DSAM in München – Viel Sonnenschein neben dem Brett

Liebe Schachfreunde,

nachdem ich in den letzten Jahren viel über die Deutsche Schach Amateurmeisterschaft (DSAM) gelesen habe und diese Turnierserie nun auch München als Austragungsort inne hat, wollte ich mir mal selbst ein Bild von diesem Turnier machen. Mit unseren Vereinsmitgliedern Ralf, Oliver und Sandy ging es dann dieses Wochenende zu dem 5 Runden-Turnier. Wer mich kennt weiß, dass ich von Doppelrunden überhaupt nichts halte. Viel zu anstregend. Eine Partie am Tag muss reichen. Nachdem ich aber bei der KEM recht gut abgeschnitten habe (Auch ein Doppelrunden-Turnier), wagte ich es erneut.

Das Turnier ist in einzelnen DWZ-Gruppen aufgeteilt. Ralf und ich wollten uns in der B-Gruppe verprügeln lassen, Oliver in der F-Gruppe sein Glück versuchen und Sandy startete ihr erstes Schachturnier in der G-Gruppe.

Das Besondere an dieser Art von Turnieren ist, dass man, trotz Schweizer System, in jeder Runde auf starke Gegner trifft. Egal ob man in einer Runde gewinnt oder verliert, bleibt keine Chance zum Ausruhen. In meinem Fall konnte ich mich zu keinem Zeitpunkt in das Turnier hineinfinden. Meine Partien verliefen durchweg nach dem selben Schema. Mit gutem Vorteil kam ich in jeder Partie aus der Eröffnung ins Mittelspiel und wollte dann den Sack viel zu schnell zumachen. Geblendet von dem  Trugschluss, dass ein Schachspieler der die Eröffnung misshandelt auch in den restlichen Partiephasen schlecht spielt, ging ich mit Opferarien ans Werk und gab meinen Gegner viele Möglichkeiten, Fehler zu machen. Mit zwei Nullern in den ersten beiden Runden wurde mein kreatives Spiel belohnt 🙂 Meine Gegner haben sich in diesen Partien wirklich gut verteidigt und gaben mir die Chance, meine Stellungen gnadenlos zu überziehen. In Runde 3 war es dann wieder soweit. Mein Gegner spielte 1.c4. Die englische Eröffnung war meine B-Trainer-Abschlussarbeit, in welcher ich zusammen mit GM Roman Dzindzichashvili ein komplettes System für Schwarz entwickelt habe. Es lief alles glatt und nach bereits 15 Zügen hatte ich den weißen König in der Mangel. Mein Gegner hatte sichtlich Mühe, die Stellung irgendwie zusammenzuhalten, was er jedoch gut meisterte. Es war der Moment gekommen, an dem ich nun entweder mit der Brechstange hätte fortsetzen müsste, oder mit einem halben Punkt die Partie zu beenden. Nachdem in den ersten beiden Runden die Brechstangen-Methode überhaupt nicht funktionierte, bot ich Remis, was mein Gegner direkt angenommen hat.

In den beiden letzten Runden bin ich dann doch wieder in den Brechstangen-Modus gewechselt. Für mich war dieses Turnier eine wertvolle Erfahrung und zeigte mir sehr gut, an welcher Baustelle ich dringend arbeiten muss. Nach der gemeinsamen Analyse meiner Partien stellte ich folgendes fest. Nach der Eröffnung stand ich in jeder Partie einfach gut. Mit diesem Bewusstsein wollte ich einfach zu schnell zu viel. In jeder Partie gab es mehrmals die Möglichkeit, in ein ausgeglichenes bis leicht besseres Endspiel abzuwickeln. Aber jedesmal kam mir in den Partien der Gedanke, dass es einfach nicht richtig ist, einen Eröffnungsvorteil auf diese Weise verflachen zu lassen. Da muss doch einfach mehr drin sein! Und so nahm das Übel seinen Lauf und ich versuchte die Stellung wild zu verkomplizieren. Gerne auch durch Opfer von Material. Hauptsache Initiative, Druck und Angriff. Dieses Rezept mag gegen 1500er funktionieren, jedoch waren die Spieler der B-Gruppe ein ganz anderes Kaliber. Die konnten sich immer sehr geschickt verteidigen. Als Fazit habe ich aus dem Turnier mitgenommen, dass es gerade gegen starke Gegner sinnvoller ist, auch mal mit weniger zufrieden zu sein und das mehr Eröffnungswissen und der daraus resultierendem Vorteil im Mittelspiel nicht zwangsläufig einen schnellen Sieg versprechen. Aber genau für diese Erfahrungswerte spielt man Turniere und das darf am Ende dann auch mal ordentlich Lehrgeld kosten. Beim nächsten Turnier werden die Karten neu gemischt 🙂

Für Ralf lief das Turnier wesentlich besser. Er machte fast alles richtig. Ohne Risiko hielt er in jeder Partie die Stellung im Ausgleich und „wartete“ auf seine Chance. Mal im Endspiel und mal im Mittelspiel. In einer Partie übersah sein Gegner eine hübsche Taktik, was unserem Ralf den vollen Punkt einbrachte. In anderen Partien bot er in besserer Stellung einfach Remis, was zwei seiner Gegner auch dankend angenommen haben. Lediglich in der letzten Partie hat er sich nach der Eröffnung etwas verzettelt und eine Qualität und anschließend die Partie verloren. Für Ralf war dieses Turnier aber trotzdem ein voller Erfolg! Nachdem er in den letzten beiden Turnieren und im Mannschaftskampf über 130 DWZ abgegeben hat, musste es nun endlich auch mal wieder ein Erfolgserlebnis geben. Das stärkt die Moral und gibt Zuversicht.

Beim Oliver lief es ganz ok. Von der DWZ waren seine Gegner immer etwas stärker. Nachdem einem Remis konnte er mit einem vollen Punkt in der letzen Runde dann doch noch das Turnier halbwegs zufrieden abschließen.

Für Sandy war es das erste Schachturnier überhaupt. Wie schreibt man Züge auf? Muss man immer am Brett sitzen bleiben? Für jemanden der zum ersten mal ein Schachturnier spielt, sind das alles wichtige Fragen. Ihre Gegner waren allesamt schon turniererprobt und ich hatte Bedenken, ob es richtig sei, sie schon so früh ins kalte Wasser zu schmeißen. Ein paar Monate gelegentlichen Schachtraining hatte sie hinter sich gebracht. Zu meiner Überraschung spielte sie in jeder Runde wirklich gutes Schach! In jeder Partie ging sie mit allen Figuren immer in Richtung des gegnerischen Königs. Remisangebote lehnte sie ab 🙂 Sie wollte einfach Schach spielen. Zweimal verließ sie siegreich das Brett, was für das erste Turnier und dem wenigen Training eine beachtliche Leistung ist.

Zu Turnier selbst gibt es natürlich auch Einiges zu berichten. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“. Als Teilnehmer ist man verpflichtet, sich beim Hotel für 15,-€ Verzehrgutscheine zu kaufen. Damit könnte man noch durchaus leben. Wenn dann allerdings das billigste Essen zu Höchstpreisen angeboten wird, fühlt man sich irgendwie veräppelt. Eine Leberkässemmel (extrem dünne Scheibe) für 3,50€ und ein 0,5l-Wasser für 3,-€ sind schon an der Grenze der Unverschämtheit. Nun könnte man eventuell noch den „Gute Qualität“-Trumpf ausspielen, aber beispielsweise handelte es sich bei den überteuerten Schnitzeln um sogenannte Form-Schnitzel (https://de.wikipedia.org/wiki/Formfleisch) – Absolut keine Gaumenfreude. In dieser Hinsicht kann ich die vielen Berichte die ich in den letzten Jahren von der DSAM gelesen habe absolut bestätigen. Zum Glück konnte man nach 5 Minuten Fußweg vom Hotel gute Alternativen finden. Erwähnenswert möchte ich aber an dieser Stelle aber noch die sog. Kaffee-Flatrate. Für 5,-€ wurde man den ganzen Tag mit Filterkaffee versorgt.

Ebenfalls erwähnenswert ist der Beginn jeder einzelnen Runde. Nachdem alle Schachspieler pünktlich am Brett saßen und einfach nur ihre Partie spielen wollten, begann der Veranstalter Dirk Jordan erstmal mit einer ewig langen Rede. Da wurden Menschen gegrüßt, Ehrungen verliehen und auf sein China-Schachsortiment hingewiesen. War um 9 Uhr der Rundenbeginn, wurden die Uhren meiste erst um 9:20 gestartet. Solange musste man am Brett ausharren und Herrn Jordan zuhören. Das ist unschön und leicht durchschaubar. Natürlich könnte man all diese Ehrungen auch einfach 20 Minuten vor Rundenbeginn machen, jedoch wäre dann wohl nur ein Drittel des Publikums im Saal. Egal bei welchem Turnier ich bisher spielte, konnte man sich darauf verlassen, dass die Uhren zu Rundenbeginn gestartet werden. Ich persönlich bin gerne 5 Minuten früher am Brett, um mich innerlich auf die Partie vorzubereiten. Dies ist mir in diesem Turnier wirklich schwer gefallen. Vor fast jeder Partie war ich einfach nur genervt. Als Schachspieler will man sich vor einer Partie einfach nur konzentrieren und mehr nicht. Da ist dieser lange Redeschwall des Herrn Jordan einfach nur unangebracht. Man weiß auch nie, wann er endlich die Runde freigibt. Selbst wenn er zu dem Satz kommt, dass nun die Runde in wenigen Augenblicken freigegeben wird, dauert es dann nochmal 5 Minuten. Mein Tischnachbar sagte zu mir, dass sich Herr Jordan einfach selbst am liebsten zuhört.

Wie dem auch sei. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Turnier nochmal spielen würde. Zwar war die Stimmung gut und auch die Teilnehmer größtenteils nett, jedoch werde ich das Gefühl nicht los, dass Vieles bei diesem Turnier einfach Nepp ist.

Loben muss ich aber auf jeden Fall die Turnier-Orga. Hier wurde schnell ausgelost und auch die Webseite war immer aktuell mit Berichten und Bildern. Eine schöne Sache!

Bis bald

Euer Benny

2 Gedanken zu „DSAM in München – Viel Sonnenschein neben dem Brett

  1. Auch ich habe an der DSAM teilgenommen, bin aber natürlich unter meinem Aktiv-Verein SV WB Allianz Leipzig e.V. gestartet.
    Den Ausführungen zum Turnier selbst schließe ich mich aber an.

    • Hallo Anita 🙂 Leider habe ich von Deinen Partien nur am Rande etwas mitbekommen. So richtig in Fahrt bist Du in dem Turnier ja leider nicht gekommen. 2 gewonnene Endspiele weggeschmissen und in einer Partie nach der Eröffnung einfach mal nen Bauern eingestellt. Die DSAM ist in meinen Augen eine große Werbeveranstaltung, in welcher ein pünktlicher Rundenbeginn mit Fokus auf das Spiel eher zweitrangig ist. Wenn man mal Turniere wie die OIBM gespielt hat, ist die DSAM schon sehr gewöhnungsbedürftig. Aber Kopf hoch 🙂 Auch solche Turniere muss man mal gespielt haben 🙂

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