Sieg im Mannschaftskampf gegen den SC Ammersee

Am gestrigen Sonntag schrieb unser noch junger Verein mit einem Sieg im Mannschaftskampf gegen den SC Ammersee Geschichte. Schon in der letzten Saison waren wir immer wieder nah dran, die vollen drei Punkte bei einigen Mannschaftskampf zu erkämpfen. Immer wieder schlidderten wir haarscharf an einem Sieg vorbei. Siegten wir an den unteren Brettern, wurde an den oberen Brettern geschwächelt. Holten wir an den oberen Brettern die Punkte, ließen wir diese an den unteren Bretten auf halber Strecke liegen. Es war wie verhext.

Unsere Mannschaft hat den Glauben und den Mannschaftsgeist aber nie verloren und weiter hart trainiert. Das uns ausgerechnet gegen den SC Ammersee die Schachgöttin Caissa hold war, ist in zweierlei Hinsicht sehr zufrieden stellend. Zum Einen haben einige unserer Spieler endlich auch mal gewonnene Stellungen konsequent zum vollen Punkt geführt und zum Anderen schwellt seit mittlerweile fast 10 Jahren eine Abneigung gegen Mitglieder des Vorstands des SC Ammersee (speziell gegen Christoph Schöner). Seinerzeit hatte sich Topschach als Sponsor des SC Ammersee angeboten und wurde mehrfach hintergangen. Seitdem versucht Christoph Schöner krampfhaft seinen Heiligenschein aufrecht zu erhalten. Gelungen ist ihm das nicht immer. Die Fassade des Christoph Schöner bröckelt schon lange.

Zum Glück besteht der SC Ammersee aber mehrheitlich aus wunderbaren Mitgliedern, welche den Verein prägen. Mit den meisten Spielern des SC Ammersee haben wir ein sehr gutes Verhältnis. So trafen wir beim aktuellen Mannschaftskampf auf mehr bekannte Gesichter, als zunächst erwartet. Sowohl die zweite, als auch die dritte Mannschaft des SC Ammersee musste am Sonntag ein Heimspiel durchführen. Das versprach viele spannende Partien. Gespielt wurde in den Räumen der Nachbarschaftshilfe in Inning und die Spielbedingungen waren dadurch wirklich sehr gut. Perfekte Lichtverhältnisse und genügend Platz an allen Brettern. Auch an die Versorgung der Schachspieler wurde vorbildlich gedacht. Das war beim SC Ammersee nicht immer so. Siehe http://forum.topschach.de/sc-ammersee-ein-peinlicher-gastgeber-t970.html

Mit einem Blick auf die Mannschaftsaufstellung unserer Gegner malte ich mir gute Chancen aus, obwohl wir nur zu Fünft angereist sind. Unser Brett 3 sagte „kurzfristig“ ab, was einen kampflosen Punkt für den SC Ammersee zur Folge hatte. Unser Brett 1 Dr. Ralf Ludwig traf mit Joachim Heinze auf einen bekannten und schwierigen Gegner. Joachim ist ein Garant für halbe Punkte und hierbei ist es egal, ob der Gegner 1300 oder 2000 DWZ hat. Ich kenne keinen anderen Schachspieler, der es so effektiv schafft, Schachpartien verflachen zu lassen. Will man als sein Gegner um jeden Preis trotzdem gewinnen, kommt es nicht selten vor, dass man überzieht und am Ende Joachim triumphiert. Nach vielen Partien im Blitz- und Schnellschach die ich gegen ihn ausgetragen habe, glaube ich die Lösung gefunden zu haben. Von Beginn an sollte man Stellungen anstreben, in welchen sich Joachim auf der Siegerstraße fühlt. Opfert man ein oder zwei Bauern, will er auf Gewinn spielen und ein Verflachen der Partie kommt praktisch nicht mehr in Frage. Dieses Vorgehen ist selbstredend nicht ohne Risiko, trug aber in vergangenen Partien gegen ihn reife Früchte.

Ralf hatte in seiner bisher noch kurzen Schachkarriere ziemlich oft das Vergnügen auf Joachim Heinze zu treffen und mehr als einmal war die Punkteteilung das logische Ergebnis. Wird er es diesmal schaffen, eine verwickelte Stellung aufs Brett zu bekommen? Ralf braucht den Häuserkampf mit brennenden Ruinen im Hintergrund. Auf einer grünen Wiese im Sommer Blümchen zu pflücken ist überhaupt nicht sein Fall. Sowohl das Wetter, als auch die Eröffnungsbehandlung von Ralf, spielten seinem Gegner in die Hände. Eine bis zum Schluss symmetrische Stellung mit frühem Abtausch aller Leichtfiguren + Damentausch war genau das, was Joachim wollte und er bekam es. An einigen Stellen hatte Ralf Chancen, für Ungleichgewichte zu sorgen, aber irgendwie kam er in seiner Partie überhaupt nicht richtig in Fahrt. Das Turmendspiel war einfach nur Remis, aber Ralf versuchte weiterhin irgendwelche studienhaften Wendungen zu finden.

An Brett 2 versuchte ich gegen Ernst Floeren von Beginn an äußerst kreativ zu spielen. Mit den schwarzen Steinen bekam ich einen Spanier vor die Nase. Tausende Schlachten habe ich mit dieser Eröffnung sowohl mit Weiß, als auch mit Schwarz geführt und fühlte mich so sicher, dass in mir die zweifelhafte Idee keimte, diese wunderbare Eröffnung mit den schwarzen Steinen neu zu erfinden. Es kam zu folgender Stellung:

Mein Gegner war am Zug und ich versuchte die mit den schwarzen Steinen verursachte Katastrophe mit einem Pokerface zu übertünchen. Ernst Floeren zog dann auch recht flott seinen Springer nach c3. „Nochmal Schwein gehabt!“, dachte ich. Lxc6, dxc6 gefolgt von Sxe5 und Weiß hat nicht einfach nur einen Bauern gewonnen, sondern auch noch das Zentrum komplett unter Kontrolle und das Spiel wäre nur noch in eine Richtung gelaufen. Nach der Partie zeigte ich meinem Gegner in der Analyse die verpasste Chance, aber so richtig warm wurde er damit nicht. Er meinte, dass die Entwicklung des Springers wichtiger sei, als ein Bauer. Ohne Verständnis für strategische Elemente wie etwa die Beherrschung des Zentrums, ist diese Antwort verständlich. Es ist übrigens bemerkenswert, dass gerade Schachspieler mit einer ewigen 1500 DWZ kein Aha-Erlebnis bei verpassten Chancen zeigen. Viel lieber wird abgewiegelt und ein schlechter Zug skurril begründet.  Endlich Wach vom Schock, ging es ziemlich interessant weiter. Es kam zu folgender Stellung:

Erst in der Heimanalyse und unter lautstarken Rufen von Stockfish 10 wurde mir klar, wie verdächtig diese Stellung ist. Der Computer will mittels h2-h4 und g2-g4 dem Treiben von Schwarz ein schnelles Ende setzen. Je mehr ich mich mit den Ideen hinter diesem direkten Angriff in der Analyse beschäftigte, desto klarer wurde das Bild. Das Angriffsmotiv ist wirklich interessant und an für sich recht einfach und einleuchtend. Einmal mehr wird mir klar, dass eine Schachpartie nicht nach Abschluss der Eröffnung beginnt, sondern alle Sinne vom ersten Zug an auf 100% laufen müssen. Weder mein Gegner, noch ich selbst haben diesen Angriff auch nur im entferntesten in Betracht gezogen. Wieder was gelernt.

Langsam aber sicher kam ich in Fahrt und fühlte mich ab der folgenden Stellung ziemlich wohl:

Nach der Partie teilte mir mein Gegner mit, dass er seinen Springer auf g4 richtig gut fand und auch sein Läufer auf d5 ganz toll stehen würde. Ich hingegen empfand das Feld g4 für den Springer fragwürdig und verwies auf das tolle Feld f5 für den Springer. Als Antwort bekam ich von meinem Gegner ziemlich ernüchternd, dass der Springer da nicht hin kann. 🙂 Tjo, dann muss man halt dafür sorgen, dass er da hin kann. Auch mit dem Läufer auf d5 kann ich mich aus weißer Sicht nicht wirklich anfreunden. Bei Bedarf kann Schwarz diesen Läufer abtauschen, aber solange dieser auf einen leeren Damenflügel blickt und nicht zur Verteidigung am Königsflügel herangezogen werden kann, stört er mich nicht.

Wenige Züge später erspähte ich in folgender Stellung taktische Chancen:

Ich zog die Dame nach h4 und war mir sicher, dass Schwarz klar besser steht. Gabeln wie g2-g3 führen den Weißen direkt ins Verderben. Mein Gegner sah das auch und konzentrierte sich nun aufs Verteidigen am Königsflügel. Dies gab mir Zeit, sämtliche Figuren in den Angriff zu koordinieren. Es kam zu folgender Stellung:

Ich muss hierzu sagen, dass mein Gegner sich bis zu gezeigter Stellung wirklich gut verteidigt hat und ein keinen direkten Weg fand, die Stellung aufzubrechen. Der weiße Springer zeigte sich beim Verteidigen von seiner besten Seite. Alle meine Versuche schienen erfolglos und es kam zu folgender Stellung:

In der Analyse meinte mein Gegner, dass er nun absolut sicher stehen würde und sich nun mit seiner Dame um den Damenflügel kümmern könnte. Auf den ersten Blick wirkt die weiße Stellung wirklich stabil. Die Schwäche der weißen Stellung liegt aber im Detail. So ist es der König, der hier ziemlich viel Deckungsarbeit verrichten muss. Sollte die Entscheidung am Damenflügel fallen, würde der weiße Turm auf h4 recht schwer einen Weg zu den Geschehnissen am Damenflügel finden. Schwarz würde hier mit einer Figur mehr spielen.

Nichtsahnend setzte Ernst Floeren nun seinen Plan in die Tat um und ich lockte seine Dame mit einem vergifteten Bauern vom Schutz des Königs weg. Es kam zu folgender Stellung:

Mein Gegner führte die letzten Züge auf ziemlich süffisante Art und Weise aus und hämmerte auch entsprechend laut auf die Schachuhr. Frei nach dem Motto:“Schaut alle auf mein Brett! Hier führt ein Siegertyp die weißen Steine!“. 🙂

Ja, Weiß kann nun einen Bauern gewinnen. Der Versuch die Bauern e6 und d5 mittels Dame d7 zu decken scheitert natürlich, da hierbei die Deckung des Bauern h4 aufgegeben werden müsste. Der Sinn hinter dem Opfer erschloss sich meinem Gegner erst, nachdem ich meine Dame zurück auf das Feld f6 stellte und nach seinem Schlagen des Bauern auf b5 a tempo meinen Läufer nach h6 zog:

Langsam dämmerte es meinem Gegner, dass das Ticket für den Damenausflug ziemlich teuer war. Die Drohung Txg4 liegt nun in der Luft. Die weiße Dame bekommt von dem Ungemach nicht viel mit. Wenige Züge später hatte ich dann auch meine Wunschstellung:

Vom stolzen Ausführen seiner Züge und dem erhabenen Hauen der Schachuhr war nichts mehr übrig. Nach längerer Überlegung schob mein Gegner dann seinen Bauern nach g5.

Die Idee hinter diesem Zug ist genauso verständlich wie verzweifelt. Nach Dxg5 will sich der weiße Springer noch einmal schützend mittels Sg4 vor den König werfen, aber nach Lg3 gefolgt von Dd2+ wird der weiße König trotzdem nicht Herr seiner Leiden. Ich entschloss mich, den Monarchen direkt zum Galgen zu führen und nahm den Springer raus (Lxh2). Als letzten Akt im Amt, schlug mein Gegner nun den Läufer mit dem König und nach Dxg5 kam es zu der Schlussstellung:

Weitere 7 Minuten sollten vergehen, bis mein Gegner die Uhr anhielt und mir zur Aufgabe die Hand reichte. Dieser Punkt war wichtig. Wirklich zufrieden war ich mit meiner Partie aber nicht. Mehr als einmal und recht früh hätte mein Gegner für einen anderen Ausgang sorgen können.

So stand es nun 1-1 im Mannschaftskampf. An Brett 6 spielte Sandy mit den schwarzen Steinen gegen Schottisch. Auch sie war auf Angriff gebürstet und wählte eine eigenwillige Fortsetzung, welche für Schärfe sorgte. Um jeden Preis wollte Sie auf Matt spielen und opferte hierzu etwas zu viel Material. Ihr Gegner hielt den Kasten sauber, wehrte die Angriffe ab und konterte selbst mit einem Angriff, welcher ihm den vollen Punkt bescherte.

So stand es nun 2:1 für den SC Ammersee.

Es liefen noch drei Partien und ein Blick auf die Bretter von Oliver und Andre ließ Freude aufkommen. Andre hatte seinen Gegner komplett im Griff und drohte diesen baldigst Matt zu setzen. Oliver hatte sich die Dame des Gegners einverleibt und stand ebenfalls komplett auf Gewinn. An unserem Brett 1 gab es ein Remisangebot von Joachim an Ralf. Als Mannschaftsführer teilte ich Ralf mit, dass er weiter kämpfen solle. In Anbetracht der wie schon zu Anfang erwähnten Remisstellung an seinem Brett eine ziemlich unrealistische Aufgabe. Ich warf Ralf hinterher, dass er selbst entscheiden kann. 🙂 Das Remis an Brett 1 war damit unter Dach und Fach.

Aktueller Stand: 2,5-.1,5 – Noch immer lag der SC Ammersee in Führung.

Alle Blicke richteten sich nun auf die Partien von Oliver und Andre. Während Oliver Dank Mehrmaterial überragend stand, machte ich mir trotzdem sorgen um seinen König. Die Grundreihe war schwach und in einem Moment der Unachtsamkeit könnte ihn sein Gegner eventuell doch noch Matt setzen. Während ich darüber nachdachte, schob Oliver einen Bauern nach vorne und verschaffte seinem König ein Luftloch. 🙂

Am Brett von Andre zog sich immer weiter der Knoten des Schicksals zu. Das Matt war unausweichlich. Wie auch in meiner Partie, ging die gegnerische Dame abseits der Geschehnisse auf Bauernjagd und konnte dem König nicht mehr rechtzeitig zur Hilfe eilen. Andres Gegner gab die Partie auf. Eine von Andre sehr schön gespielte Partie hat einen verdienten Sieger gefunden!

Damit stand es nun 2,5 zu 2,5. Es lag nun an Oliver, für eine kleine Sensation zu sorgen. In der Vergangenheit kam es schon mal vor, dass Oliver nach überragendem Spiel eine Partie einzügig wegwarf. Diesmal sollte aber alles anders laufen. Gewissenhaft führte Oliver seine Züge am Brett aus und sorgte für ordentlich Druck auf den gegenerischen König. Doch bevor es zum endgültigen Mattangriff kam, stellte Olivers Gegner einzügig einen Turm ein. Zu viel des Guten. Sein Gegner gab direkt auf.

Mit 2,5 zu 3,5 haben die Schachfreunde Topschach Gilching e.V. ihren ersten Mannschaftskampf seit Bestehen des Vereins gewonnen. Wir waren überglücklich! 🙂

Üblicherweise analysieren wir unsere gespielten Partien nach den Mannschaftskämpfen gemeinsam in lockerer Runde. Diesmal auch mit Feierlaune. 😉

Schachfreunde Topschach Erster Mannschaftssieg

So sehn Sieger aus….. 🙂

Mit Fürstenfeldbruck erwartet uns in der letzten Runde nochmal ein harter Brocken. Aber bis dahin wird gefeiert… 🙂

Bis bald…..

Euer Benny