Vereinsabende, Schachvereine und Schachspieler

Unser Vereinsabend am Donnerstag und auch der Treff am Samstagnachmittag ist ja schon sein einiger Zeit ein Geheimtipp unter Schachspielern. So gut wie immer trifft man auf Spieler aller Klassen. Egal ob Anfänger oder Großmeister,- jeder findet hier den passenden Gegner.

Schachfreunde Topschach

So auch am letzten Donnerstag, als wir mit Günter einen neuen Spieler in unseren Reihen willkommen heißen konnten. Als Hobbyspieler ohne Vereinserfahrung machte er am Brett seine Sache recht gut. Oliver und Sandy standen ihm beim Spielen mit Rat und Tat zur Seite. Ich denke gerade Anfängern muss man die Scheu nehmen und zeigen, dass Schach auf jedem Level Spaß macht und man gerade im Verein langfristig an Spielstärke und Selbstvertrauen gewinnt.

Schachfreunde Topschach

Immer wieder treffe ich auf Schachspieler, welche zuvor in anderen Schachvereinen in der Umgebung ihr Glück versuchten und anschließend das Weite suchten. Die Erfahrungen gleichen sich. Kommt ein schachinteressierter Neuling in einen Schachverein, wird er nicht selten komplett ignoriert. Da sitzen ein paar ältere Herren am Schachbrett und würdigen den Gast keines Blickes. Falls sich dann doch mal ein Mitglied erbarmt, gegen den Neuling zu spielen, wird dieser direkt am Brett in die Schranken gewiesen.

In einem Nachbarverein durfte ich Zeuge eines Extremfalls werden. Gleich zwei Gäste besuchten dessen Vereinsabend und wurden, wie üblich, ignoriert. Für ein anwesendes Mitglied (ein Ewig-1500er) ein gefundenes Fressen. Er bot an, gegen beide gleichzeitig zu spielen (simultan). Was zunächst als nette Geste aussah, entpuppte sich als Ego-Trip des 1500ers. Von oben herab führte er seine Züge am Brett aus und spielte, während seine Gegner überlegten, mit seinem Handy und unterhielt sich mit anderen Schachspielern. Die komplette Verhöhnung und Ignoranz. Anstatt den Neulingen Tipps zu geben, gab es nur abfällige Kommentare. Die beiden sah man in diesem Schachverein natürlich nie wieder.

Genau diese Vorkommnisse waren ein Mitgrund, die Schachfreunde Topschach zu gründen und es besser zu machen. Ich kann nicht sagen, wie oft ich mir auf Versammlungen im Schachkreis das Gejammer vom Vereins-Sterben anhören musste. Schuld war natürlich das Internet. Alle wollen nur noch online spielen. Meines Erachtens eine ziemlich billige und bequeme Ausrede. Mindestens genauso billig und bequem wie viele Mitglieder in diversen Schachvereinen. Es ist schon bezeichnend, wenn Schachvereine über 100 aktive Mitglieder haben aber beim Vereinsabend keine drei Leute zusammen bekommen.

Die Auswüchse von Ignoranz und Unfairness schafften es ganz aktuell auch in den Viererpokal des Schachkreis Zugspitze. Die Mannschaft von Gauting trat in Unterzahl an und musste tatsächlich nur eine Runde spielen, um als Sieger des Turniers vom Platz zu gehen. Wie kann das sein? Im Finale hätten der mit 91 Mitgliedern starke Schachverein SC Stanberg auf die Gautinger treffen sollen, aber beim SC Starnberg schaffte man es nicht, !vier! Mitglieder zu finden, die Lust haben, Schach zu spielen.

Als wäre dies nicht schon grotesk genug, ist es der SC Starnberg, der Schachspieler generell von Turnieren ausschließt, die angeblich Turniere nicht bis zum Ende spielen würden. Wasser predigen und Wein trinken!

Solange sich Vereine wie der SC Starnberg zu Turnieren anmelden ohne diese zu Ende zu spielen, verliert jeder Titel und jeder Pokal an Wert. Diese Turniere werden uninteressant und das erklärt auch, warum sich immer weniger Mannschaften und Vereine zu diesen Turnieren anmelden.

Diese Szenarien wirken sich natürlich auch auf potenzielle Neumitglieder aus. Vereine wie der SC Starnberg machen das Schach in ihrem Verein unattraktiv und nicht das Online-Spielen im Internet.

Ich denke unser kleiner Schachverein hat bewiesen, dass keine Partie im Internet so unterhaltsam und spannend sein kann, wie unsere Vereinsabende. 🙂

Schachfreunde Topschach

Bis bald

Euer Benny

In Unterzahl fast erfolgreich gegen den SC Germering

Die 6. Runde des Mannschaftskampfes, in welcher Germering IV unser Gegner war, stand zunächst unter einem schlechten Stern. Unser Heimspiel sollte im Schachcenter ausgetragen werden, da aber ausgerechnet zu zum Wochenende eine recht große Warenlieferung den kompletten Platz für sich beanspruchte, mussten wir uns um eine Ausweichmöglichkeit kümmern. Gespielt werden sollte im Rathaus Gilching, was aber auf Grund eines Krankheitsfall bei unserem Vorstand nicht früh genug arrangiert wurde.

Recht froh waren wir daher, dass der Schachclub Germering sich bereit erklärte, den Mannschaftskampf in ihren Räumen in der Stadthalle stattfinden zu lassen. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an die Germeringer! 🙂

Die Spielbedingungen waren nahezu perfekt. Außerordentlich viel Platz, angenehme Ruhe und sehr gutes Spielmaterial. Einziger Wermutstropfen war die Versorgung von Getränken. Wer nicht selbst etwas dabei hatte, konnte im Erdgeschoss für schlappe 6,-€ eine Flasche Wasser kaufen. Die Rahmenbedingungen des Mannschaftskampfes waren aber so gut organisiert, dass man darüber sehr leicht hinwegsehen konnte.

SF Topschach gegen Germering

Perfekte Spielbedingungen!

Krankheitsbedingt fielen bei uns zwei Spieler aus, womit wir es zu Viert richten mussten. Mit Sandy, Oliver, André und meiner Wenigkeit galt es, die Germeringer zu bezwingen. Wer in die Historie schaut wird feststellen, dass unserem noch jungen Verein bisher kein siegreicher Mannschaftskampf vergönnt war. Lief es an den ersten drei Brettern, wurde an den hinteren Brettern geschwächelt. Gab es hinten Punkte, waren wir an den vorderen Brettern nicht in Form. 🙂

Um es vorweg zu nehmen >>> Auch dieser Mannschaftskampf reiht sich in diese Serie ein. Nach etwa einer halben Stunde warf ich einen ersten Blick auf die einzelnen Bretter und war zufrieden. Die Eröffnungsphasen waren gespielt und an jedem Brett waren wir recht vorteilhaft ins Mittelspiel gekommen. Für den ersten Paukenschlag sorgte Sandy. Ihr Gegner spielte sehr gewissenhaft, aber ausgerechnet in dem Moment, als Sandy ein übles Abzugsschach drohte, zog er unüberlegt zu schnell und verlor eine Figur. Offenbar schockiert von dem Desaster, folgten noch zwei haarsträubende Züge, welche es Sandy erlaubten, einen Bauern in eine Dame umzuwandeln. Das wollte sich ihr Gegner aber nicht mehr anschauen und gab die Partie auf.

Am Brett vom Oliver sah es ebenfalls ziemlich spannend aus. Sein Läuferpaar + Springer und Dame waren direkt auf Angriff gegen den gegnerischen König gerichtet. Aber anstatt den Angriff auszuführen, zog Oliver einige ziemlich langsame Züge, was dem Gegner die notwendige Zeit gab, die eigene Stellung zu konsolidieren. Zu guter Letzt übersah Oliver dann auch noch ein Matt in einem Zug, bei welchem Oliver mit seinen letzten Zügen kräftig mitgeholfen hat. Diese Niederlage ist in vielfacher Hinsicht schade, da Oliver die Eröffnung ganz passabel gespielt hat und durchaus Chancen auf den vollen Punkt hatte. Hier müssen wir unbedingt noch am Momentum der Durchführung eines Angriffs arbeiten. Es reicht halt nicht aus, die Eröffnung gut zu spielen und Chancen im Mittelspiel zu haben, wenn man in den entscheidenden Momenten nicht zuschlägt. Ich bin mir aber sehr sicher, dass Oliver auch noch diese Hürde überwinden wird und Punkte in zukünftigen Mannschaftskämpfen folgen werden.

Kommen wir zu meiner Partie.  Die Eröffnung spielte ich so ziemlich nach Schablone, was in dieser Partiephase zu einigen Ungenauigkeiten meinerseits führte. Zu meinem Glück, spielte mir meine Gegnerin ziemlich in die Hände. Ich bekam von Ihr die halboffene f-Linie geschenkt und konnte mir relativ einfach ihren f-Bauern abholen. Es kam zu folgender Stellung:

Beide Seiten haben einen schwazfeldrigen Läufer, aber nur bei Weiß stehen alle Bauern auf weißen Feldern. Die a+b Bauern von Schwarz sind ein leichtes Angriffziel, genauso wie der schwarze e-Bauer. Technisch ist das relativ einfach gewonnen. Man tauscht die Schwerfiguren ab und anschließend nimmt man die schwarzfeldrigen Bauern von Schwarz aufs Korn. Wenige Züge später gab meine Gegnerin die Partie dann auch auf. Ich muss dazu sagen, dass meine Gegnerin einige taktische Kniffe in der Partie sehr gut abwehrte und auch selbst Ansätze taktischer Ideen zeigte. Ihr Spiel war allerdings ziemlich passiv und sie reagierte meiner Meinung nach zu oft einzügig auf mein Spiel, ohne selbst einen Plan zu fassen. Defizite in Ihrem Spiel waren vor allem rein strategischer Natur, was mir das Abwickeln in ein gewonnenes Endspiel erlaubte. Ich bin mir sehr sicher, dass meine Gegnerin massiv an Spielstärke gewinnen kann, wenn Sie sich meine Schachstrategie-Serie auf YouTube vornimmt:

Mit diesem Wissen im Gepäck, würde sie es mir beim nächsten Mal nicht so einfach machen.

So lag es nun an André, mit einem Sieg zumindest das 3:3 Unentschieden zu sichern. Schon vonh Beginn an sah auch alles nach einem klaren Sieg für André aus. Nach der Eröffnung hatte er das Zentrum unter Kontrolle, alle Figuren entwickelt, den König rochiert und die Türme im Zusammenspielt. Sein Gegner hatte weder die Rochade, noch irgendeine Zentrumskontrolle, geschweige denn irgendeine Figur entwickelt. Die Partie war praktisch ein Spiel auf ein Tor. In überragender Stellung verpasste es André aber, den Sack zu zu machen und stellte stattdessen sogar noch einen Läufer ein. Wenigstens konnte er dafür eine Vielzahl von Bauern einsammeln. Selbst mit Figur weniger stand er immer noch besser als sein Gegner. Es sagt schon Einiges darüber aus, wie gut seine Stellung vor dem Verlust des Läufers war, wenn er danach immer noch klare Gewinnchancen hatte.

Nun kam es allerdings zu einem absoluten No-Go im Mannschaftskampf. Anstatt für die Mannschaft zu kämpfen und das 3:3 zu sichern, zog es André vor, ohne Absprache mit dem Mannschaftsführer ins Remis einzuwilligen. In einer Stellung, in der man noch sehr klar um den ganzen Punkt spielen konnte. Jeder Teil unserer Mannschaft weiß genau, dass dieser Egoismus im Mannschaftskampf nichts zu suchen hat! Ich selbst habe in unseren Mannschaftskämpfen immer das Remis ausgeschlagen, wenn ein Sieg für das Mannschaftsergebnis notwendig war. Oft auch auf Kosten einer Niederlage.

Zur Ehrenrettung von André muss ich aber erwähnen, dass André nach dem Figurenverlust ziemlich unsicher war und auch noch Zeitnot hinzu kam. Hier kann es dann durchaus mal passieren, dass man die Gepflogenheiten des Mannschaftskampfes vergisst.

Schwamm drüber! 🙂

Sehr positiv überrascht war ich über den Besuch des Mannschaftskampfes von unserem neuen Mitglied Matthias Nerlinger. Er fieberte am Brett mit und stand nach gespielten Partien zur gemeinsamen Analyse bereit. Auch beim anschließend gemeinsamen Essen in einem Lokal in Germering war er dabei und teilte sein Fachwissen beim Analysieren der gespielten Partien. Vielen Dank Matthias!

Bis bald

Euer Benny