5 Seenlandpokal in Gauting

Am gestrigen Donnerstag wurde in Gauting das vierte Turnier des 5 Seenland-Pokals 2018 durchgeführt. Mit im Gepäck hatten Ralf und ich auch diesmal IM Thomas Reich. Ich selbst wollte ursprünglich einfach nur zum Zuschauen mitkommen, da ich mit dem ein oder anderen teilnehmenden Flegel ohne Kinderstube rechnete. Ich wurde jedoch positiv überrascht. Auch in Gauting blieb das bekannte Gesindel dem Turnier fern, was mich spontanen Anmeldung animierte. 😉

So war es für den Turnierleiter Alexander Fischer-Brandies eine leichte Aufgabe, alle Spieler sieben Runden lang durch das Turnier zu führen. Sehr aufmerksam wies er nach jeder Runde auch Spieler die sich Draußen aufhielten darauf hin, wann die nächste Runde stattfindet. Das hat er wirklich gut gemacht!

Etwas schade fand ich, dass der vorhandene Beamer nicht für die Auslosung und den Tabellenstand genutzt wurde. Trotzdem kam es zu keinen Wartezeiten und die Teilnehmer haben ihre Plätze schnell gefunden.

5 Seenlandpokal Gauting 2018

In der ersten Runde traf ich dann auf den einzigen Spieler im Feld, gegen welchen das Spielen nicht wirklich Spaß macht. Das liegt weniger an seinen etwa 1100 DWZ, sondern an den von Zigarettenqualm stinkenden Klamotten und der Tatsache, dass ich es schon öfter mitbekommen habe, dass dieser Spieler sich nach dem Toilettengang nicht die Hände wäscht. Ich glaube es gibt für einen Schachspieler kaum etwas Ekelhafteres, als mit diesem Wissen vor der Partie einem solchen Gegner die Hand zu reichen. Zum Glück kam es nicht dazu. Vielmehr wollte mein Gegner mehrmals vor Freigabe der Runde die Partie starten. Viermal musste ich ihn darauf hinweisen, dass noch keine Ruhe herrscht und die Runde noch nicht freigegeben ist.

Die Partie konnte ich Dank einiger Figureneinsteller meines Gegners ohne weitere Komplikationen recht schnell gewinnen. Nachdem mein Gegner die Partie aufgegeben hatte, stand er auf und verließ das Brett. Nachdem ich meine Figuren wieder in die Grundstellung brachte und die Uhr zurücksetzte, teilte ich ihm auf dem Weg nach Draußen noch mit, dass es sehr anständig wäre, wenn auch er seine Figuren für die nächste Runde aufbauen würde. Es sind diese recht simplen Dinge, welche es allen Teilnehmern und auch dem Turnierleiter einfacher machen.

Auch Ralf und Ritschi (IM Thomas Reich) konnten in der ersten Runde den vollen Punkt holen.

5 Seenlandpokal Gauting 2018

In der zweiten Runde musste ich dann mit den weißen Steinen gegen Thomas Sörgel ran. Es kam ein Franzose aufs Brett und mir gefiel was ich sah. In wohl ausgeglichener Stellung wurden fast alle Figuren getauscht und ich bot Remis, was mein Gegner ablehnte. Zu Recht, wie ich im weiteren Verlauf der Partie feststellen musste. Das Endspiel hat Thomas wirklich gut und sehr genau gespielt, womit er sich den Punkt absolut verdient hat.

Gegen Sebastian Finsterwalder hatte Ralf leider kein Glück. Sebastian ist schon eine ordentliche Hausnummer und, zumindest für unsereins, ziemlich schwer zu schlagen. Ritschi hatte hier mehr „Glück“ und konnte seinen zweiten Zähler auf dem Punktekonto verbuchen.

In der dritten Runde kam ich gegen Joachim Heinze. Es ist schon eine Weile her, dass wir in einem Turnier gegeneinander gelost wurden. Mit den schwarzen Steinen bekam ich einen Italiener vor die Nase gesetzt. Da ich weiß, wie zäh Joachim selbst mit weniger Material seine Stellungen verteidigt und ich Kräfte sparen wollte, bot ich nach wenigen Zügen Remis, was er direkt angenommen hat. Zwar hatte ich in meiner letzten Partie vor einigen Monaten noch leichtes Spiel gegen ihn und konnte schön Punkten, jedoch sind mir immer noch die vielen Partien der Vergangenheit gegen ihn in Erinnerung, in welchen ich krampfhaft auf Gewinn spielen wollte, er alles abtauschte und mir meine eigene Brechstange zum Verhängnis wurde. Remis geht gegen Joachim absolut in Ordnung.

Ralf einigte sich mit seinem Gegner Bernhard Vonach nach verwickeltem Kampf auf Remis. Hier war für Ralf allerdings mehr drin. In einem Turmendspiel hatte sein Gegner einen isolierten Zentrumsbauern, welche Ralf einfach nur belagern hätte müssen. Stattdessen zog er es vor, diesen Bauern direkt zu schlagen, was seinem Gegner die Gelegenheit gab, mit seinen Türmen auf die zweite Reihe einzudringen und den Bauern vorteilhaft zurückzugewinnen. Mit etwas Lavieren des Königs und einer Grundreihensicherung mit den eigenen Türmen, hätte Ralf das Eindringen der Türme verhindern können und gemütlich den isolierten Bauern von Schwarz aufs Korn nehmen können. Aber für einen Kibitz sieht alles immer so einfach aus 🙂

5 Seenlandpokal Gauting 2018

Ritschi hatte in Runde 3 schwere Kost zu verdauen. Achim Flemming war sein Gegner und dieser spielte über weite Strecken wirklich sehr gutes Schach. Selbst nach einem Bauerneinsteller von ihm war die Stellung noch ziemlich unklar mit beidseitigen Chancen. Allerdings gefiel mir, zumindest optisch, die Stellung von Achim besser. Als er, wohl in Zeitnot, dann noch einen Bauern eingestellt hatte, gab er die Partie auf. Trotzdem hat er die Partie ziemlich stark gespielt.

5 Seenlandpokal Gauting 2018

Ebenfalls stark war mittlerweile auch der Dunst und die schlechte Luft in dem Raum in dem wir spielten. Klar, 24 Schachspieler auf engem Raum ohne Möglichkeit zu Lüften geht nicht lange gut. Kam man von Draußen rein, offenbarte sich einem eine Wand aus Hitze und muffiger Luft, deren Sauerstoffanteil zur Schnappatmung animierten. Der in dieser Männersauna austretende Schweiß vieler Teilnehmer war dann praktisch der Genickschuss für jeden Frischluftliebhaber. Aber dieser Zustand war bei den Räumlichkeiten des Gautinger SC schon immer so und jeder wusste, was auf ihn zukommt.

In der vierten Runde ging es für mich dann einmal mehr gegen meinen Schach-Buddy Dieter Koch ans Werk. Aus der Eröffnung heraus habe ich ihn schnell überspielt, aber anstatt den Sack zuzumachen, wickelte ich mit zwei Mehrbauern ins Endspiel ab. Wie aus dem Nichts tat sich allerdings eine hübsche Taktik auf, mit welche Dieter, mal wieder, eine Figur gewann. Ich sammelte noch einen dritten Bauern ein und konnte mich recht gut halten. Noch einmal war das Stellungsglück dem Dieter hold, als sowohl er einen Bauern in eine Dame umwandeln konnte, als auch ich. Hier reichten dem Dieter ein paar Schachs, um mich meiner sauer verdienten Dame zu berauben. Ich hatte genug und gab die Partie auf. Wenn ich es nicht schaffe, nach der Eröffnung eine überragende Angriffsstellung mit zwei Mehrbauern zu einem Punkt zu verwerten, dann habe ich den Punkt auch nicht verdient.

Ralf musste gegen Uli ran. Eine tragische Partie. Beide waren in Zeitnot und es war für keinen ein Gewinn in Sicht. Ralf hatte die Chance auf ein Dauerschach, wollte aber um den vollen Punkt kämpfen und schlug die Möglichkeit aus. Nachdem er keine Fortschritte machen konnte, bot er Remis an. Das Remisangebot von Ralf lehnte Uli ab und zog nur noch mit dem Läufer hin und her, bis die Zeit vom Ralf abgelaufen war.

Ritschi hatte hingegen leichtes Spiel gegen Thomas Sörgel, welcher nach nur wenigen Zügen einen Läufer eingestellt hatte und direkt die Hand zur Aufgabe rüber reichte.

Gegen Bernhard Vonach konnte nun endlich meinen Vorteil nach der Eröffnung verwerten. In einer hoch taktischen Stellung sah es zunächst so aus, als ob Bernhard einen Bauern gewinnen konnte. Es würden anschließend forciert recht viele Figuren abgetauscht werden und mit einem Mehrbauern ins Endspiel zu gehen kann ja nicht schlecht sein. Hier hatte Bernhard die Taktik allerdings nicht weit genug berechnet, was dazu führte, dass ich am Ende neben dem Bauern auch noch die Qualität gewann. Der Rest war dann recht einfach.

Das Unglück blieb dem Ralf auch in dieser Runde treu. Gegen Florian Gerlach hatte er eine vielversprechende Stellung, jedoch unterlief dem Ralf ein schrecklicher Patzer, durch welchen er seinen Gegner praktisch nötigte, entweder die Dame zu gewinnen oder matt zu setzen. Kein Punkt für Ralf.

Ritschi hatte es erneut mit Sebastian Finsterwalder zu tun. Diesmal allerdings mit den schwarzen Steinen. Es kam ein Königsinder mit Lg5 aufs Brett. Auch hier ist Ritschi ein absoluter Eröffnungskenner. Nach der Partie teilte er mir auch mit , dass er die Lg5-Variante gegen Königsindisch nicht für vollwertig hält. Eine gute Möglichkeit für Sebastian, sich die Sache nochmal genauer anzuschauen. Der Punkt ging an Ritschi.

In Runde 6 bekam ich Ralfs Gegner aus der fünften Runde, Florian Gerlach als Gegner. Mit den weißen Steinen neutralisierte ich das Sizilianisch meines Gegner recht flott und er befand sich recht schnell in einer bekannten Variante, in welcher Schwarz strategisch einfach nur auf Verlust steht. Ein Bauer war auch schnell gewonnen und der schwarze König blank vor Entsetzen. Ich verstärkte meinen Angriff durch einen Turmzug auf die zweite Reihe und fühlte mich pudelwohl. Eine Sekunde später sah ich allerdings das Grauen, welches ich über meine Stellung mit diesem Zug gebracht habe. Durch das setzen des Turms auf die zweite Reihe, war meine Erste Reihe ungeschützt und mein Gegner konnte mich in 2 Zügen mit Dame und Springer matt setzen. Was habe ich nur angerichtet? Etwa eine Minute dachte mein Gegner nach, während ich nur ungläubig den Kopf schüttelte und vorhatte, das selbe mit der Hand meines Gegners zu tun, wenn er als Nächstes mit der Dame auf e1 das Schach gibt. So fasste Florian die Dame an und zog sie nach……f7. Wow! Da bin ich dem Matt gerade nochmal von der Schippe gesprungen. Ich tauschte nun schnell ein paar Figuren ab und kam in ein reines Damen-Endspiel mit 3 Mehrbauren. Auch die Damen wurden schnell getauscht und mit einem Freibauern holte ich mir direkt eine Neue. Nun versuchte mich Florian in hoffnungsloser Stellung (Ich hatte Dame + 3 Bauern + König und Florian einen Bauern und den König) über die Zeit zu heben. Tja,- 14 Sekunden hatte ich noch auf der Uhr, aber als alter Bullet-Spieler bin ich Schlimmeres gewohnt. Ich nahm mir zunächst noch die Zeit, auch den letzten Bauern von Florian zu erobern. Damit hatte ich auf jeden Fall das Remis sicher, selbst wenn er mich über die Zeit heben würde. Wenige Züge später war er dann aber auch schon einen Zug vorm Matt. Florian gab die Partie auf.

Ralf kam in dieser Runde in den zweifelhaften Genuss, gegen meinen Erstrundengegner anzutreten. Dieses „Freilos“ nahm er ohne große Anstrengungen mit.

Auf die Partie zwischen Thomas Reich und Frank Ipfelkofer war ich sehr gespannt. Ich kenne Frank als sehr genauen Spieler, der einen Vorteil grundsätzlich auch in einen Punkt umsetzt. In der Partie gegen Ritschi hatte er allerdings von Beginn an schlechte Karten. Seine Stellung war schon sehr verdächtig und Ritschi ließ seinen Gegner bis zum Todesstoß nicht lange zappeln. Damit war bereits nach der sechsten Runde klar, dass Ritschi den ersten Platz inne haben wir. Mit 6 aus 6 Punkten war er satte 1,5 Punkte seinem Verfolgerfeld voraus.

5 Seenlandpokal Gauting 2018

In der siebten Runde war die Luft um uns herum so stickig, dass ich eigentlich nur noch nach Hause wollte. Zuvor sollte ich aber noch gegen Frank Ipfelkofer verlieren. Bei mir ging einfach nichts mehr und ich ergab mich recht schnell meinem Schicksal.

Ralf hatte gegen Manfred Wriesnik keine wirklich große Mühe und gewann recht flott die Dame seines Gegners und einige Bauern. Ralf blickte seinen Gegner an und erwartete eigentlich die Aufgabe. Manfred spielte die Partie jedoch weiter und ließ sich wenige Züge später matt setzen.

5 Seenlandpokal Gauting 2018

5 Seenlandpokal Gauting 2018

Das große Showdown kam aber an Ritschis Brett. Hier durfte FM Bernd Salvermoser gegen den IM Thomas Reich ran. Eine absolut spannende Partie, in welcher Bernd ein hübsches Qualitätsopfer einbrachte, welches Ritschi ein paar Züge später zurückgeben musste. Bernd hatte anschließend einen Bauern mehr und dieser war zudem auch noch ein Freibauer. Eigentlich eine gewonnene Sache, jedoch zeigte sich in dem nun folgenden Endspiel sehr gut der Klassenunterschied. Ritschi wusste genau, wie er dieses Endspiel spielen muss und wie der mögliche Fortschritte seines Gegners unterbinden kann. In Zeitnot schlug Bernd eine Stellungswiederholung und damit das Remis aus. Er wollte tatsächlich immer noch gewinnen, verlor aber in der Hektik nicht nur den Überblick, sondern auch eine Figur, was ihn direkt veranlasste, die Partie aufzugeben.

5 Seenlandpokal Gauting 2018

5 Seenlandpokal Gauting 2018

5 Seenlandpokal Gauting 2018

Zum zweiten Mal 7 aus 7 – IM Thomas „Ritschi“ Reich

7 aus 7! Wieder hat Ritschi seine Klasse bewiesen.  Wir machten und jetzt schnell an die frische Luft und auf den Heimweg. Das Turnier hat trotz mancher Widrigkeit Spaß gemacht.

Bis zum nächsten Mal

Euer Benny