Schachtaktik zum Mittag #3 – Aus gegebenen Anlass

Die heutige Taktikaufgabe stammt aus der Partie zwischen Marc Morgunov und Georg Fröwis, welche ziemlich aktuell am 29.07.2018 bei der Wiener Staatsmeisterschaft gespielt wurde. Georg Fröwis ist seit 2011 ein gestandener IM mit viel Erfahrung am Brett. Ihm gegenüber saß der wegen Betrug(sverdacht) jüngst in die Schlagzeilen gekommene FM Marc Morgunov.  Aus gegebenen Anlass habe ich daher eine Vielzahl von Partien des Fidemeisters unter die Lupe genommen und bin zu interessanten Ergebnissen gekommen. Hier aber zunächst die hübsche Taktik, mit welcher Marc Morgunov die Partie für sich entscheiden konnte:

Weiß am Zug gewinnt!

Wer die Lösung nicht findet, kann die Partie am Ende des Artikels nachspielen. Kommen wir nun zu meiner Bewertung der gesamten Partie. Mit Stockfish 9 im Gepäck habe ich mich auf die Suche nach Fehlern gemacht. Während Georg Fröwis sein Spiel mit ein paar ungenauen Zügen ziemlich lange am Leben halten konnte, spielte Marc Morgunov ausschließlich die erste Wahl von Stockfish. Ich muss dazu sagen, dass die Eröffnungswahl nicht viel Raum für kreatives Spiel lässt und ein extrem starker Spieler hier die guten Zügen durchaus finden kann. Etwas stutzig machte mich aber die Tatsache, das es für Weiß in allen Stellungen überwiegend mehrere gleichwertig gute Züge zur Auswahl gab und immer die erste Wahl von Stockfish gezogen wurde.

Die Partie war über die gesamte Strecke inhaltlich sehr arm und gehaltlos. Es ist schon faszinierend, dass das taktische Auge von Marc Morgunov trotzdem im richtigen Moment dieses doch recht seltene taktische Motiv erkannt hat. Dies muss schon einige Züge vor dem Zug f2-f4 geschehen sein und wenn Schwarz den Bauern nicht en passant nimmt und einfach mit dem Bauern vorbeizieht, ist Einges an Rechenarbeit notwendig, um den vollen Punkt zu holen. Wie schwer es ist, dieses taktische Motiv selbst nach f2-f4 zu erkennen, sieht man daran, dass es selbst dieser wirklich starke IM Georg Fröwis nicht entdeckte.

Beim Betrachten weiterer Partien von Marc Morgunov stellt man fest, dass er in sehr vielen Partien praktisch fehlerlos spielt. Spielte er mal remis oder gar eine Verlustpartie, war die Qualität des Spiels bedeutend geringer. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man könnte es schon fast bedauern, dass er erwischt wurde. Selten waren die Chancen für einen österreichischen Schachspieler höher, in nächster Zukunft den Weltmeister herausfordern zu können. Außer Spesen nix gewesen.

Bis bald

Euer Benny