Die Schachfreunde Topschach Gilching zu Gast beim Gautinger SC

3. Runde Gautinger SC II gegen SF Topschach Gilching I

In unserem dritten Mannschaftskampf in der B-Klasse Nord haben wir uns etwas mehr versprochen, als ein Unentschieden. Kurz nach 9 Uhr trafen wir uns im Schachcenter von Topschach und machten uns kurz darauf auf den Weg nach Gauting. Sonntag früh ist diese Strecke in gemütlichen 15 Minuten zu bewerkstelligen und so kamen wir überpünktlich am Vereinslokal des Gautinger SC an.

Als ich noch Mitglied der dortigen Schachabteilung war, wurde die Raumfrage diskutiert und soweit ich mich erinnere, wurde vereinbart, dass die Spielabende in einem kleinen Raum im ersten Stock ausgeführt werden und die Mannschaftskämpfe in einem gemütlichen Hinterraum des Restaurants. Offenbar gab es aber auch hier weitere Einschnitte und wie sich herausstellte, findet das Gautinger „Schachleben“ nun komplett in dem oberen Raum statt.

Wenn man bedenkt, dass der Gautinger SC für eine Jahresmitgliedschaft in der Schachabteilung sagenhafte 140,-€ in Rechnung stellt (50,-€ fließen in die Schachabteilung und 90,-€ krallt sich der Hauptverein), ist das dort Gebotene schon recht dürftig. Als Schachspieler benutzt man weder die Duschen ( der ist gut! 🙂 ), noch den schönen Rasenplatz und auch die kostenintensive Tennishalle gehört nicht zu den Anwendungsbereichen eines Schachspielers.

Trotzdem finanziert man als Mitglied der Schachabteilung all diese Dinge mit und genau das war für einige Schachfreunde einer der Gründe, sich einen anderen Schachverein zu suchen.

Der harte Kern der Schachabteilung ist allerdings geblieben und gerade die erste Mannschaft vom Gautinger SC zeigt sich sehr kämpferisch und hat sogar mit dauerhafter Unterbesetzung den Aufstieg aus der höchsten Liga im Schachkreis Zugspitze geschafft. Ein großer sportlicher Erfolg!

Allerdings beginnt beim Gautinger SC der Kampf bereits bei der Aufstellung der Partizipanten für den jeweiligen Mannschaftskampf. So auch am letzten Sonntag, als Mannschaftsführer Joachim Heyn kurz nach der Abgabe der Aufstellung mitteilte, dass der an Brett 3 gesetzte Schachfreund Markus Messerer bereits vor einem Tag seine Teilnahme abgesagt hat. Sowas ist natürlich für den Gegner, der nun an Brett 3 zum herumsitzen verdammt ist, eine ärgerliche und demotivierende Situation.

Gerade in unserer niedrigsten Spielklasse geht es für die meisten Vereine und auch für die zweite Mannschaft des Gautinger SC nur um den Spaß am Spielen. Ein kurzer Anruf vom Mannschaftsführer hätte gereicht, und wir wären ebenfalls nur zu Fünft angetreten. Uns geht es bei den Mannschaftskämpfen einzig um das Spielen und hier verzichten wir gerne auf geschenkte Punkte. Wenn ein Verein bei der Aufstellung dauerhaft mit Unterbesetzung kämpfen muss, sollte man sich wirklich zweimal überlegen, wie viele Mannschaften man meldet.

Hierbei darf man auch nicht die gegnerische Mannschaft aus dem Blick verlieren, welche sich erwartungsvoll auf einen Mannschaftskampf freut und dann feststellen muss, dass der ein oder andere Spieler den Sonntag auch hätte anders verplanen können.

Aber gut,- kommen wir zurück zum Geschehen. 🙂 Nachdem wir vollzählig waren und die Meldung der einzelnen Spieler vorgenommen wurde, passierte zunächst nichts. Es war schon kurz nach 10 und ich fragte, ob wir die Bretter freigeben können. Joachim Heyn teilte daraufhin kurz mit, dass er noch auf einen seiner Spieler wartet, woraufhin ich kurz und knapp sagte, dass er das selbstverständlich auch nach der Freigabe der Bretter machen könne. 🙂

Daraufhin ging es dann auch los und mein erster Blick fiel auf die Begegnung an Brett 6 (Enno von Nussbaum vs. Janos Morlin). Vor gut 2 Jahren habe ich den Enno noch trainiert und ich war gespannt, wie sich der mittlerweile 11 Jährige Schachfreund so entwickelt hat. Die ersten Züge kamen von beiden Seiten recht flott aufs Brett 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 und nun spielte Enno sehr scharf und abenteuerlustig 4.Sg5. Ohne große Überlegung zog unser Janos danach direkt 4…De7??. Enno ließ sich nicht zweimal bitten und nahm den Bauern mit 5.Sxf7 genüsslich raus. Was nun folgte, war für unseren Brett 6-Spieler ein absolutes Desaster. Wer denkt, dass 4…De7 schon die Spitze der schachlichen Grausamkeiten war, wurde eines Besseren belehrt.

SF Topschach Gautinger SC

Es folgte 5…Sxe4??. Es ist wirklich einmalig, wie viele Eröffnungsprinzipien Janos nach bereits 5 Zügen gebrochen hat (Die Dame zu früh gezogen, eine Figur grundlos 2 mal in der Eröffnung gezogen, etc.). Auch wenn es bis Weihnachten noch einige Tage dauert, war Enno schon jetzt bereit, die ihm angebotenen Geschenke auszupacken. Mit 6.Sxh8 verschwand ein Turm von Janos vom Brett. Und weil Janos sich in der Rolle des Geschenke verteilenden Weihnachtsmannes gefiel, zog er dann auch direkt 6.Sxf2??, was zumindest ansatzweise eine kleine Falle ist. Janos hatte die Idee, nach 7.Kxf2 mit der Dame auf h4 Schach zu geben und den Läufer auf c4 abzuholen. Aber Enno zeigte sich taktisch auf der Höhe des Geschehens und gab zunächst mittels 7.Lf7+ ein Schach.

Spätestens hier hätte Janos noch mit 7…Dxf7 gefolgt von 8…Sxd1 die Stellung trotz Qualität weniger aus den taktischen Gewässern leiten können, aber er zog es vor, den König mit 7…Kd8 einen Schritt zur Seite zu ziehen.

Nun aber nahm Enno mit 8.Kxf2 den Springer raus und Janos antwortete direkt mit 8…Dd6??. Wie oft hat die Dame nun schon gezogen? Sehr umsichtig zog Enno nun 9.Lh5, um den Springer aus seinem Gefängnis zu befreien. In diesem Augenblick wurde ich Zeuge der Jahrhundertgurke. Janos zog (Trommelwirbel) 9…g6. Ja! So einen aktiven Läufer muss man auf jeden Fall angreifen. Nach dem Zug konnte sich auch Janos ein Schmunzeln nicht verkneifen und sah erst jetzt, welch weihnachtliches Geschenk er seinem Gegner machte. 10.Sf7+!! – Enno hatte Spaß an der Partie und ich überlegte mir, ob es nicht langsam Zeit für Janos wird, seinem Gegner Remis zu bieten 🙂

Die Partie ging dann noch etwa 5-10 Züge weiter und ich muss sagen, dass der Junge an Brett 6 alles richtig gemacht hat. Nach dem Matt gratulierte ich meinem früherem Schüler und „versuchte“ Janos etwas aufzubauen. Er selbst fand die Situation ebenfalls sehr witzig und konnte über sein Unvermögen am Brett lachen. Im letzten Mannschaftskampf konnte er noch Schach spielen, aber an diesem Sonntag war er komplett von der Rolle.

SF Topschach Gautinger SC

Weiter ging es an Brett 1 (Dr. Ralf Ludwig vs. Andreas Zwicker). Ich merkte recht schnell, dass Ralf in Angriffslaune war und auf dem Brett waren auf Grund des sehr passiven Aufbaus seines Gegners viele Möglichkeiten, in Königsnähe reinzuopfern. Absolut spekulativ entschied sich Ralf dann für die wohl schlechteste Ecke, seinen Läufer für 2 Bauern herzugeben. Manchmal ist ihm einfach danach 🙂 Im weiteren Verlauf gelang es ihm nicht, den gegnerischen König unter Druck zu setzen und Andreas spielte den Stiefel sehr umsichtig zu Ende. Ein unnötiger Verlust an Brett 1, aber ich selbst erinnere mich schon an so manches hübsche Opfer meinerseits, dass zum Verlust der Partie führte.

SF Topschach Gautinger SC

Nachdem wir an Brett 5 und 4 auf Gewinn standen und an Brett 2 sich ein Remis abzeichnete, fand ich den Aussetzer von Ralf nicht weiter tragisch. Oliver Prater überspielte an Brett 4 seinen Gegner Joachim Heyn direkt aus der Eröffnung und brachte den Punkt ungefährdet auf unsere Seite. An Brett 5 konnte Dr. Hans Heini, nachdem er bereits in der Eröffnung eine Figur einstellte, durch ein geschicktes Abzugsschach Haus und Hof von seinem Gegner Linus Spaethe erobern, woraufhin Linus sehr bald die Hand zur Aufgabe herüberreichte. So stand es nun 3:2 für uns und es war nur eine Frage der Zeit, bis die zwischen Kurt König und Klaus Müller an Brett 2 gespielte Partie ins Remis abgleiten würde. Eine verkeilte Bauernstellung mit König + Springer auf der Seite von Klaus gegen König + Läufer auf der Seite von Kurt.

SF Topschach Gautinger SC

SF Topschach Gautinger SC

Na, das muss doch Remis sein. Auf beiden Seiten konnten viele Züge lang keine Fortschritte gemacht werden. Doch dann gab es plötzlich die Gelegenheit für Kurt, einen Freibauern zu bilden und zudem noch einen weiteren Bauern zu erobern. Er hätte dann mit 3 Bauern am Königsflügel wunderbar durchmarschieren können. Aber Kurt zog es mit Blick auf ein Remis vor, keinen Freibauern zu bilden und auch den Gewinn eines Bauern auszuschlagen und die Stellung zu blockieren. Das gelang ihm durch Mithilfe seines Gegners auch sehr gut und viele Züge wehrte Kurt die Gewinnversuche seines Gegner problemlos ab. Allerdings war es eine der Stellungen auf dem Brett, in welcher nur noch Kurt Fehler machen konnte. Auf Sieg konnte nur noch Klaus spielen. Nach unendlichen Springer- und Läuferzügen war es dann auch soweit. Kurt machte den Entscheidenden Fehler und verlor 2 wichtige Bauern. Die Niederlage und das Unentschieden (3:3) als Gesamtergebnis waren damit in Stein gemeißelt.

Eine Achterbahnfahrt von einem Mannschaftskampf war damit beendet und obwohl wir mit unserer Mannschaft voller Schachneulinge unseren ersten Mannschaftspunkt eingefahren haben, fühlte sich das Ergebnis wie eine Niederlage an. Den Spaß am Schach haben wir aber beim gemeinsamen Essen im griechischen Restaurant im Vereinsheim des Gautinger SC schnell wieder gefunden. 🙂 Gerne hätten wir mit unseren Gegner gemeinsam den Mannschaftskampf beim Essen ausklingen lassen, aber wie so oft bei Mannschaftskämpfen im Schach, verschwand ein Gegner nach dem anderen mit der Beendigung der jeweiligen Partie. Schade!

SF Topschach Gautinger SC

Jeder unserer Spieler konnte einmal mehr wertvolle Erfahrungen sammeln, denn neben dem Training ist die praktische Erfahrung am Brett absolut wichtig für die schachliche Entwicklung. Als kleines Trostpflaster bleibt die Erkenntnis, dass wir nach 3 gespielten Runden nicht mehr das Schlusslicht der Liga sind 🙂

Bis bald zur nächsten Runde

Euer Benny

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