Fünfseenland-Pokal 2018 in Gilching – Ein perfekter Einstand

Am letzten Donnerstag war das zweite Turnier der Turnierserie des Fünfseenland-Pokals angesagt. Nach dem Rückzug der Schachfreunde Starnberger See, hat unser noch junger Schachverein den Platz übernommen und mit Spannung auf diesen Termin hingearbeitet. Mit dem Gasthof Widmann in Gilching wurde eine wirklich angenehme Location gefunden, welche neben optimalem Platzangebot auch noch gute Speisen und Getränke im Repertoire hatte.

Bereits um 17 Uhr waren Ralf, Janos, Oliver und meine Wenigkeit vor Ort, um das zuvor Geplante umzusetzen. Eine besondere Herausforderung war die Liveübertragung der Schachpartien an den ersten Brettern. Wie wir erst vor Ort feststellten, gab es kein ausreichendes WLAN, weshalb wir auf einen WLAN-Hotspot über eines unserer Smartphones setzen mussten. Aber auch hier machte sich schnell Ernüchterung breit, da auch der Handyempfang im Vitusstüberl absolut im Keller war. Lediglich der Handy-Provider von Janos hatte etwas Erbarmen und ließ und auf der Klinge (EDGE) tanzen.

5_Seenland_Pokal_DGT_Bretter

Alle Bretter stehen bereit. Das Turnier kann beginnen.

Wir entschieden uns daher, lediglich die ersten beiden Bretter live zu übertragen, was insgesamt auch gut gelungen ist. Für zukünftige Events werden wir aber mit Sicherheit eine gute Lösung finden, welche die Übertragung der Partien an weiteren Brettern ermöglicht.

Bereits um 18 Uhr gesellte sich Eduard Humburg vom SC Wolfratshausen zu uns, um sich etwas warm zu spielen. 🙂 Wir waren gespannt, wie viele Schachspieler den Weg zu uns finden werden. Fehlen durfte auf keinen Fall unser IM Thomas Reich, welcher generell jeden Donnerstag bei unserem Vereinsabend dabei ist und bei Eröffnungsfragen und beim Analysieren von Schachpartien eine geschätzte Kompetenz ist. Mit Sophia Wetzler, welche in Regensburg Schach spielt, nahm ebenfalls ein ständiger Gast unseres Vereinsabends an diesem Turnier teil.

Viel Platz für einen schönen Schachabend

Viel Platz für einen schönen Schachabend

Vor dem Turnier nochmal Kraft tanken :-)

Vor dem Turnier nochmal Kraft tanken 🙂

Janos und Ralf spielen sich vor dem Turnier warm

…und auch Eduard hat einen Sparringspartner zum Aufwärmen gefunden

Nach und nach trafen dann auch die bekannten Gesichter aus den umliegenden Vereinen ein. Mit Ulrich Sperber hatten wir zudem einen absolut erfahrenen Turnierleiter  in unseren Reihen, welcher routiniert die Auslosungen vornahm und dabei selbst die Figuren Runde um Runde erfolgreich übers Brett schob. Die Schachfreunde Topschach Gilching möchten sich an dieser Stelle herzlich beim Uli bedanken, welcher für den Erfolg dieses Turniers in hohem Maße beigetragen hat. 🙂

Paarungen und Tabelle per Beamer an der Wand

Die Liveübertragung läuft 🙂

Die aktuellen Paarungen und die Tabelle wurden zeitgemäß über einen Beamer an die Wand projiziert, womit das umständliche Ausrufen der einzelnen Paarungen vermieden wurde. So ging es in die erste Runde. Ich selbst war mit den Gedanken noch ganz woanders und durfte mit den schwarzen Steinen gegen Eduard Humburg ran. Was für ein Desaster. War die Eröffnung noch Entspannungstraining, ging es mit der Patzerei im Mittelspiel erst so richtig los. Eduard konnte sehr geschickt eine meiner wertvollen Figuren erobern und hatte zudem noch die Kompensation dafür. Die Stellung spielte sich für Weiß praktisch von selbst. Es stimmte für Eduard einfach alles und ich hatte so gut wie immer die Wahl zwischen einem schnellen Ende und einem langsamen Ende. Ich muss dazu sagen, dass Eduard die taktischen Kniffe die auf die Brett waren immer recht schnell gefunden hat und entgegen seiner doch recht niedrigen DWZ sehr gut spielte. Den Punkt hat er sich auf jeden Fall verdient. Es sollte sein einziger Punkt an diesem Abend sein, aber ein Sieg gegen mich kompensiert die folgenden 6 Niederlagen allemal. 😀

Bernhard gegen Sophia

 

Interessantes Schach wurde in der ersten Runde an Brett 1 gespielt. IM Thomas Reich hatte die weißen Steinen gegen Dr. Bernhard Vonach. Hier konnte Bernhard die Partie gegen den Internationalen Meister ziemlich lange ausgeglichen halten. Wer allerdings Thomas (Ritschi) Reich kennt weiß, dass er gerade in Blitz- und Schnellschachpartien bis zum bitteren Ende kämpft und selbst aus Stellungen die ziemlich nach Remis aussehen, noch einen Punkt quetscht. So auch in dieser Partie. Soweit ich mitbekommen habe, war es die einzige Partie, in welcher Thomas Reich für den vollen Punkt arbeiten musste.

IM Ritschi gegen Bernhard

In der zweiten Runde durfte dann Clemens von Schmädel vom SC Starnberg mit den weißen Steinen sein „Glück“ gegen Ritschi versuchen. Clemens ist ein unglaublich erfahrener Blitz- und Schnellschachspieler, der Chancen nutzt, wenn sie sich ihm anbieten. In der Partie gegen den IM hatte er allerdings das Pech, eine Eröffnungsvariante zu wählen, welche Ritschi bereits in bestimmt 100 Langschach- und 1000 Blitzpartien auf dem Brett hatte. Er kannte die sich hieraus resultierenden Stellungsbilder in- und auswendig. So benötigte er gerade mal 4,5 Minuten seiner 15 Minuten Bedenkzeit, um die Partie für sich zu entscheiden.

Achim bringt seinen Gegner ins Grübeln…

Eine kleine Sensation spielte sich an Brett 2 der zweiten Runde ab. Mit FM Bernd Salvermoser hatte unser Mitglied Dr. Ralf Ludwig ein ordentliches Kaliber als Gegner. Folgende Begebenheit macht diese Partie recht besonders. Ralf ist ein wissbegieriger Schachspieler, welcher in den letzten Monaten sein Eröffnungsrepertoire komplett umgestellt hat. Neu hinzugekommen ist unter anderem auch das Budapester Gambit. Eine Empfehlung von mir, da ich damit im Turnierschach recht erfolgreich war und Ralf für langweiligen Mainstream keine Geduld hat. Er will nach nur wenigen Zügen Verwicklungen auf dem Brett haben. Die Stellung muss bei ihm brennen. Seine ersten Gehversuche mit dem Budapester Gambit hat er beim DSAM Cup in München gewagt, allerdings noch nicht ganz so erfolgreich. Die Varianten haben noch nicht so richtig gesessen und die Pläne und Motive einzelner Varianten waren teilweise noch unbekannt. Hier hat sich dann IM Thomas Reich in den letzten Wochen bei unseren Vereinsabenden den guten Ralf vorgenommen und ihn im Budapster Gambit fit gemacht. Nun kam gegen FM Bernd Salvermoser ausgerechnet die Variante aufs Brett, welche wir erst vor 2-3 Wochen im Detail analysiert haben. Ralf mag das Läuferpaar und es war etwas Überzeugungsarbeit notwendig, ihn von dem Schlagen des Springers auf c3 in dieser Variante zu überreden (siehe Partie). Wenn Schwarz etwas aus der Eröffnung haben will, dann sind es die Doppelbauern auf der c-Linie, gegen welche sich sein Spiel richten muss. Nach der Partie sagte mir Ralf, dass er sich während der Partie an unsere Aussagen erinnerte und sich sagte, „…jetzt probiere ich das mal!„. Herausgekommen ist dabei eine Partie, in welcher Ralf ein ziemlich hohes taktisches Niveau zeigte und seinen ratlosen Gegner wunderschön überspielte. Die Schlusskombination am Ende ist wirklich sehenswert.

Ralf in Bestform gegen den Fidemeister Bernd Salvermoser

Für Joachim lief es diesmal nicht ganz so rund, aber hier gewann er gegen Robert

Ich selbst durfte mal wieder gegen Dieter Koch die Figuren schwingen. Diesmal mit Weiß und diesmal mit mehr Ehrgeiz. Tja,- und wieder stellte ich eine Figur und zusätzlich einen Bauer ein. Dieter tauschte die restlichen Figuren und war sich sehr lange seines Sieges gewiss. Mit viel Mühe bekam ich allerdings ein Endspiel aufs Brett, welches für mich zwar immer noch verloren war, aber um die richtigen Züge für Schwarz zu finden, musste man schon etwas rechnen. Dieter mit Springer + Turm und 5 Bauern und ich mit Trum und 4 Bauern.  So kam es, dass ich einen Freibauern gefährlich nah am Umwandlungsfeld hatte und Dieter kurzerhand seinen Springer für diesen Freibauern opferte. Damit war er zwar immer noch 2 Bauern vorne, aber Endspiele sind nicht gerade Dieters Spezialgebiet. So kam es, dass ich mit meinem Turm einen Bauern nach dem anderen von Dieter abholen konnte und am Ende doch noch den vollen Punkt mein Eigen nennen durfte. Ein verdienter Sieg sieht anders aus, aber warum nicht mal den Spieß (Meine Partie gegen Dieter in Inning) herumdrehen? 🙂

In der Dritten Runde hatte dann Thomas Sörgel das Vergnügen, gegen seinen Namensvetter Ritschi mit den schwarzen Steinen gegen das Londoner System zu spielen. Wieder eine sehr lehrreiche Partie, welche deutlich zeigt, wie der IM kleine Stellungsvorteile Zug um Zug bis zum Endspiel in einen großen Vorteil zusammenwachsen lässt.

Oliver Prater hatte einen schweren Stand gegen die sehr erfahrene Gegnerschaft

Am zweiten Brett spielte Sebastian Finsterwalder vom Gautinger mit Weiß gegen Hans-Georg Uffelmann vom SC Wolfratshausen. In einer sehr verwickelten Partie drohte Sebastian einen Figurengewinn. Die zur Rettung herbeigeeilte Dame von Schwarz wurde anschließend selbst in Geiselhaft genommen.

Ritschi bringt nichts aus der Ruhe

Ich selbst vergnügte mich mit meinem Vereinskameraden Janos Morlin mit den schwarzen Steinen. Im Gegensatz zu den Partien die ich sonst immer gegen ihn beim Vereinsabend spiele, zeigte Janos auf jeden Fall sehr gute Fortschritte und es war nicht ganz so einfach, den vollen Punkt zu holen. Es macht wirklich Spaß zu sehen, wie die Jungs und Mädels in unserem Verein immer besser werden. 🙂

In Runde 4 traf der Schüler auf seinen Meister. Ralf gegen Ritschi. Es spricht wohl für Ralf, dass er den Mut hat, ausgerechnet das Londoner System gegen Ritschi zu spielen. Schließlich will man ja wissen, dass ein London-Experte selbst für Mittel gegen sein eigenes Repertoire hat. In einer umkämpften Partie behielt der Meister die Oberhand.

Es wird Schach gespielt…

An Brett 2 der vierten Runde setzte der Turniersieger aus Inning Lars Hampe den Gautinger Spieler Sebastian Finsterwalder matt. Wieder eine sehr sehenswerte Partie.

Das Sophia mit ihren knapp 1600 DWZ unterbewertet ist, demonstrierte sie sehr gut gegen ihre starken Gegner

Mit meiner Partie gegen Achim Flemming kann ich zurecht unzufrieden sein. In einer bekannten Eröffnungsvariante war die Stellung recht ausgeglichen mit beidseitigen Chancen. Ohne Zwang wickelte ich allerdings in ein schlechtes Endspiel ab. Das ich zu guter Letzt mal wieder eine Figur einstellte, ist nur eine Randbemerkung wert. Viel ärgerlicher ist die Tatsache, dass ich schon vor der Abwicklung gesehen habe, dass das Endspiel eher für meinen Gegner aussichtsreich ist und ich es trotzdem forciert habe. Faulheit spielte hier eine große Rolle. Anstatt die Stellung zu spielen, strebte ich Vereinfachung auf Kosten eines schlechten Endspiels an. Irgendwie wirst Du das schon noch halten. Tjo,- Pustekuchen 🙂

Nach dem Erfolg von Lars in der vierten Runde traf er nun auf Thomas Reich mit Schwarz. Diesmal kein London, aber trotzdem der volle Punkt für Thomas.

Gegen Sebastian Finsterwalder konnte Ralf Ludwig in der fünften Runde bis zu einem Figureneinsteller sehr lange mithalten. Gerade gegen Ende kann die Konzentration sehr schnell nachlassen. Gerade wenn man so wie Ralf, scharfes und verwickeltes Spiel anstrebt, wird ein Mangel an Konzentration schnell zum Verhängnis. Hier lohnt es sich oftmals, auch mal eine langweile Partie in Kauf zu nehmen.

Mein Gegner Paul Behler war für mich ein unbekannter Gegner. Er hat keine DWZ, war aber schon bei den Braingames dabei. Mit Weiß bekam ich einen Russen vorgesetzt und freute mich innerlich. Unendliche Stunden habe ich mich schon mit der russischen Verteidigung beschäftigt und unter anderem auch eine DVD für Weißspieler auf den Markt gebracht, mit dem eindeutigen Titel „Die Vernichtung der Russischen Verteidigung„. Im „Staccato“ brachte ich meine Züge aufs Brett und mein Gegner tapte recht schnell in eine Falle, in welcher ich einen wichtigen Bauern erobern konnte. Jetzt nur noch ins Endspiel abwickeln und den Mehrbauern verwerten. Gerade die in der Russischen Verteidigung oftmals sehr „einfachen“ Bauernstrukturen lassen im Endspiel einen Mehrbauern sehr unkompliziert zum vollen Punkt bringen.

Den Schwung aus der fünften Runde nahm Sebastian dann auch gleich mit in die Partie gegen Thomas Sörgel in der sechsten Runde. In beidseitiger Zeitnot behielt Sebastian den Überblick und konnte die Dauerschachversuche seines Gegners souverän abwehren. Am Ende gewann Sebastian auf Zeit, aber wie man anhand der Schlussstellung sieht, war das Matt nicht weit entfernt.

In Runde 7 setzte Sebastian Finsterwalder mit Schwarz gegen IM Thomas Reich dann nochmal alles auf eine Karte. Thomas wählte nun wieder das London System und Sebastian entschied sich mit Schwarz für eine Variante, die laut aktueller Theorie nicht wirklich Chancen zum Ausgleich hat. Nach der Eröffnung stand Sebastian schon ziemlich verdächtig, was er wohl selbst bemerkte. Mit einem Qualitätsopfer versuchte er sich zu befreien. Das ging allerdings recht schnell in die Hose und IM Thomas Reich stand mit 7 gewonnenen Partien aus 7 Runden an der Spitze des Felds.

An Brett zwei durfte in der siebten Runde dann auch ich mal in den Genuss der Livebretter kommen. Mit Ulrich Sperber hatte ich auch einen mir ziemlich bekannten Gegner. 🙂 Ich hatte Schwarz und es kam das Königsgambit aufs Brett. Nach nur einigen Zügen kam das Remisangebot von Uli, welches ich nach diesen harten 6 Runden gerne annahm.

Hier nun die Schlusstabelle:

Unser erstes Turnier in Gilching hat mit IM Thomas Reich einen würdigen Sieger gefunden. Nach der siebten Runde gefragt, wie er das Spiel seiner Gegner fand, antwortete IM Ritschi, dass er sich bei dem ein oder anderen Gegner etwas mehr Gegenwehr gewünscht hätte.

Als Schiedsrichter fungierte der erfahrene nationale Schiedsrichter Thomas Sörgel, dessen Fähigkeiten allerdings nicht gefordert wurden. Während des gesamten Turniers gab es nur gute Stimmung! Keinerlei Proteste oder Zankereien. So wie in Inning, waren auch bei unserem Turnier die Trickser und Miesepeter Zuhause geblieben. Ich bin sehr gespannt, welchen Stellenwert ein faires Miteinander beim letzten Turnier in Starnberg haben wird.

Abschließend kann ich sagen, dass die Ausrichtung dieses Turniers in Gilching sehr viel Spaß und Lust auf mehr gemacht hat. An der Liveübertragung müssen wir noch etwas arbeiten und auch die Lichtverhältnisse an ein paar Brettern war nicht optimal. Weiteren Verbesserungsvorschlägen stehen wir offen gegenüber und würden uns freuen, wenn der ein oder andere Schachspieler aus unserem Schachkreis auch mal bei unseren Vereinsabenden donnerstags ab 19 Uhr im „El Diablo“ vorbeischauen würde. Faire Spieler sind herzlich willkommen und für manchen eine gute Möglichkeit, eine Revanche gegen IM Thomas Reich zu bekommen 🙂

Bis bald

Euer Benny