienisch spielt, kommt einem die Stellung nach Abschluss der Entwicklung als absolut symmetrisch  und ausgeglichen vor. Genau hier kennt nur der mit Italienisch erfahrene Spieler die typischen Angriffs- und Verteidigungspläne. Diese sind an für sich recht schnell gelernt, aber ohne deren Kenntnis sitzt man halt erstmal vorm Brett, hat die Entwicklung angeschlossen und weiß erstmal nicht weiter. Ralf hatte leider keinen richtigen Plan. Ihm fehlte der rote Faden. Und die Suche nach einer guten Idee kostete ihn unglaublich viel Zeit. Trotzdem schaffte er es, eine vorteilhafte Stellung aufs Brett zu bekommen. Aber irgendwie ging es nicht weiter. Seine Figuren standen unkoordiniert herum und es sah so aus, als ob jede Figur auf dem Brett seine eigene kleine Party feiert. Die Figuren seiner Gegnerin standen aber auch nicht besser. Nun folgt etwas, dass man am besten mit Stellungspech beschreiben kann. Während beide Seiten mit ihren Zügen in der Stellung herumstocherten, bekam Ralfs Gegnerin plötzlich Spiel. Figuren, welche lange Zeit einfach nur schlecht standen, bekamen aus dem Nichts eine Funktion. Plötzlich passte für Ralfs Gegnerin alles am Brett. Wie eine kleine Blume, die sich auf einer Müllhalde den Weg an die Oberfläche in Richtung Sonne erkämpft, blühten die Figuren von Ralfs Gegnerin auf.

Andre will gewinnen!

Andre will gewinnen!

Unser sicher geglaubtes 3:3 war nun ernsthaft hin Gefahr. Ich warf nochmal einen Blick auf die Partie von Andre und konnte meinen wässrigen Augen kaum Glauben schenken. Andres Gegner grübelte nun schon geschlagene 10 Minuten an der Springergabel, welche Andre in seinem letzten Zug ausführte. Nur Sekunden später erkannte ich die diabolische Drohung, mit welcher Andre bei seinen letzten Zügen alles auf eine Karte setzte. Nimmt sein Gegner den Springer, wird er in 2 Zügen matt gesetzt. Nimmt er den Springer nicht, wandert des Gegners Dame zurück ins Figurenkästchen. Noch ein letztes Mal erhob Andres Gegenüber die Hand, jedoch nicht zum Ziehen einer Figur, sondern um die Uhr zu stoppen und Andre zum Sieg der Partie zu gratulieren. 3:2! Wir waren also wieder in Führung. Nun hing alles von Ralf ab. Ein Remis! Nur ein lächerlich kleines Remis! Das würde reichen, um in dieser Saison wenigstens einen Mannschaftskampf für uns zu entscheiden.

Ralf kämpft mit sich, seiner Stellung und der Gegnerin

Ralf kämpft mit sich, seiner Stellung und der Gegnerin

Alle Augen starrten gebannt aufs Spitzenbrett. Ralf hatte nur noch 3 Minuten, um mit seinen nächsten 10 Zügen die Zeitkontrolle zu erreichen. In der Stellung passte aber einfach überhaupt nichts und ich glaube auch mit einer Stunde auf der Uhr, bleibt einem nur noch das Selektieren, welcher der möglichen Züge am wenigsten Unheil anrichtet. Eine wirklich undankbare Aufgabe. Ralf wirkte müde und ausgepowert und sah das Ende in Form von zwei Freibauern auf sich zukommen. Er opferte für diese beiden Bauern eine Figur und bekam für dieses Opfer nun die Bauernmehrheit am Königsflügel. Aber Ralf kämpfte und schaffte es, die Figur zurück zu gewinnen und in ein Bauernendspiel abzuwickeln, bei welchem beide Seiten noch Fehler machen können. Mehr als ein Remis war für Ralf aber nicht mehr drin. Die Chancen seiner Gegnerin auf den vollen Punkt waren wesentlich höher. Wacker kämpfte Ralf bis zum letzten Bauern, bevor er sich geschlagen geben musste.

3:3 Unentschieden

Einmal mehr waren wir nah dran am Sieg. Der Verlust der Partie ärgerte Ralf, aber wirklich zu schaffen machte ihm das Gefühl, dass der verpasste Sieg gegen Germering seine Schuld war. Hier muss ich ganz klar sagen, dass jeder von unserer Mannschaft für den Ausgang dieses Kampfes verantwortlich ist. Es ist immer sehr einfach, dem zuletzt spielenden Kameraden die Bürde aufzuerlegen, über Sieg und Niederlage zu entscheiden. Dabei liegt es an jedem Einzelnen, welchen Verlauf ein Mannschaftskampf nimmt. Wir sind als Mannschaft angetreten und haben als Mannschaft 3:3 gespielt. Für einige von uns gab es einen versönlichen Abschluss der Saison. Manch einer konnte nach langer Durststrecke doch nochmal punkten und mit einem positiven Gefühl nach Hause gehen. Trotzdem darf der Blick nicht nur auf sich selbst gerichtet werden, sondern muss auf jeden Mitstreiter gerichtet sein, mit welchem wir uns durch die gesamte Saison Seite an Seite gekämpft haben. Es gab viele Höhen und Tiefen und unabhängig von unserer Platzierung ist nur die Frage wichtig, wie wir als Mannschaft zusammenstehen. Ich habe schon mit vielen Mannschaften in verschiedenen Vereinen gespielt, aber diesen Zusammenhalt und dieses gegenseitige Vertrauen das wir untereinander haben, ist wirklich einmalig gut!

Für fast alle war es das erste Mal, in einer Mannschaft Ligaschach zu spielen. Gut in Erinnerung ist mir die Nervosität einiger Spieler in der ersten Runde geblieben. Ich kann sagen, dass sich jeder von euch im Laufe der Saison sehr gut entwickelt hat. Als Mannschaft sind wir zusammengewachsen und haben Spaß am Schach. Niederlagen haben uns immer angetrieben besser zu werden und die gewonnenen Partien waren Balsam für so manch knappen Verlust in der Vergangenheit.

Mit einem Grillfest werden wir unsere erste abgeschlossene Saison feiern und unsere Mannschaftskämpfe Revue passieren lassen. Und dann beginnt auch schon die Planung für die neue Saison. 🙂 Auf gehts!

Euer Benny

PS:

Anbei noch zwei Bilder, die so gar nichts mit Schach zu tun haben, aber in Verbindung zueinander recht gut passen 🙂

Die Beschriftung der Eingangstür zu unserem Spielraum.....

Die Beschriftung der Eingangstür zu unserem Spielraum…..

....und ein paar Meter weiter die passende Beschriftung am Fenster :-)

….und ein paar Meter weiter die passende Beschriftung am Fenster 🙂

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