Sieg im Mannschaftskampf gegen den SC Ammersee

Am gestrigen Sonntag schrieb unser noch junger Verein mit einem Sieg im Mannschaftskampf gegen den SC Ammersee Geschichte. Schon in der letzten Saison waren wir immer wieder nah dran, die vollen drei Punkte bei einigen Mannschaftskampf zu erkämpfen. Immer wieder schlidderten wir haarscharf an einem Sieg vorbei. Siegten wir an den unteren Brettern, wurde an den oberen Brettern geschwächelt. Holten wir an den oberen Brettern die Punkte, ließen wir diese an den unteren Bretten auf halber Strecke liegen. Es war wie verhext.

Unsere Mannschaft hat den Glauben und den Mannschaftsgeist aber nie verloren und weiter hart trainiert. Das uns ausgerechnet gegen den SC Ammersee die Schachgöttin Caissa hold war, ist in zweierlei Hinsicht sehr zufrieden stellend. Zum Einen haben einige unserer Spieler endlich auch mal gewonnene Stellungen konsequent zum vollen Punkt geführt und zum Anderen schwellt seit mittlerweile fast 10 Jahren eine Abneigung gegen Mitglieder des Vorstands des SC Ammersee (speziell gegen Christoph Schöner). Seinerzeit hatte sich Topschach als Sponsor des SC Ammersee angeboten und wurde mehrfach hintergangen. Seitdem versucht Christoph Schöner krampfhaft seinen Heiligenschein aufrecht zu erhalten. Gelungen ist ihm das nicht immer. Die Fassade des Christoph Schöner bröckelt schon lange.

Zum Glück besteht der SC Ammersee aber mehrheitlich aus wunderbaren Mitgliedern, welche den Verein prägen. Mit den meisten Spielern des SC Ammersee haben wir ein sehr gutes Verhältnis. So trafen wir beim aktuellen Mannschaftskampf auf mehr bekannte Gesichter, als zunächst erwartet. Sowohl die zweite, als auch die dritte Mannschaft des SC Ammersee musste am Sonntag ein Heimspiel durchführen. Das versprach viele spannende Partien. Gespielt wurde in den Räumen der Nachbarschaftshilfe in Inning und die Spielbedingungen waren dadurch wirklich sehr gut. Perfekte Lichtverhältnisse und genügend Platz an allen Brettern. Auch an die Versorgung der Schachspieler wurde vorbildlich gedacht. Das war beim SC Ammersee nicht immer so. Siehe http://forum.topschach.de/sc-ammersee-ein-peinlicher-gastgeber-t970.html

Mit einem Blick auf die Mannschaftsaufstellung unserer Gegner malte ich mir gute Chancen aus, obwohl wir nur zu Fünft angereist sind. Unser Brett 3 sagte „kurzfristig“ ab, was einen kampflosen Punkt für den SC Ammersee zur Folge hatte. Unser Brett 1 Dr. Ralf Ludwig traf mit Joachim Heinze auf einen bekannten und schwierigen Gegner. Joachim ist ein Garant für halbe Punkte und hierbei ist es egal, ob der Gegner 1300 oder 2000 DWZ hat. Ich kenne keinen anderen Schachspieler, der es so effektiv schafft, Schachpartien verflachen zu lassen. Will man als sein Gegner um jeden Preis trotzdem gewinnen, kommt es nicht selten vor, dass man überzieht und am Ende Joachim triumphiert. Nach vielen Partien im Blitz- und Schnellschach die ich gegen ihn ausgetragen habe, glaube ich die Lösung gefunden zu haben. Von Beginn an sollte man Stellungen anstreben, in welchen sich Joachim auf der Siegerstraße fühlt. Opfert man ein oder zwei Bauern, will er auf Gewinn spielen und ein Verflachen der Partie kommt praktisch nicht mehr in Frage. Dieses Vorgehen ist selbstredend nicht ohne Risiko, trug aber in vergangenen Partien gegen ihn reife Früchte.

Ralf hatte in seiner bisher noch kurzen Schachkarriere ziemlich oft das Vergnügen auf Joachim Heinze zu treffen und mehr als einmal war die Punkteteilung das logische Ergebnis. Wird er es diesmal schaffen, eine verwickelte Stellung aufs Brett zu bekommen? Ralf braucht den Häuserkampf mit brennenden Ruinen im Hintergrund. Auf einer grünen Wiese im Sommer Blümchen zu pflücken ist überhaupt nicht sein Fall. Sowohl das Wetter, als auch die Eröffnungsbehandlung von Ralf, spielten seinem Gegner in die Hände. Eine bis zum Schluss symmetrische Stellung mit frühem Abtausch aller Leichtfiguren + Damentausch war genau das, was Joachim wollte und er bekam es. An einigen Stellen hatte Ralf Chancen, für Ungleichgewichte zu sorgen, aber irgendwie kam er in seiner Partie überhaupt nicht richtig in Fahrt. Das Turmendspiel war einfach nur Remis, aber Ralf versuchte weiterhin irgendwelche studienhaften Wendungen zu finden.

An Brett 2 versuchte ich gegen Ernst Floeren von Beginn an äußerst kreativ zu spielen. Mit den schwarzen Steinen bekam ich einen Spanier vor die Nase. Tausende Schlachten habe ich mit dieser Eröffnung sowohl mit Weiß, als auch mit Schwarz geführt und fühlte mich so sicher, dass in mir die zweifelhafte Idee keimte, diese wunderbare Eröffnung mit den schwarzen Steinen neu zu erfinden. Es kam zu folgender Stellung:

Mein Gegner war am Zug und ich versuchte die mit den schwarzen Steinen verursachte Katastrophe mit einem Pokerface zu übertünchen. Ernst Floeren zog dann auch recht flott seinen Springer nach c3. „Nochmal Schwein gehabt!“, dachte ich. Lxc6, dxc6 gefolgt von Sxe5 und Weiß hat nicht einfach nur einen Bauern gewonnen, sondern auch noch das Zentrum komplett unter Kontrolle und das Spiel wäre nur noch in eine Richtung gelaufen. Nach der Partie zeigte ich meinem Gegner in der Analyse die verpasste Chance, aber so richtig warm wurde er damit nicht. Er meinte, dass die Entwicklung des Springers wichtiger sei, als ein Bauer. Ohne Verständnis für strategische Elemente wie etwa die Beherrschung des Zentrums, ist diese Antwort verständlich. Es ist übrigens bemerkenswert, dass gerade Schachspieler mit einer ewigen 1500 DWZ kein Aha-Erlebnis bei verpassten Chancen zeigen. Viel lieber wird abgewiegelt und ein schlechter Zug skurril begründet.  Endlich Wach vom Schock, ging es ziemlich interessant weiter. Es kam zu folgender Stellung:

Erst in der Heimanalyse und unter lautstarken Rufen von Stockfish 10 wurde mir klar, wie verdächtig diese Stellung ist. Der Computer will mittels h2-h4 und g2-g4 dem Treiben von Schwarz ein schnelles Ende setzen. Je mehr ich mich mit den Ideen hinter diesem direkten Angriff in der Analyse beschäftigte, desto klarer wurde das Bild. Das Angriffsmotiv ist wirklich interessant und an für sich recht einfach und einleuchtend. Einmal mehr wird mir klar, dass eine Schachpartie nicht nach Abschluss der Eröffnung beginnt, sondern alle Sinne vom ersten Zug an auf 100% laufen müssen. Weder mein Gegner, noch ich selbst haben diesen Angriff auch nur im entferntesten in Betracht gezogen. Wieder was gelernt.

Langsam aber sicher kam ich in Fahrt und fühlte mich ab der folgenden Stellung ziemlich wohl:

Nach der Partie teilte mir mein Gegner mit, dass er seinen Springer auf g4 richtig gut fand und auch sein Läufer auf d5 ganz toll stehen würde. Ich hingegen empfand das Feld g4 für den Springer fragwürdig und verwies auf das tolle Feld f5 für den Springer. Als Antwort bekam ich von meinem Gegner ziemlich ernüchternd, dass der Springer da nicht hin kann. 🙂 Tjo, dann muss man halt dafür sorgen, dass er da hin kann. Auch mit dem Läufer auf d5 kann ich mich aus weißer Sicht nicht wirklich anfreunden. Bei Bedarf kann Schwarz diesen Läufer abtauschen, aber solange dieser auf einen leeren Damenflügel blickt und nicht zur Verteidigung am Königsflügel herangezogen werden kann, stört er mich nicht.

Wenige Züge später erspähte ich in folgender Stellung taktische Chancen:

Ich zog die Dame nach h4 und war mir sicher, dass Schwarz klar besser steht. Gabeln wie g2-g3 führen den Weißen direkt ins Verderben. Mein Gegner sah das auch und konzentrierte sich nun aufs Verteidigen am Königsflügel. Dies gab mir Zeit, sämtliche Figuren in den Angriff zu koordinieren. Es kam zu folgender Stellung:

Ich muss hierzu sagen, dass mein Gegner sich bis zu gezeigter Stellung wirklich gut verteidigt hat und ein keinen direkten Weg fand, die Stellung aufzubrechen. Der weiße Springer zeigte sich beim Verteidigen von seiner besten Seite. Alle meine Versuche schienen erfolglos und es kam zu folgender Stellung:

In der Analyse meinte mein Gegner, dass er nun absolut sicher stehen würde und sich nun mit seiner Dame um den Damenflügel kümmern könnte. Auf den ersten Blick wirkt die weiße Stellung wirklich stabil. Die Schwäche der weißen Stellung liegt aber im Detail. So ist es der König, der hier ziemlich viel Deckungsarbeit verrichten muss. Sollte die Entscheidung am Damenflügel fallen, würde der weiße Turm auf h4 recht schwer einen Weg zu den Geschehnissen am Damenflügel finden. Schwarz würde hier mit einer Figur mehr spielen.

Nichtsahnend setzte Ernst Floeren nun seinen Plan in die Tat um und ich lockte seine Dame mit einem vergifteten Bauern vom Schutz des Königs weg. Es kam zu folgender Stellung:

Mein Gegner führte die letzten Züge auf ziemlich süffisante Art und Weise aus und hämmerte auch entsprechend laut auf die Schachuhr. Frei nach dem Motto:“Schaut alle auf mein Brett! Hier führt ein Siegertyp die weißen Steine!“. 🙂

Ja, Weiß kann nun einen Bauern gewinnen. Der Versuch die Bauern e6 und d5 mittels Dame d7 zu decken scheitert natürlich, da hierbei die Deckung des Bauern h4 aufgegeben werden müsste. Der Sinn hinter dem Opfer erschloss sich meinem Gegner erst, nachdem ich meine Dame zurück auf das Feld f6 stellte und nach seinem Schlagen des Bauern auf b5 a tempo meinen Läufer nach h6 zog:

Langsam dämmerte es meinem Gegner, dass das Ticket für den Damenausflug ziemlich teuer war. Die Drohung Txg4 liegt nun in der Luft. Die weiße Dame bekommt von dem Ungemach nicht viel mit. Wenige Züge später hatte ich dann auch meine Wunschstellung:

Vom stolzen Ausführen seiner Züge und dem erhabenen Hauen der Schachuhr war nichts mehr übrig. Nach längerer Überlegung schob mein Gegner dann seinen Bauern nach g5.

Die Idee hinter diesem Zug ist genauso verständlich wie verzweifelt. Nach Dxg5 will sich der weiße Springer noch einmal schützend mittels Sg4 vor den König werfen, aber nach Lg3 gefolgt von Dd2+ wird der weiße König trotzdem nicht Herr seiner Leiden. Ich entschloss mich, den Monarchen direkt zum Galgen zu führen und nahm den Springer raus (Lxh2). Als letzten Akt im Amt, schlug mein Gegner nun den Läufer mit dem König und nach Dxg5 kam es zu der Schlussstellung:

Weitere 7 Minuten sollten vergehen, bis mein Gegner die Uhr anhielt und mir zur Aufgabe die Hand reichte. Dieser Punkt war wichtig. Wirklich zufrieden war ich mit meiner Partie aber nicht. Mehr als einmal und recht früh hätte mein Gegner für einen anderen Ausgang sorgen können.

So stand es nun 1-1 im Mannschaftskampf. An Brett 6 spielte Sandy mit den schwarzen Steinen gegen Schottisch. Auch sie war auf Angriff gebürstet und wählte eine eigenwillige Fortsetzung, welche für Schärfe sorgte. Um jeden Preis wollte Sie auf Matt spielen und opferte hierzu etwas zu viel Material. Ihr Gegner hielt den Kasten sauber, wehrte die Angriffe ab und konterte selbst mit einem Angriff, welcher ihm den vollen Punkt bescherte.

So stand es nun 2:1 für den SC Ammersee.

Es liefen noch drei Partien und ein Blick auf die Bretter von Oliver und Andre ließ Freude aufkommen. Andre hatte seinen Gegner komplett im Griff und drohte diesen baldigst Matt zu setzen. Oliver hatte sich die Dame des Gegners einverleibt und stand ebenfalls komplett auf Gewinn. An unserem Brett 1 gab es ein Remisangebot von Joachim an Ralf. Als Mannschaftsführer teilte ich Ralf mit, dass er weiter kämpfen solle. In Anbetracht der wie schon zu Anfang erwähnten Remisstellung an seinem Brett eine ziemlich unrealistische Aufgabe. Ich warf Ralf hinterher, dass er selbst entscheiden kann. 🙂 Das Remis an Brett 1 war damit unter Dach und Fach.

Aktueller Stand: 2,5-.1,5 – Noch immer lag der SC Ammersee in Führung.

Alle Blicke richteten sich nun auf die Partien von Oliver und Andre. Während Oliver Dank Mehrmaterial überragend stand, machte ich mir trotzdem sorgen um seinen König. Die Grundreihe war schwach und in einem Moment der Unachtsamkeit könnte ihn sein Gegner eventuell doch noch Matt setzen. Während ich darüber nachdachte, schob Oliver einen Bauern nach vorne und verschaffte seinem König ein Luftloch. 🙂

Am Brett von Andre zog sich immer weiter der Knoten des Schicksals zu. Das Matt war unausweichlich. Wie auch in meiner Partie, ging die gegnerische Dame abseits der Geschehnisse auf Bauernjagd und konnte dem König nicht mehr rechtzeitig zur Hilfe eilen. Andres Gegner gab die Partie auf. Eine von Andre sehr schön gespielte Partie hat einen verdienten Sieger gefunden!

Damit stand es nun 2,5 zu 2,5. Es lag nun an Oliver, für eine kleine Sensation zu sorgen. In der Vergangenheit kam es schon mal vor, dass Oliver nach überragendem Spiel eine Partie einzügig wegwarf. Diesmal sollte aber alles anders laufen. Gewissenhaft führte Oliver seine Züge am Brett aus und sorgte für ordentlich Druck auf den gegenerischen König. Doch bevor es zum endgültigen Mattangriff kam, stellte Olivers Gegner einzügig einen Turm ein. Zu viel des Guten. Sein Gegner gab direkt auf.

Mit 2,5 zu 3,5 haben die Schachfreunde Topschach Gilching e.V. ihren ersten Mannschaftskampf seit Bestehen des Vereins gewonnen. Wir waren überglücklich! 🙂

Üblicherweise analysieren wir unsere gespielten Partien nach den Mannschaftskämpfen gemeinsam in lockerer Runde. Diesmal auch mit Feierlaune. 😉

Schachfreunde Topschach Erster Mannschaftssieg

So sehn Sieger aus….. 🙂

Mit Fürstenfeldbruck erwartet uns in der letzten Runde nochmal ein harter Brocken. Aber bis dahin wird gefeiert… 🙂

Bis bald…..

Euer Benny

Braingames 2019 in Fürstenfeldbruck

Auch dieses Jahr waren einige unserer Schachfreunde Topschach bei den Braingames in Fürstenfeldbruck vertreten. Dieses Schnellschachturnier gehört zu den immer noch wenigen Schnellschachturnieren, welches FIDE-ELO-ausgewertet wird. Eine ELO im Schnellschach 🙂 Hat nicht jeder.

Bevor es los ging, mussten natürlich noch alte Bekannte begrüßt werden. Unter anderem war auch der unverwüstliche Dieter Koch dabei. Ein furchtloser Angriffsspieler, der seine Gegner gerne mit seinem Kamikaze-Stil überrumpelt.

Dieter Koch Braingames 2019

Dieter Koch (links), NN* (rechts)                   
*kann in diesem Fall auch mit Normal Null übersetzt werden. 😛

Auch dieses Mal waren die Braingames voller Anekdoten. Soweit mir bekannt, gab es keine Zwischenfälle in welche einer der drei Schiedsrichter (ISR Hans Brugger, FSR Tobias Stempfle und NSR Thomas Sörgel) hätte eingreifen müssen. In der ersten Runde wurde ich mit den weißen Steinen gegen Burdalev Kirill, einem FIDE-Meister aus Tschechien, gelost, der in der Startrangliste auf Platz 6 führt wurde. Hartes Brot dachte ich und führte die ersten Züge auf dem Brett aus. Ich wählte eine Nebenvariante im Spanier und merkte recht schnell, dass mein Gegner nicht ganz auf der Höhe der aktuellen Theorie dieser Variante war und bot ihm einen vergifteten Bauern auf der f-Linie an. Optisch sah so aus, als ob Schwarz danach alles in seiner Hand hat, aber nur wenige Züge später entpuppte sich die schwarze Stellung als ziemlich unbequem, während das weiße Spiel klar auf den vollen Punkt abzielte. Ziemlich geschickt umging mein Gegner allerdings alle gefährlichen Klippen und wir fanden uns in einem Schwerfiguren-Endspiel wieder, welches für beide Seiten innerhalb der Remisbreite lag. Ein Turm-Eisteller von mir beendete allerdings nicht nur meinen Punktetraum, sondern auch direkt die Partie. Ich reichte meinem Gegner die Hand zur Aufgabe. Diese Partie ist ein gutes Beispiel dafür, warum mein Gegner ein FIDE-Meister ist und ich nicht. 🙂 Das beste Wissen über Eröffnungen und deren Varianten bringt am Brett gegen starke Spieler recht wenig, wenn die praktische Spielstärke und die Konzentration nicht dauerhaft abgerufen werden können. Zu selten spiele ich Turniere und es fehlt hier einfach die notwendige Praxis, um auf diesem Niveau zu bestehen. Trotzdem war ich mit dieser Partie zufrieden, da ich diese Nebenvariante im Spanier nun auch mal gegen einen starken Spieler testen konnte.

In Runde 2 bekam ich einen Gegner mittlerer Spielstärke zugelost. Die schwarzen Steine führend, befragte mich mein Gegner mit 1.c4. Gut so 🙂 Gegen 1.c4 hatte ich ja vor vielen Jahren zusammen mit GM Roman Dzindzichashvili ein komplettes System für Schwarz entwickelt, welches ich für meinen B-Trainerschein nochmals ausgearbeitet habe. Das die 08/15-Standardpläne für Weiß in diesem System nicht wirklich funktionieren, hat mein Gegner erst spät bemerkt und befand sich mit seinem König in einer ziemlich prekären Lage. Aber auch meine Lage war nicht gerade angenehm. Damit meine ich nicht die Lage auf dem Schachbrett, sondern die Lage der hinter mir sitzenden Person. Ein alter Bekannter vom SC Starnberg, der nichts Besseres zu tun hatte, als auf seinem Stuhl herum zu wippen und dabei ständig gegen die Nachbarstühle zu klappern. Ich glaube noch nicht einmal, dass er das mit Absicht machte. Manche Schachspieler denken nicht weiter als ihr rechter Arm greifen kann. Gerade Spieler des SC Starnberg würden sich wohl hervorragend als Probanden für eine Studie zu Störungen im Sozialverhalten eignen. Ich versuchte diesen Zappelphilipp zu ignorieren. Zufrieden mit dem Ausgang der Eröffnungsphase wollte ich wieder mal zu schnell zu viel und gab meinem Gegner damit enormes Gegenspiel. Ich behielt die Übersicht und konnte den Laden gerade so zusammen halten, was mich aber Unmengen an Zeit kostete. Unsere beiden Könige standen Blank und unerbittlich schoben wir uns gegenseitig taktische Drohungen zu. Nachdem ich es dann tatsächlich geschafft habe, meinem Gegner Schritt für Schritt Material abzuknöpfen, warf ich mit nur noch 5 Sekunden auf der Uhr die Partie einzügig weg. Ziemlich ärgerlich! Ich gratulierte meinem Gegner und wünschte ihm auch weiterhin viel Erfolg. Im Nachhinein muss ich sagen, dass er mich schon ziemlich gut ausgekontert hat und erst gegen Ende anfing zu schlittern. Mein Zeitmanagement war eine einzige Katastrophe. Qualitativ war mein Spiel nach der Eröffnung nicht mehr wert, als eine Kaffeehaus-Partie.

In der dritten Runde sollte es noch schlimmer kommen. Ihr ahnt es wohl bereits. Wieder einmal hatte ich nach der Eröffnung alles was man sich mit den weißen Steinen wünschen konnte. Meine Figuren fraßen sich förmlich durch die Stellung meines Gegners und es roch nach Matt. Der schwarze König war umzingelt von grimmig dreinschauenden weißen Figuren und ich suchte verzweifelt nach der Kombination, welche meinem Gegner das Garaus machen wird. Anstatt den entscheidenden Dolchstoß zu finden, fand ich mich selbst wieder in höchster Zeitnot. Na gut, dachte ich, dann nehme ich halt nen Bauern mit und wickel in ein Endspiel ab. Diese Abwicklung war allerdings so unvorteilhaft, dass mehr als ein Remis definitiv nicht möglich war. Mit nur noch 20 Sekunden auf der Uhr war aber auch das nicht mehr als ein Wunschtraum. Jetzt ging die Hackerei los. Bevor ich es schaffte, bis zum beidseitig blanken König auf dem Brett alles was nicht niet und nagelfest war zu entfernen, fiel mein Blättchen. Aua 🙂

Es gibt Situationen, bei denen man mit Null aus Drei leben kann. Die Vorliegende gehört nicht dazu. Da hilft es auch nicht, wenn ein 1100er zu mir kommt und sagt, dass er auch noch keine Punkte hat. Im Ergebnis gleich, aber im Anspruch verschieden. Meine Gegner waren in den entscheidenden Momenten einfach mehr auf der Höhe des Geschehens. Für ein Comeback ist nicht mehr viel Zeit.

Die vierte Runde bescherte mir ein ziemlich undankbares Los. Ich musste gegen meine Vereinskollegin Sandy ran. Wenn man mit Menschen aus dem inneren Zirkel auf einem Turnier die Klingen kreuzt, gibt es diese innere Blockade, dass man sich gegenseitig eher ungern Punkte wegnimmt. Mein Spiel war von Beginn an auf Remis ausgelegt. Aber bevor mir dieses Kunststück gelang, gab Sandy die Partie in einem für mich besseren Endspiel auf. Juhuu! Mein erster Punkt. Von Zufriedenheit allerdings keine Spur.

Werde ich es schaffen, in diesem Turnier auch nur eine Partie zu gewinnen, in welcher ich von Anfang bis Ende halbwegs gutes Schach spiele? Ich versuchte es in Runde 5. Ein 1300er wählte mit den schwarzen Steinen die Sizilianische Verteidigung und fiel nach wenigen Zügen auf einen Eröffnungstrick einer Nebenvariante herein, auf welchen schon 2100er sehr schnell rot angelaufen sind. Zwei Bauern und ein nicht mehr zur Rochade berechtigter König kostete meinen Gegner diese Unachtsamkeit. Wieder umzingelte ich mit meinen Figuren den gegnerischen König und suchte die Entscheidung. Das Einzige was in dieser für Weiß hübschen Stellung aber voran ging, war meine Zeit. Nicht noch einmal wollte ich mich im Gestrüpp der Varianten verlieren und sagte mir, dass ich mit zwei Mehrbauern und einem Zeitvorteil ins Endspiel abwickeln und die Entscheidung suchen werde. Gesagt, getan! Hierbei gelang es mir dann auch noch, einen weiteren Bauern meines Gegners einzusammeln. Von Blindheit geschlagen, lief es mir dann plötzlich kalt über den Rücken. Was habe ich denn nun wieder angestellt? Ungläubig blickte ich aufs Brett und erkannte erst jetzt, dass ich in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abgewickelt habe. Das kann doch alles nicht wahr sein! Mittlerweile war ich nicht mehr genervt von meinem Spiel, sondern amüsierte mich darüber, auf wie viel unterschiedliche Arten man eine Partie doch wegschmeißen konnte. Das ich in dieser Stellung wesentlich mehr Zeit als mein Gegner auf der Uhr hatte, setzte dem Ganzen dann auch noch die Krone auf 🙂 Anstatt mich aber meinem Schicksal zu beugen, packte mich nun der Ehrgeiz. Mein Gegner war in höchster Zeitnot und wenn ich hier noch den ganzen Punkt einheimsen will, dann nur über die Zeit. Meinem Gegner ging es nur noch darum, in den Remishafen einzufahren und er opferte seinen Läufer für meine letzten Bauern. Es kam zu folgender Stellung:

Diabolisch dachte ich mir 😀 – Anstatt den letzten Bauern von Schwarz zu nehmen, zog ich meinen Läufer auf der Diagonalen und entfernte meinen König vom gegnerischen Bauern. Mein Gegner hatte nur noch 8 Sekunden und zog hastig seinen König umher. 3,2,1 und Null! Den Fair-Play-Preis habe ich mit dieser Aktion mit Sicherheit nicht verdient, aber genauso wie meine Gegner aus den ersten drei Runden, wollte diesmal ich den vollen Punkt unbedingt mitnehmen. Typischerweise sind die Bretter an denen es hektisch zugeht, immer von diversen Kiebitzen umgeben. Mein Brett war keine Ausnahme und es dauerte nicht lange, bis der erste Kiebitz meinte, dass mein Gegner auf Remis hätte reklamieren können, da ich nicht genug Material zum Matt setzen habe. Ebenfalls ziemlich typisch ist, dass gerade die Schachspieler am lautesten ihr Nichtwissen offenbaren, die keinerlei Ahnung von den Feinheiten und Regeln im Schach besitzen. In der vorliegenden Stellung kann Weiß sehr wohl noch matt setzen, wie ich anhand folgender Stellung aufzeigte:

Hierbei ist es völlig irrelevant, wie wahrscheinlich der Gegner sich auf diese Art matt setzen lassen würde. Wichtig ist hierbei lediglich die Tatsache, dass es möglich ist. Auf dem Brett ist noch genug Material vorhanden. Lediglich auf Grund von einem mit normalen Mitteln nicht zu erreichendem Matt, wäre eine Reklamation möglich gewesen. Hier hätte der Schiedsrichter nach der Reklamation noch ein paar Züge zugeschaut, was ebenfalls zum Blättchenfall geführt hätte. Zufrieden macht ein Sieg durch das Anwenden solcher Mittel natürlich nicht. Einmal mehr habe ich durch fahrlässiges Spiel die angesammelten Vorteile aus der Hand gegeben. Was war nur los? Bei unseren Vereinsabenden liefere ich beim Blitzen gegen Spieler mit Meisterniveau schönes und kreatives Schach ab. Bei den diesjährigen Braingames fehlt nach erfolgreicher Eröffnungsbehandlung der Biss. Es fehlt die Leichtigkeit! Ich nahm mir vor, das Turnier zu vergessen und einfach ohne Druck, Spaß am Schach zu haben. Bis zum Ende spielte ich die letzten Runden wie ausgewechselt und holte noch genügend Punkte, um das Turnier halbwegs versönlich abzuschließen.

Zwischen dem Blitzen beim Vereinsabend und dem Spielen eines Turniers besteht ein himmelweiter Unterschied. Mir fehlt es eindeutig an Turniererfahrung. Die Einstellung mit welcher ich dieses Schnellschachturnier am Anfang spielte, war schlicht falsch. Die Mehrzahl meiner Gegner waren mir in dieser Hinsicht haushoch überlegen. Diese spielten einfach Schach.

Die Spielbedingungen des Turniers waren sehr gut und man kann den Veranstalter für den reibungslosen Ablauf auf jeden Fall loben. Im nächsten Jahr sind die Schachfreunde Topschach wieder dabei und dann werden die Karten neu gemischt. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Schachtaktik zum Frühstück #25

Bei der heutigen Schachtaktik zum Frühstück gehen wir zurück ins Jahr 2008. Mit den weißen Steinen kam Tkachiev ziemlich aussichtsreich gegen Ponomariov aus der Eröffnung.  Dem geschulten Taktik-Auge fällt sofort die schwarze Grundreihenschwäche auf. Wie konnte Tkachiev dieses Stellungsmerkmal direkt ausnutzen?

Weiß am Zug gewinnt!

Viel Spaß beim Knobeln

Euer Benny

Neue Führung bei den Schachfreunden Topschach

Bei der am 28.02.2019 stattgefundenen Mitgliederversammlung wurde unser Vorstand neu gewählt. Ab sofort stellt sich sich dieser folgendermaßen zusammen:

1. Vorsitzender: Benjamin Aldag
2. Vorsitzender: André Krupke
Kassier: Oliver Prater

Du bist zum Vorstand gewählt worden

Dem bisherigen Vorstand, bestehenden aus Dr. Ralf Ludwig und im erweiterten Vorstand Kurt König möchten wir im Namen aller Mitglieder für die Leitung der vergangenen Jahre danken.

Euer Benny

Vereinsabende, Schachvereine und Schachspieler

Unser Vereinsabend am Donnerstag und auch der Treff am Samstagnachmittag ist ja schon sein einiger Zeit ein Geheimtipp unter Schachspielern. So gut wie immer trifft man auf Spieler aller Klassen. Egal ob Anfänger oder Großmeister,- jeder findet hier den passenden Gegner.

Schachfreunde Topschach

So auch am letzten Donnerstag, als wir mit Günter einen neuen Spieler in unseren Reihen willkommen heißen konnten. Als Hobbyspieler ohne Vereinserfahrung machte er am Brett seine Sache recht gut. Oliver und Sandy standen ihm beim Spielen mit Rat und Tat zur Seite. Ich denke gerade Anfängern muss man die Scheu nehmen und zeigen, dass Schach auf jedem Level Spaß macht und man gerade im Verein langfristig an Spielstärke und Selbstvertrauen gewinnt.

Schachfreunde Topschach

Immer wieder treffe ich auf Schachspieler, welche zuvor in anderen Schachvereinen in der Umgebung ihr Glück versuchten und anschließend das Weite suchten. Die Erfahrungen gleichen sich. Kommt ein schachinteressierter Neuling in einen Schachverein, wird er nicht selten komplett ignoriert. Da sitzen ein paar ältere Herren am Schachbrett und würdigen den Gast keines Blickes. Falls sich dann doch mal ein Mitglied erbarmt, gegen den Neuling zu spielen, wird dieser direkt am Brett in die Schranken gewiesen.

In einem Nachbarverein durfte ich Zeuge eines Extremfalls werden. Gleich zwei Gäste besuchten dessen Vereinsabend und wurden, wie üblich, ignoriert. Für ein anwesendes Mitglied (ein Ewig-1500er) ein gefundenes Fressen. Er bot an, gegen beide gleichzeitig zu spielen (simultan). Was zunächst als nette Geste aussah, entpuppte sich als Ego-Trip des 1500ers. Von oben herab führte er seine Züge am Brett aus und spielte, während seine Gegner überlegten, mit seinem Handy und unterhielt sich mit anderen Schachspielern. Die komplette Verhöhnung und Ignoranz. Anstatt den Neulingen Tipps zu geben, gab es nur abfällige Kommentare. Die beiden sah man in diesem Schachverein natürlich nie wieder.

Genau diese Vorkommnisse waren ein Mitgrund, die Schachfreunde Topschach zu gründen und es besser zu machen. Ich kann nicht sagen, wie oft ich mir auf Versammlungen im Schachkreis das Gejammer vom Vereins-Sterben anhören musste. Schuld war natürlich das Internet. Alle wollen nur noch online spielen. Meines Erachtens eine ziemlich billige und bequeme Ausrede. Mindestens genauso billig und bequem wie viele Mitglieder in diversen Schachvereinen. Es ist schon bezeichnend, wenn Schachvereine über 100 aktive Mitglieder haben aber beim Vereinsabend keine drei Leute zusammen bekommen.

Die Auswüchse von Ignoranz und Unfairness schafften es ganz aktuell auch in den Viererpokal des Schachkreis Zugspitze. Die Mannschaft von Gauting trat in Unterzahl an und musste tatsächlich nur eine Runde spielen, um als Sieger des Turniers vom Platz zu gehen. Wie kann das sein? Im Finale hätten der mit 91 Mitgliedern starke Schachverein SC Stanberg auf die Gautinger treffen sollen, aber beim SC Starnberg schaffte man es nicht, !vier! Mitglieder zu finden, die Lust haben, Schach zu spielen.

Als wäre dies nicht schon grotesk genug, ist es der SC Starnberg, der Schachspieler generell von Turnieren ausschließt, die angeblich Turniere nicht bis zum Ende spielen würden. Wasser predigen und Wein trinken!

Solange sich Vereine wie der SC Starnberg zu Turnieren anmelden ohne diese zu Ende zu spielen, verliert jeder Titel und jeder Pokal an Wert. Diese Turniere werden uninteressant und das erklärt auch, warum sich immer weniger Mannschaften und Vereine zu diesen Turnieren anmelden.

Diese Szenarien wirken sich natürlich auch auf potenzielle Neumitglieder aus. Vereine wie der SC Starnberg machen das Schach in ihrem Verein unattraktiv und nicht das Online-Spielen im Internet.

Ich denke unser kleiner Schachverein hat bewiesen, dass keine Partie im Internet so unterhaltsam und spannend sein kann, wie unsere Vereinsabende. 🙂

Schachfreunde Topschach

Bis bald

Euer Benny

In Unterzahl fast erfolgreich gegen den SC Germering

Die 6. Runde des Mannschaftskampfes, in welcher Germering IV unser Gegner war, stand zunächst unter einem schlechten Stern. Unser Heimspiel sollte im Schachcenter ausgetragen werden, da aber ausgerechnet zu zum Wochenende eine recht große Warenlieferung den kompletten Platz für sich beanspruchte, mussten wir uns um eine Ausweichmöglichkeit kümmern. Gespielt werden sollte im Rathaus Gilching, was aber auf Grund eines Krankheitsfall bei unserem Vorstand nicht früh genug arrangiert wurde.

Recht froh waren wir daher, dass der Schachclub Germering sich bereit erklärte, den Mannschaftskampf in ihren Räumen in der Stadthalle stattfinden zu lassen. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an die Germeringer! 🙂

Die Spielbedingungen waren nahezu perfekt. Außerordentlich viel Platz, angenehme Ruhe und sehr gutes Spielmaterial. Einziger Wermutstropfen war die Versorgung von Getränken. Wer nicht selbst etwas dabei hatte, konnte im Erdgeschoss für schlappe 6,-€ eine Flasche Wasser kaufen. Die Rahmenbedingungen des Mannschaftskampfes waren aber so gut organisiert, dass man darüber sehr leicht hinwegsehen konnte.

SF Topschach gegen Germering

Perfekte Spielbedingungen!

Krankheitsbedingt fielen bei uns zwei Spieler aus, womit wir es zu Viert richten mussten. Mit Sandy, Oliver, André und meiner Wenigkeit galt es, die Germeringer zu bezwingen. Wer in die Historie schaut wird feststellen, dass unserem noch jungen Verein bisher kein siegreicher Mannschaftskampf vergönnt war. Lief es an den ersten drei Brettern, wurde an den hinteren Brettern geschwächelt. Gab es hinten Punkte, waren wir an den vorderen Brettern nicht in Form. 🙂

Um es vorweg zu nehmen >>> Auch dieser Mannschaftskampf reiht sich in diese Serie ein. Nach etwa einer halben Stunde warf ich einen ersten Blick auf die einzelnen Bretter und war zufrieden. Die Eröffnungsphasen waren gespielt und an jedem Brett waren wir recht vorteilhaft ins Mittelspiel gekommen. Für den ersten Paukenschlag sorgte Sandy. Ihr Gegner spielte sehr gewissenhaft, aber ausgerechnet in dem Moment, als Sandy ein übles Abzugsschach drohte, zog er unüberlegt zu schnell und verlor eine Figur. Offenbar schockiert von dem Desaster, folgten noch zwei haarsträubende Züge, welche es Sandy erlaubten, einen Bauern in eine Dame umzuwandeln. Das wollte sich ihr Gegner aber nicht mehr anschauen und gab die Partie auf.

Am Brett vom Oliver sah es ebenfalls ziemlich spannend aus. Sein Läuferpaar + Springer und Dame waren direkt auf Angriff gegen den gegnerischen König gerichtet. Aber anstatt den Angriff auszuführen, zog Oliver einige ziemlich langsame Züge, was dem Gegner die notwendige Zeit gab, die eigene Stellung zu konsolidieren. Zu guter Letzt übersah Oliver dann auch noch ein Matt in einem Zug, bei welchem Oliver mit seinen letzten Zügen kräftig mitgeholfen hat. Diese Niederlage ist in vielfacher Hinsicht schade, da Oliver die Eröffnung ganz passabel gespielt hat und durchaus Chancen auf den vollen Punkt hatte. Hier müssen wir unbedingt noch am Momentum der Durchführung eines Angriffs arbeiten. Es reicht halt nicht aus, die Eröffnung gut zu spielen und Chancen im Mittelspiel zu haben, wenn man in den entscheidenden Momenten nicht zuschlägt. Ich bin mir aber sehr sicher, dass Oliver auch noch diese Hürde überwinden wird und Punkte in zukünftigen Mannschaftskämpfen folgen werden.

Kommen wir zu meiner Partie.  Die Eröffnung spielte ich so ziemlich nach Schablone, was in dieser Partiephase zu einigen Ungenauigkeiten meinerseits führte. Zu meinem Glück, spielte mir meine Gegnerin ziemlich in die Hände. Ich bekam von Ihr die halboffene f-Linie geschenkt und konnte mir relativ einfach ihren f-Bauern abholen. Es kam zu folgender Stellung:

Beide Seiten haben einen schwazfeldrigen Läufer, aber nur bei Weiß stehen alle Bauern auf weißen Feldern. Die a+b Bauern von Schwarz sind ein leichtes Angriffziel, genauso wie der schwarze e-Bauer. Technisch ist das relativ einfach gewonnen. Man tauscht die Schwerfiguren ab und anschließend nimmt man die schwarzfeldrigen Bauern von Schwarz aufs Korn. Wenige Züge später gab meine Gegnerin die Partie dann auch auf. Ich muss dazu sagen, dass meine Gegnerin einige taktische Kniffe in der Partie sehr gut abwehrte und auch selbst Ansätze taktischer Ideen zeigte. Ihr Spiel war allerdings ziemlich passiv und sie reagierte meiner Meinung nach zu oft einzügig auf mein Spiel, ohne selbst einen Plan zu fassen. Defizite in Ihrem Spiel waren vor allem rein strategischer Natur, was mir das Abwickeln in ein gewonnenes Endspiel erlaubte. Ich bin mir sehr sicher, dass meine Gegnerin massiv an Spielstärke gewinnen kann, wenn Sie sich meine Schachstrategie-Serie auf YouTube vornimmt:

Mit diesem Wissen im Gepäck, würde sie es mir beim nächsten Mal nicht so einfach machen.

So lag es nun an André, mit einem Sieg zumindest das 3:3 Unentschieden zu sichern. Schon vonh Beginn an sah auch alles nach einem klaren Sieg für André aus. Nach der Eröffnung hatte er das Zentrum unter Kontrolle, alle Figuren entwickelt, den König rochiert und die Türme im Zusammenspielt. Sein Gegner hatte weder die Rochade, noch irgendeine Zentrumskontrolle, geschweige denn irgendeine Figur entwickelt. Die Partie war praktisch ein Spiel auf ein Tor. In überragender Stellung verpasste es André aber, den Sack zu zu machen und stellte stattdessen sogar noch einen Läufer ein. Wenigstens konnte er dafür eine Vielzahl von Bauern einsammeln. Selbst mit Figur weniger stand er immer noch besser als sein Gegner. Es sagt schon Einiges darüber aus, wie gut seine Stellung vor dem Verlust des Läufers war, wenn er danach immer noch klare Gewinnchancen hatte.

Nun kam es allerdings zu einem absoluten No-Go im Mannschaftskampf. Anstatt für die Mannschaft zu kämpfen und das 3:3 zu sichern, zog es André vor, ohne Absprache mit dem Mannschaftsführer ins Remis einzuwilligen. In einer Stellung, in der man noch sehr klar um den ganzen Punkt spielen konnte. Jeder Teil unserer Mannschaft weiß genau, dass dieser Egoismus im Mannschaftskampf nichts zu suchen hat! Ich selbst habe in unseren Mannschaftskämpfen immer das Remis ausgeschlagen, wenn ein Sieg für das Mannschaftsergebnis notwendig war. Oft auch auf Kosten einer Niederlage.

Zur Ehrenrettung von André muss ich aber erwähnen, dass André nach dem Figurenverlust ziemlich unsicher war und auch noch Zeitnot hinzu kam. Hier kann es dann durchaus mal passieren, dass man die Gepflogenheiten des Mannschaftskampfes vergisst.

Schwamm drüber! 🙂

Sehr positiv überrascht war ich über den Besuch des Mannschaftskampfes von unserem neuen Mitglied Matthias Nerlinger. Er fieberte am Brett mit und stand nach gespielten Partien zur gemeinsamen Analyse bereit. Auch beim anschließend gemeinsamen Essen in einem Lokal in Germering war er dabei und teilte sein Fachwissen beim Analysieren der gespielten Partien. Vielen Dank Matthias!

Bis bald

Euer Benny

Erfolgreicher Auftakt von Andre Krupke beim Würmsee Open

Mit einem sicheren Remis gegen den 800 DWZ stärkeren Gerhard Strecker wurde Andre Krupkes intensives Training ein weiteres Mal belohnt. Die weißen Steine führend, konterte Andre recht früh die Sizilianische Verteidigung seines erfahrenen Gegners aus. Gemäß dem Motto „Safety First!“, wählte Andre zu Gunsten der Stellungsvereinfachung nicht immer die aggressiveren Möglichkeiten, um auf den vollen Punkt zu spielen. Insgesamt hatte er seinen Gegner immer im Griff und Gerhard Strecker nahm das im ausgeglichenen Endspiel von Andre angebotene Remis, ohne weitere Überlegung sofort an.

Andre trifft nun in Runde 2 als Nachziehender auf Lorenz Leitmeier. Ein Gegner, den man nicht unterschätzen darf. Wir wünschen unserem Vereinsmitglied Andre auch in dieser Partie viel Erfolg und stehen ihm mit Rat und Tat bei seiner Vorbereitung zur Seite.

Leider gibt es bei dem an für sich schönen Turnier auch Schattenseiten. Der SC Starnberg bleibt seiner Linie treu, anders denkende Menschen unterschiedlicher Herkunft zu diskriminieren. Eine unschöne Sache, die in keinem Verein Nährboden finden sollte. Hoffnung gibt aber die Gewissheit, dass die Zeit das verkrustete und intolerante Denken der alternden Vereinsführung früher oder später von selbst erledigen wird.

Bis bald

Euer Benny

Shogi Training

Ab sofort findet bei uns im Schachcenter auch aktives Shogi-Training statt. Gerade für Schachspieler ist der Einstieg in das japanische Schach ziemlich einfach, wobei erst nach und nach die Komplexität des Shogi ersichtlich wird.

Shogi Training

Angefangen mit den vielen „Rochaden“ bis hin zu der Tatsache, dass geschlagene Steine wieder eingesetzt werden können, bietet das Shogi erfrischend viel Neues für Denksportler.

Shogi Training

Wer Interesse am Shogi-Training hat, kann sich gerne bei uns melden. Wir freuen uns über jeden Gast. 🙂

Euer Benny

Training und Analysieren zahlt sich immer aus

Einmal mehr haben wir beim gestrigen Training eine besondere Partie analysiert. Diesmal von unserem Vereinsmitglied WFM Anita Just. Gegen einen 2100 ELO starken Gegner konnte sie am Ende triumphieren. Ausschlaggebend führ ihr souveränes Spiel war eine gemeinsame Analyse einer recht unbekannten Variante im Zweispringer-Spiel, mit welcher ich Anita vor ein paar Jahren mit den schwarzen Steinen beim Blitzen überraschte und schnell überrumpeln konnte.

An die wichtigsten Züge uns Ideen konnte sich Anita noch gut erinnern und so fühlte sie sich schon ein ein paar Zügen auf dem Brett sicher und konnte planvoll spielen.

Das zeigt, wie wichtig es ist, sich mit Eröffnungen und deren Ideen zu beschäftigen und sich auszukennen. Auch wenn man sich nicht oft mit der ein oder anderen Variante beschäftigt, bleibt nach dem Studieren auch noch Jahre später etwas hängen, was spielentscheidend sein kann.

Den Vereinsabend im Diablo nutzte unser Mitglied Andre, um mit IM Thomas Reich und mir seine Partie vom letzten Sonntag zu analysieren. Auch hier gab es wieder einige Aha-Effekte und wie immer sind die Ausführungen von Ritschi erste Sahne! 🙂

Durch unser Freilos in der Liga bleibt uns viel Zeit, um uns in den nächsten Wochen auf den nächsten Gegner im Mannschaftskampf vorzubereiten.

Bis bald

Euer Benny