Marshall Gambit – Schachtaktik zum Frühstück #25

Das Marshall-Gambit im Spanier gilt als ziemlich ausanalysiert und trickreich. Als Anfänger macht es durchaus Sinn, diese klassische Eröffnung zu lernen, jedoch sollte man sich am Anfang auf einfache Konzepte konzentrieren, sonst droht schnell Unheil. Ich empfehle zu Anfang folgende Variante:

Der Standardplan von Weiß ist hier die Überführung des Springers b1 über d2 nach c4 mit Doppelangriff auf den Bauern e5. Bei Bedarf kann der Springer anschließend auch über das Feld e3 die wichtigen Felder f5 und d5 kontrollieren. Ein recht simpler, aber im Zusammenspiel mit den restlichen Figuren, effektiver Plan. Damit umschifft man sehr viele Hauptvarianten des Spaniers und läuft nicht Gefahr, bei einem Theorieduell den Kürzeren zu ziehen.

Wie schnell man von der Straße abkommen kann, zeigt folgende aktuelle Partie, welche ich gegen unser Mitglied Hans gerade im Fernschach austrage.

Mit 12.Df3? verfängt sich Hans im Netz von Schwarz. Im Marshall Gambit muss jeder Zug sitzen und genau überlegt sein. Man muss sich bei der Auswahl der Varianten im Spanier immer bewusst sein, dass nicht nur Weiß die Richtung der Partie bestimmt, sondern auch Schwarz. Hans gab mir die Möglichkeit, das Marshall-Gambit zu spielen und ich habe den Fehdehandschuh dankend angenommen. Ein paar Züge später fing Hans mit 12.Df3? an zu straucheln.

Wichtige Regel!: Wenn man eine Eröffnungsvariante nicht gut kennt, sollte man diese nicht zulassen.

Um dem Marshall-Gambit aus dem Weg zu gehen, hätte Weiß hier einfach folgende Variante spielen können:

Das mag auf den ersten Blick etwas ambitionslos wirken, aber es verhindert ein Theorieduell und gibt dem Weißen die Möglichkeit, seine Entwicklung sehr sicher abzuschließen. So Standard-Ideen wie Sbd2-f1-g3 können gespielt werden. Einfache Setups, die man schnell lernen kann und für Weiß kein Risiko sind.

Für Anfänger ist es unglaublich schwer, die richtigen Eröffnungen für ihr Repertoire zu finden. In Büchern findet man Varianten über Varianten und so richtig Lust aufs Lernen dieser ganzen Theorie hat man im Anfangsstadium seiner Schachkarriere eher nicht. Die meisten schauen sich dann irgendwelche Zugfolgen an und spielen das dann einfach. Fällt man damit dann auf die Nase, wird sich die nächste Eröffnung an geschaut. Irgendwann hat man dann keine Lust mehr und spielt einfach drauf los.

Ich empfehle jedem Neuling im Schach, sich mit dem Wulst an Eröffnungsvarianten zunächst nicht zu beschäftigen. Das erste Repertoire sollte aus kleinen spielbaren Setups bestehen, die man schnell lernen kann und in der Praxis auch aufs Brett bekommt. Wichtig ist bei diesen Setups, dass einem der Gegner nicht in trübe Varianten-Gewässer lotsen kann.

Hat man mal eine gewisse Grundspielstärke erreicht, ist es sehr viel einfacher, sich an die verschiedenen Haupt- und Nebenvarianten einer Eröffnung zu trauen. Wenn man nicht gerade Profischachspieler werden möchte und jeden Tag 6-8 Stunden Schach trainiert, ist das Lernen von einfachen Eröffnungs-Setups wesentlich effektiver.

Und wo ist nun die Schachtaktik zum Frühstück?

Hier 🙂

Weiß am Zug steht mit dem Rücken zur Wand. Hans zog hier De3?, was den Untergang recht schnell besiegelt.  Wie hätte Weiß am Zug in dieser Stellung mit einem blauen Auge davonkommen können und die Partie, zumindest für etwas längere Zeit, noch am Leben halten können?

Bis bald

Euer Benny