Spannende Partien beim Dähne Pokal

Der Dähne-Pokal ist mit seinem K.O.-System ein sehr unbarmherziges Turnier. Ein Fehltritt, und man ist Draußen. Leider ist dieses Event beim Schachkreis Zugspitze in den letzten Jahren ziemlich unterbesetzt gewesen. Ein zuverlässiger Teilnehmer ist Thomas Lochte, welcher dieses Turnier seit Jahren dominiert.

Während ich die erste Runde noch durch ein Freilos meisterte 🙂 , ging es in Runde 2 mit den schwarzen Steinen gegen Markus Nothas. Bereits in der Eröffnung bekam ich recht viele Tempi geschenkt, welche im weiteren Verlauf zu aktivem Spiel und einem Figurengewinn mündeten. Es kam zu folgender Stellung:

Selbstmatt

Trotz Mehrfigur, kann sich dieses Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern noch etwas hinziehen. Ich hatte aber etwas anderes im Sinn und zog meinen König nach e7…

Selbstmatt

…worauf mein Gegner seinen Königsmarsch fortsetzte und den Monarchen nach e5 zog. Mit strahlenden Augen gab ich meinem Springer die Sporen und setzte ihn auf e6. 🙂

Selbstmatt

Weiß am Zug ist im Mattnetz gefangen und kann gegen f7-f6 mit Matt nichts mehr ausrichten.

In der dritten Runde wartete bereits der Favorit des Turniers Thomas Lochte auf mich. Vor Ort wurden die Farben gelost und einmal mehr beglückte mich die Schachgöttin Caissa mit den schwarzen Steinen. Nicht gerade ein Vorteil gegen einen Angriffsspieler.

Bereits nach wenigen Zügen wollte Thomas die Partie verschärfen und bot ein bekanntes Bauernopfer an, welches man mit Schwarz annehmen kann, aber jeder Zug danach einem Tanz auf der Klippe ähnelt.

Thomas Lochte

Ich dachte nicht lange darüber nach, diesen Bauern auf e4 zu nehmen. Gegen schwächere Gegner beim Blitzen ist das für beide Seiten ziemlich spaßig und genau hierfür habe ich diese Variante auch selbst im Repertoire. In einer langen Partie gegen einen versierten Turnierspieler gleicht das aber einem Selbstmord. Zwar kenne ich taktischen Fallstricke und weiß, wie man diese umschifft, aber am Ende findet sich Schwarz in so gut wie jeder Variante mit einer schlechten Bauerstruktur mit Springer und Läufer wieder, während Weiß bei intakter Bauerstruktur mit seinem Läuferpaar das Endspiel dominiert. Engines können hier mit Schwarz sehr gut gegenhalten, aber als Mensch spielt sich das einfach nur sehr unangenehm.

Ich lehnte das Bauernopfer ab und ließ es mit d7-d6 langsam angehen. Thomas Lochte machte auch weiterhin ordentlich Druck und stellte mich viele Züge lang vor schwierige Entscheidungen. Hier ein Beispiel:

Thomas Lochte

Bei seinem letzten Zug c3-c4 kann Schwarz mit einem Fehltritt schnell untergehen. Nimmt man mit Schwarz den Bauern auf c4, folgt das vernichtende Dame b7 und Schwarz kann die Uhr anhalten und aufgeben. 

Ich zog allerdings cxd4 und nachdem das Zentrum geklärt war, kam es zu folgender Stellung:

Thomas Lochte

Zur Abwechslung durfte auch mal ich etwas drohen. Ein normal aussehender Zug wie etwa Tac1, würde Schwarz mit einem höllischen Opfer beantworten. Es würde Txf3 folgend und nach gxf3 findet die schwarze Dame auf h3 ein nettes Plätzchen. 🙂 Gefolgt von Sh4 ist die Mattgefahr tödlich. Aber Thomas ließ diesen Spaß nicht zu und zog stattdessen seinen Springer zurück auf d2.

Später konnte Thomas dann doch noch etwas Material opfern, um es postwendend durch einen Abzug zurück zu gewinnen.

Thomas Lochte

 Dieses Springeropfer hatte ich auch auf dem Schirm, aber im kam bei meiner Berechnung zu dem Schluss, dass hier einfach viel Material abgetauscht wird und am Ende das Materialverhältnis ausgeglichen sein wird. Es kam aber anders.

Thomas Lochte

Bis hier hin hatte ich die Stellung berechnet und dachte, dass Weiß gegen Txe7 nichts hat. Der Bauer auf b5 bleibt weiter gedeckt und die Partie sollte doch remis enden. Pustekuchen! Thomas zog in dieser Stellung den Turm nach d1 und nun musste ich den Bauern auf e7 mit der Dame nehmen und Weiß kann genüsslich auf b5 zugreifen.

Es folgte noch das Abtauschen der Türme und wir hatten ein reines Damenendspiel auf dem Brett. Die Grundreihenschwäche von Weiß gab mir die notwendige Zeit, meine Dame zu aktivieren. Mit Weiß sollte die Stellung technisch gewonnen sein, jedoch zog Thomas ein paar auf den ersten Blick recht aktive und gute Züge, welche sich im Nachhinein als schlecht herausstellten. Es kam zu folgender Stellung:

Thomas Lochte

Hier atmete ich zum erstem Mal durch und war mir sicher, dass ich die Kiste Remis halten kann. Ich zog die Dame nach d8 und es ist nicht mehr Weiß, der mit schwungvollen Drohungen um die Ecke kommt, sondern Schwarz.

Zu guter Letzt habe ich in folgender Stellung Remis angeboten, was Thomas dann auch angenommen hat. Puhhh! Das war ein hartes Stück Brot.

Thomas Lochte

Nun mussten Blitzpartien für eine Entscheidung sorgen. Hier wähnte ich mich leicht im Vorteil, da ich jeden Donnerstag mit IM Thomas Reich einen excellenten Sparringspartner habe und mein Blitz- und Schnellschachrepertoire bereits bei einem Schnellschachturnier in Wolfratshausen ziemlich erfolgreich testen konnte.

In der ersten Partie hatte ich die weißen Steine und verzettelte ich mich. Thomas hat einen hübschen Angriff gespielt und neben der Zeit, fehlten mir nach und nach auch meine Figuren. 0:1 für Thomas.

Mit Schwarz konnte ich dann aber das Ruder herumreisen und selbst für ordentliche Verwicklungen sorgen. Diesmal hatte ich auch mehr Zeit auf der Uhr und anschließend den vollen Punkt. 1:1.

In der dritten Partie konnte ich den Sack zu machen. Ein Endspiel mit Mehrmaterial sollte doch zu gewinnen sein. Wenn, ja wenn die Zeit nicht so unerbittlich nach unten laufen würde. Ich wickelte ins Remis ab und ließ es auf die nächste Partie ankommen. 1,5:1,5.

Thomas ging diesmal direkt aufs Ganze und ich wollte dem in Nichts nachstehen. Bereits nach wenigen Zügen stand ich mit dem Rücken zur Wand. Das passiert, wenn man zu schnell zu viel will. 1,5:2,5.

Mit Thomas Lochte hat der Dähne-Pokal einen würdigen Sieger gefunden. 🙂

Bis bald

Euer Benny

2. Runde B-Liga Nord – Unentschieden gegen Windach

Der Mannschaftskampf gegen Windach wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Skurrile Angebote vom Gegner, nervende Lautstärke von Gästen und starkes Spiel an den hinteren Brettern. Aber der Reihe nach.

Für unsere Heimspiele wollten wir ein neues Spiellokal ausprobieren, welches ich noch vor Meldeschluss beim Schachkreis ordnungsgemäß eingetragen habe. Leider wurde beim Schachkreis dieser Hinweis nicht beachtet und unser Spiellokal aus der letzten Saison eingetragen. So haben wir unsere Gegner am Schachcenter abgeholt und zur ~100 Meter entfernten Gaststätte gebracht. Mit leichter Verspätung starteten anschließend die Partien.

Obwohl der Wirt einen ruhigen Raum zusicherte, ließ er trotzdem seine üblichen Gäste an Nachbartischen auf ihren Restrausch vom letzten Abend, mit einem Bier anstoßen. Ziemlich ärgerlich! Hierbei muss ich allerdings erwähnen, dass bei unserem letzten Auswärtskampf in Gröbenzell weitaus größere Lautstärke in Form von stätigen Hämmern und lauter Musik vorhanden war. Wir hatten uns nicht beschwert.

Nach etwa einer halben Stunde hatte ich die Chance, mit dem Mannschaftsführer von Windach Siegfried Rothenhagen ein paar Worte zu wechseln. Ich bat hierbei um Entschuldigung für die Lautstärke an Nachbartischen und teilte ihm mit, dass das so nicht geplant war und wir wohl zukünftig wieder im Schachcenter spielen würden. Falls er darauf bestehen sollte, dass wir den Mannschaftskampf abbrechen, würde ich dem selbstverständlich nachkommen. Er teilte mir mit, dass das schon in Ordnung sei und sie selbst schon bei Heimkämpfen mit der Lautstärke Probleme hatten.

So ging der Mannschaftskampf zunächst für eine halbe Stunde weiter. Plötzlich kam Siegfried Rothenhagen nochmals auf mich zu und störte mich direkt am Brett. Er müsse unbedingt mit mir reden. Ich hielt die Uhr an und ging mit ihm Richtung Ausgang. Was nun folgte, könnte aus einem Monty Python Sketch stammen. Er teilte mir mit, dass wenn sein Gegner Ralf Ludwig kein Remis annehmen würde, er auf einen Abbruch des Mannschaftskampfes bestehen würde!

Ich teilte ihm mit, dass wir dann wohl abbrechen müssen, was er aber nun doch nicht so richtig wollte. Chaos pur! Ich teilte ihm mit, dass ich für solche Erpressungen der falsche Ansprechpartner bin und er das mit seinem Gegner klären solle. Ralf beugte sich schließlich dieser frechen Erpressung und nahm das Remis an. Der Mannschaftskampf ging weiter.

Ich selbst konnte nun keinen klaren Gedanken an Schach mehr fassen und strebte in vorteilhafter Stellung die Zugwiederholung an, was mein Gegner bereitwillig annahm. Mit zwei Remis an den Spitzenbrettern kam es nun auf unsere hinteren Bretter an. Andre hatte an Brett 4 seinen Gegner von Beginn an im Griff und überspielte ihn innerhalb von 25 Zügen. An Brett 3 verwaltete unser Spieler Kurt schon ziemlich früh einen Schrotthaufen und verschenkte fleißig Figuren, bis er am Ende Insolvenz ging.

Unser Brett 5 hat es leider nicht rechtzeitig zum Mannschaftskampf geschafft, weshalb es nun 3:2 für unseren Gegner stand. Sandy musste es an Brett 6 richten und obwohl dies erst ihr zweiter Einsatz in einem Mannschaftskampf war, spielte sie ihren Gegner ziemlich beeindruckend an die Wand.

Mit einem 3:3 fand dieser Mannschaftskampf dann auch ein Ergebnis, mit dem vor allem unser Gegner leben kann. Es gab Zeiten, da hätte ich für die Farce die am Brett 1 stattfand ein Fass aufgemacht. Mittlerweile sehe ich das aber etwas gelassener. Wir spielen mit Sicherheit auch mal wieder auswärts in Windach 😉

Die Ruhe vor dem Sturm…

Unser Sieg an Brett 6 wurde auch ordentlich gefeiert 🙂

Bis bald

Euer Benny