Schachtraining und Vereinsabend mit zahlreichen Gästen

Gut besucht war unser Vereins-Schachtraining auch am gestrigen Donnerstag. Neben unseren Vereinsmitgliedern, haben auch einige Gäste den Weg zu uns gefunden. Unter anderem war auch Dieter Koch vom SC Ammersee dabei, welcher meinen Ausführungen gespannt folgte und mit gutem Fachwissen glänzte. Als Thema habe ich „Schwache & starke Felder“ gewählt. Es handelt sich hierbei um die aktuellste Ausarbeitung meiner Schachstrategie-Trainings-Videoserie, welche bei YouTube unter folgendem Link zu finden ist: Schachstrategie – Videoserie

Das Thema „Schwache & starke Felder“ wird dort in den nächsten Tagen als Video #9 veröffentlicht.

Ebenfalls mit an Board war unser Mitglied IM Thomas „Ritschi“ Reich. Für mich als Schachtrainer ist es eine angenehme Herausforderung, wenn ein gestandener Internationaler Meister an meinem Training teilnimmt. Es ist schon beeindruckend, wie Ritschi in einigen doch recht komplizierten Stellungen blitzschnell das Wesen der Stellung erfasst. Er fand die Auswahl meiner Beispiele sehr gut und sogar für einen Spieler seiner Klasse interessant gewählt.

Frisch gefüllt mit neuem Wissen, gingen wir anschließend zu unserem Vereinsabend im „El Diablo“.

Schachtraining Topschach

Obwohl Thomas (links) eher Spezialist für GO ist, konnte er auch im Schach gut mithalten.

Gutes Essen und spannende Schachpartien sorgten für gute Unterhaltung. Ein beliebter Gegner ist IM Thomas Reich, welcher uns diesmal die „Fort Knox“-Variante im Franzosen mitgebracht hat. Eine interessante Variante, in welcher Weiß zwar besser steht, die schwarze Stellung aber keine Schwächen hat.

Fort Knox Variante Französisch

Hier noch einige Eindrücke in Bildform von dem schönen Schachabend:

IM Thomas Reich gegen Dieter Koch

Typisch Dieter – Schon nach wenigen Zügen sperrt er seinen Läufer auf f8 ein. IM Reich hat das ziemlich schnell bestraft. Im Training zeigte Dieter, dass er es eigentlich besser weiß.

Ralf Ludwig gegen Dieter Koch

Gegen Ralf spielte Dieter ein kleines Match. Vorausgegangen war hierfür eine schachliche Diskussion die ich mit Dieter vor einer Woche führte, in welcher er meinte, dass er Schach besser spielen würde als unser Ralf. 🙂 5 Blitzpartien sollten für Klarheit sorgen. Ralf gewann alle fünf, wobei es in zwei Partien etwas knapp war.

Vereinsabend Topschach

 

Schach mit Topschach

Schachfreunde Topschach Gilching

Irgendwann geht auch der tollste Schachabend zu Ende. Alle hatten ziemlich viel Spaß. Dieter war bei uns zum ersten Mal dabei und wunderte sich Anfangs noch, dass wir in der etwas lauteren Umgebung tatsächlich Schach spielen. Schnell merkte er aber, dass das nicht unbedingt stört. Es kann aber schon ein kleiner Kulturschock sein, wenn man die üblich tristen Vereinsabende anderer Vereine kennt und plötzlich an unserer Schach-Party teilnimmt. 🙂

Dieter wird auf jeden Fall wiederkommen. Er lobte die Art und Weise meines Trainings und auch das Spielen in unserem Lokal hat ihm sichtlich Spaß gemacht.

Nächsten Donnerstag geht’s weiter…..

Bis bald

Euer Benny

Update im Fall Marc Morgunov

Im Betrugsfall des FM Marc Morgunov wurden nun auch Beweisfotos des gefundenen Smartphones zur Verfügung gestellt. Dies zeigt nun eindeutig, dass mit diesem Smartphone betrogen wurde.

 

Der Screenshot auf dem Smartphone zeigt die Stellung nach dem 14.Zug von Schwarz in der Partie, welche Marc Morgunov in der 7. Runde gegen Dimitry  Tsoi gespielt hat:

Laut Aussagen der Schiedsrichter, hat man zunächst Beweisfotos gesichert und die Partie weiterlaufen lassen. Anschließend habe man abgewartet, wer während der Partie zu dem versteckten Smartphone ging. Am Ende hatte man genug Beweise. Marc Morgunov wurde klar überführt.

In den letzten anderthalb Jahren ist Marc Morgunovs Rating um fast 400 Punkte gestiegen – von 1947 auf 2337 ELO.

Gruß

Euer Benny

 

Schachtaktik zum Mittag #3 – Aus gegebenen Anlass

Die heutige Taktikaufgabe stammt aus der Partie zwischen Marc Morgunov und Georg Fröwis, welche ziemlich aktuell am 29.07.2018 bei der Wiener Staatsmeisterschaft gespielt wurde. Georg Fröwis ist seit 2011 ein gestandener IM mit viel Erfahrung am Brett. Ihm gegenüber saß der wegen Betrug(sverdacht) jüngst in die Schlagzeilen gekommene FM Marc Morgunov.  Aus gegebenen Anlass habe ich daher eine Vielzahl von Partien des Fidemeisters unter die Lupe genommen und bin zu interessanten Ergebnissen gekommen. Hier aber zunächst die hübsche Taktik, mit welcher Marc Morgunov die Partie für sich entscheiden konnte:

Weiß am Zug gewinnt!

Wer die Lösung nicht findet, kann die Partie am Ende des Artikels nachspielen. Kommen wir nun zu meiner Bewertung der gesamten Partie. Mit Stockfish 9 im Gepäck habe ich mich auf die Suche nach Fehlern gemacht. Während Georg Fröwis sein Spiel mit ein paar ungenauen Zügen ziemlich lange am Leben halten konnte, spielte Marc Morgunov ausschließlich die erste Wahl von Stockfish. Ich muss dazu sagen, dass die Eröffnungswahl nicht viel Raum für kreatives Spiel lässt und ein extrem starker Spieler hier die guten Zügen durchaus finden kann. Etwas stutzig machte mich aber die Tatsache, das es für Weiß in allen Stellungen überwiegend mehrere gleichwertig gute Züge zur Auswahl gab und immer die erste Wahl von Stockfish gezogen wurde.

Die Partie war über die gesamte Strecke inhaltlich sehr arm und gehaltlos. Es ist schon faszinierend, dass das taktische Auge von Marc Morgunov trotzdem im richtigen Moment dieses doch recht seltene taktische Motiv erkannt hat. Dies muss schon einige Züge vor dem Zug f2-f4 geschehen sein und wenn Schwarz den Bauern nicht en passant nimmt und einfach mit dem Bauern vorbeizieht, ist Einges an Rechenarbeit notwendig, um den vollen Punkt zu holen. Wie schwer es ist, dieses taktische Motiv selbst nach f2-f4 zu erkennen, sieht man daran, dass es selbst dieser wirklich starke IM Georg Fröwis nicht entdeckte.

Beim Betrachten weiterer Partien von Marc Morgunov stellt man fest, dass er in sehr vielen Partien praktisch fehlerlos spielt. Spielte er mal remis oder gar eine Verlustpartie, war die Qualität des Spiels bedeutend geringer. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man könnte es schon fast bedauern, dass er erwischt wurde. Selten waren die Chancen für einen österreichischen Schachspieler höher, in nächster Zukunft den Weltmeister herausfordern zu können. Außer Spesen nix gewesen.

Bis bald

Euer Benny

Jugend-Europameisterschaft in Riga und ein Österreicher auf Abwegen

Gespannt verfolge ich die Partien der Jugend-Europameisterschaft in Riga. Nicht selten bekommt man gerade von den jüngeren Spielern einige interessante Ideen in Eröffnungen geliefert, welche im Spitzenschach normal nie aufs Brett kommen. Überschattet wurde dieses tolle Event allerdings durch den Betrug(sversuch) eines 13 jährigen Spielers aus Österreich. Während der siebten Runde fand ein Schiedsrichter in der für die Spieler bereitgestellten sanitären Anlage ein Smartphone. Als Besitzer des Gerätes wurde der sehr junge Fidemeister Marc Morgunov ausgemacht.

Ich nehme an, dass die Schiedsrichter sich nach dem Fund auf die Lauer gelegt haben und abwarteten, welcher Spieler während der Partie auf die Toilette geht und nach dem Smartphone suchen wird. Als klar war, das der Besitzer des Corpus Delicti Marc Morgunov ist, lies man die Partie zwischen ihm und dem Fidemeister Tsoi Dmitry weiterlaufen. Recht bald einigten sich die Spieler auf ein Remis. Marc Morgunov wurde nun zusammen mit dem Delegationsleiter in den Schiedsrichterraum gebeten, um zu erklären, warum sein Smartphone auf der Toilette versteckt gewesen sei.

Die Erklärung von Marc Morgunov reichte dem Schiedsgericht wohl aus, um ihn in allen bisher gespielten Runden zu Nullen und, wohl in Absprache mit Bundesjugendtrainer Siegi Baumegger vom ÖSB, von der Meisterschaft auszuschließen. Der Fall wird an die ECU und an die FIDE für weitere Maßnahmen weitergeleitet.

Dieser Fall zeigt sehr gut, mit welcher Problematik wir und heutzutage im Schach beschäftigen müssen. Wobei ich sagen muss, dass es diese Art von Betrug auch schon zu Zeiten ohne Smartphone gab. Ich kann mich noch gut an einen befreundeten Schachspieler erinnern, der vor 12 Jahren während der Pfälzer Einzelmeisterschaft auf dem Gang zur Toilette einen Spickzettel aus der Hosentasche kramte, auf dem er alle möglichen Eröffnungen und Varianten standen. Viel geholfen hat es ihm offensichtlich nicht. Er hatte damals um die 1500-1600 DWZ und auch 12 Jahre später krebst er in diesem Bereich noch herum.

Es ist einfach so, dass es eine gewisse Klientel von Schachspielern gibt, welche Schach aus falschem Anreiz spielt. Das Thema EGO-Zahl hatte ich ja in einem anderen Artikel bereits angeschnitten. Diesen Spielern geht es in erster Linie einfach um Anerkennung und das um jeden Preis. Es ist nicht die Freude am Schachspiel, dass diese Menschen antreibt, sondern die Zahl, welche eine Spielstärke ausdrückt.

Als Trainer treffe ich leider zu häufig auf Schachspieler, die nur die ELO-Zahl im Blick haben. Mit möglichst wenig Training in absolut kurzer Zeit eine hohe ELO. Nicht umsonst sind so Bücher die im Titel „The easy way…“ tragen absolute Bestseller. Man könnte schon fast Mitleid mit diesen Schachspielern haben, welche wohl niemals die Freiheit, das Kreative und die Schönheit des Schachspiels genießen werden.

Wer im Schach betrügt, begibt sich in einen Teufelskreis. Sich eine hohe ELO-Zahl zu ergaunern bedeutet automatisch, dass man auch in Zukunft betrügen muss. Die Zahl will man ja halten/verbessern. Ist man mal an dem Punkt angelangt, an dem die Zahl nicht mal mehr annähernd etwas mit der echten Spielstärke zu tun hat, gibt es praktisch nur noch einen Ausweg > Man wird erwischt. Mit einer Spielstärke im Schnell- und Blitzschach von ~2050 ELO hat sich Marc Morgnunov im Standard-Schach (Langschach) sogar schon eine IM Norm sichern können.

Gut,- Blitzen und Schnellschach sind nicht jedermanns Sache, aber eine Diskrepanz von 300-400 ELO-Punkten ist schon gewaltig.

Wie kann es dazu kommen, dass ein 13 Jähriger zu unerlaubten Mitteln greift? Hier kann man nur spekulieren, aber wenn ich mir die Berichte im Internet über Marc Morgnunov durchlese, finde ich eine Vielzahl von Anerkennungen. Bester U10 Spieler, Siebzehnter in der Weltrangliste seines Jahrgangs, usw.. Der Junge wurde schon in frühester Kindheit für sein Schachtalent in den Himmel gehoben. Jeder seiner Erfolge wurde durch den nächsten Erfolg getoppt. Als Kind und Jugendlicher kann man hierbei sehr schnell den Boden unter den Füßen verlieren. Erfolg macht glücklich!

Der Veranstalter der Jugend-Europameisterschaft in Riga hat die Veranstaltung nach höchsten Standards gegen Betrugsversuche abgesichert. Neben Sicherheitskontrollen beim Betreten des Spielbereichs wurden unter anderem auch Handy-Ortungsgeräte eingesetzt, welche Ausschlagen, wenn ein Handy/Smartphone Signale von sich gibt. Unter welchem Druck muss der Junge gestanden haben, dass er dieses Risiko eingegangen ist?

So sehr man Betrüger im Schach auch hasst, darf man die menschliche Komponente nicht vergessen. Der Junge durchläuft mit seinen gerade mal 13 Jahren den wohl tiefsten Fall, den man sich vorstellen kann. Schachfreunde, welche zu ihm aufgesehen haben, sehen ihn nun mit anderen Augen und wenden sich vielleicht komplett von ihm ab. In den Medien (wie auch hier) wird über den Fall berichtet. Das Internet vergisst nichts! Zudem droht auch von Seiten der FIDE eine empfindliche Strafe. In vergleichbaren Fällen wurden jahrelange Sperren und auch schon lebenslange Sperren verhängt. Auch die Aberkennung von Titeln gab es schon. Strafmildernd könnte aber sein Alter sein.

Ich kann nur an die Vernunft eines jeden Schachspielers appellieren. Spielt Schach, weil ihr Spaß am Schach habt. Ein Magnus Carlsen freut sich mit seinen 28xx ELO nicht mehr über einen Sieg, als ein Sonntagsspieler mit seinen 15xx ELO. Niederlagen sind ärgerlich, aber jede Niederlage ist lehrreicher, als jede gewonnene Partie die ihr in eurem Leben gespielt habt. Im Schach gibt es viel mehr zu entdecken, als die aktuelle ELO-Liste. Befreit euch von dem Zwang alles und immer gewinnen zu müssen. Lasst euch von eurem Umfeld nicht als Siegertypen feiern, sondern als Mensch.

In diesem Sinne

Euer Benny

Hier noch die offizielle Erklärung zum Geschehen als YouTube-Video vom Veranstalter:

 

Der erste Mannschaftskampf unserer zweiten Saison startet am 18.11.2018

Am 18.11.2018 ziehen unsere Gladiatoren zum ersten Mannschaftskampf in unserer zweiten Saison. Mit Gröbenzell IV als Gastgeber, haben wir gleich zu Anfang einen dicken Brocken zu meistern. Vergleicht man den Spielplan mit dem der letzten Saison, fallen ein paar Dinge auf. Gauting II hat in die B-Klasse Süd gewechselt, was zu einer ungeraden Teilnehmerzahl führt. Damit erhält jede Mannschaft in den 7 Runden ein Freilos. Gespielt werden somit nur 6 Runden.

Etwas seltsam finde ich auch die Tatsache, dass bei der Losung des Gastgebers die vorherige Saison nicht berücksichtigt wird. So haben wir nach der Saison 2017/2018 ein weiteres Mal einen Auswärtskampf in Gröbenzell. Gerne hätten wir die Gröbenzeller auch mal zu uns eingeladen.

Unsere Jungs und Mädels sind auf jeden Fall hoch motiviert und freuen sich schon, endlich wieder in der Liga zu spielen. Uns erwarten allerdings gerade an den hinteren Brettern starke Gegner und genau hier werden wir es nicht leicht haben. Bis zur ersten Runde ist aber noch etwas Zeit und der ein oder andere sollte diese nutzen, um beim Training eine Schippe draufzulegen.

Bis bald

Euer Benny

Spielplan B-Klasse Nord 2018

Schach-Taktik zum Wochenende #1

Hier mal wieder eine nette Schach-Taktik-Aufgabe, mit welcher ich das Wochenende begrüße:

Korobov (2664) – Mithil (2318)
25th Abu Dhabi Open (1), 07.08.2018

Weiß am Zug gewinnt!

Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura – Das Millionen Dollar Lächeln

Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura gehören zur Weltspitze im Schach. Als Otto-Normal-Schachspieler will man natürlich seinen Idolen nacheifern. Nicht selten sieht man bei Turnieren irgendwelche 1500 DWZler, welche in einer Turnierpartie nach ein paar Zügen schwungvoll ihre Armbanduhr abstreifen und neben das Schachbrett legen. Genau so, wie es schon Kasparov unzählige Male machte. Hübsch abgeschaut. 🙂

Kasparov Uhr

Dann gibt es natürlich noch die nachträgliche schnelle Analyse am Brett. Auch hier wird gerne abgeschaut und das besonders bei Anand. Augen etwas kritisch zusammenkneifen und auf einen leeren Punkt im Raum schauen, Kinn etwas nach oben und mit kurzen Handbewegungen etwas unterhalb des Kinns mit den Händen Züge andeuten.

Schachspieler machen alles, um ihren Idolen so Nahe wie möglich zu kommen. Für alle die wirklich dazugehören wollen, habe ich etwas Besonderes gefunden. Das Millionen Dollar Lächeln. Macht es wie die Super-GMs! Macht es wie der Weltmeister! 😀

Carlsen Million Dollar Smile

Nakamura Millionen Dollar Smile

Wenn ihr also bei eurem nächsten Turnier euren Gegner mit diesem Lächeln begrüßt und ihn anschließend nach ein paar Zügen mit dem Uhr zur Seite legen beeindruckt habt, sollte euer anschließender Sieg mit einer Post-mortem-Analyse im Anand-Style gefeiert werden. 😛

Bis bald

Euer Benny

Schachtraining mit IM Thomas Reich

Mit IM Thomas Reich laufen die Vorbereitungen für den Saisonstart richtig gut. Gerade in Eröffnungsfragen kommt bei jedem von uns immer mit einer guten Idee um die Ecke. Gerade die Eröffnungsbehandlung war bei vielen in unserem Team noch eine Baustelle. Zu oft mussten sich einige Spieler von Anfang an durch schlechte Stellungen quälen. Die Zeit zwischen den Saisons blieb aber nicht ungenutzt und nun hat fast jeder unserer Spieler sein kleines aber feines Eröffnungsrepertoire.

IM Thomas Reich Schachtraining

Heiße Stellung und kaltes Eis

Wieder einmal ging es bei Ralf um die Festigung des Budapester Gambits. Einige Varianten haben wir mittlerweile bis zum 25. Zug komplett analysiert. Kein Wunder, dass unser Ralf vor einiger Zeit damit auch Fidemeister Bernd Salvermoser beim Schnellschach einen Punkt abknöpfen konnte. Ritschi hatte seine Analysen im Gepäck und konnte uns wertvolle Tipps geben.

IM Thomas Reich Schachtraining

In einigen Testpartien konnte Ralf sehr gut mithalten und das neu erlernte Wissen direkt in der Praxis prüfen.

IM Thomas Reich Schachtraining

So ging der Abend wieder viel zu schnell vorbei. Für die kommende Saison haben wir uns viel vorgenommen. Bis November ist allerdings noch etwas Zeit, welche die meisten von uns auch tatkräftig nutzen werden. Wenn wir diesen Spaß am Schach und diese Motivation beibehalten, können wir in den Mannschaftskämpfen mit etwas Glück auch den ein oder anderen Erfolg verbuchen. Eines ist aber sicher! Leicht werden wir es unseren Gegner nicht machen. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Schachtraining – Wer steht besser?

Neben unseren Jungs und Mädels im Verein, welche ausschließlich Freizeit-Schach spielen, trainiere ich auch ambitionierte Schachspieler, welche sich ins Training wirklich reinknien. Um zu testen, wie weit ein Schüler bereits ist, zeige ich im Training gerne folgende Stellung:

Schwarz ist am Zug. Um sich einen Überblick zu verschaffen, gebe ich meinen Schülern 10 Minuten, um anschließend mitzuteilen, welche Seite wohl besser steht.

So gut wie alle Schüler sind bei Ansicht der Stellung der Meinung, dass Weiß besser steht und Schwarz Probleme hat und jeder ist der Meinung, dass Schwarz im besten Fall nicht mehr als Ausgleich hat.

Weiß hat Entwicklungsvorsprung und verfügt offensichtlich über mehr Raum. Gleichzeitig droht er, mit dem Springer den ungedeckten Bauern auf c6 zu nehmen, das die Auswahl der Züge von Schwarz einschränkt. On-Top hat Weiß auch noch die bessere Bauernstruktur.

Auf der Plus-Seite von Schwarz könnte man das Läuferpaar nennen, welches allerdings ziemlich inaktiv ist. Es ist schon ziemlich schwer, an der schwarzen Stellung Gefallen zu finden.

Ich muss zugeben, dass diese Stellung eine harte Nuss ist. Schachspielern läuft es nicht ohne Grund zuwider, sich vom Läuferpaar zu trennen und im vorliegenden Fall würde Weiß auch noch einen gedeckten Freibauern erhalten. Wer sich allerdings intensiv mit den Blockade-Fähigkeiten eines Springers beschäftigt hat, wird die Lösung finden.

1…Lxe5!

Eine tolle Sache! Da muss man schon Einiges an Selbsthass besitzen, um diesen Zug auszuführen. Schließlich gibt Schwarz das Läuferpaar auf und schenkt dem Weißen einen gedeckten Freibauern. Man kann dieses Vorgehen entweder als ziemlich tiefsinnig oder einfach nur dumm bezeichnen.

Ein Zug wie 1…De8 würde zwar das Läuferpaar behalten und den Bauern auf c6 decken, jedoch kommt Weiß anschließend nach 2.Sac4 Le7 3.Te2 gefolgt von Tae1 in Vorteil, indem er die Schwächen auf der e-Linie ausnutzt. 3.Sf3 ist auch ziemlich gut.

2.dxe5

Der Zug 2.fxe5 scheitert an 2…f4 3.Lf2 f3 mit Angriff für Schwarz.

2…c5

Ein ziemlich logischer Zug, da er dem Weißen das Feld d4 verwehrt und gleichzeitig dem verbliebenen schwarzen Läufer gute Aussichten auf dem Feld b7 beschert. 2…g5 ist eine interessante Alternative, um die g-Linie zu öffnen. Allerdings muss Schwarz hier nichts übereilen und zunächst den Läufer auf b7 platzieren. Wie ich auch meiner DVD „Die Russische Schachschule“ bereits vermittelt habe, wäre ein Turm auf der offenen g-Linie gepaart mit einem Läufer auf b7 und der offenen Diagonalen ein tödliches Gespann.

Man beachte diesen wunderschönen Blockadespringer auf e6!

Schauen wir uns nun die vorliegende Stellung an, kommen wir zu folgendem Schluß:

Die e-Linie war ein Schlüsselfaktor des weißen Angriffs und ist nun geschlossen. Die Bauern von Weiß stehen auf der selben Feldfarbe wie der weiße Läufer und grenzen ihn hiermit in der Bewegungsfreiheit ein. Zieht der schwarze Läufer nun auf b7, steht es wohl außer Frage, dass dieser Läufer seinem Gegenstück auf e3 weit überlegen ist. All das sollte dazu führen, dass wir die schwarze Stellung auf einmal recht ansprechend finden. Aber halt! Haben wir da nicht den gedeckten Freibauern von Weiß vergessen? Mitnichten! Dieser Bauer steht auf der e-Linie und wird von dem Springer auf e6 sicher blockiert. Dieser Springer wirkt auch ziemlich zielsicher auf die Felder c5, d4, f4 und g5. Genau dieser Springer wäre ohne den Bauern auf e5 recht labil. So aber wird er sehr gut vom gegnerischen Bauern geschützt 🙂

durch den letzten Zug von Schwarz (2…c5) hat Weiß keinerlei Einbruchsfelder und nicht den Hauch eines Angriffsziels. Ein Bauerndurchbruch steht dem Weißen ebenfalls nicht zur Verfügung. Die schwarzen Figuren sind aktiver als die weißen Figuren und es ist Schwarz, der einen Angriff und Durchbruch mittels g7-g5 einleiten kann.

3.Tad1

Türme gehören ja bekanntlich auf offene Linien. Weiß begnügt sich damit, die einfachen Regeln zu befolgen. Er wird allerdings bald feststellen, dass diese d-Linie eine Straße ist, welche ins Nichts führt.

3…De8

Bringt die Dame in Sicherheit. De7 oder Dh4 sind ebenfalls ganz gut. Hier hatte Schwarz die freie Wahl 🙂

4.Sc4

An dieser Stelle hat Schwarz nun die Wahl zwischen dem Läuferzug nach b7 nebst g7-g5 und dem sofortigen g7-g5 wonach fxg5 mit f4 beantwortet wird und der schwarze Angriff läuft. Beide Möglichkeiten haben ihre Berechtigung. Alle schwarzen Figuren fühlen sich pudelwohl und leiten einen koordinierten Angriff ein.

Es ist schon bemerkenswert, wie man mit wenigen Zügen auf dem Brett die Meinungen seiner Schüler umlenken kann. Angewendet in der Praxis kann dies ziemlich erheiternd sein. Ich erinnere mich sehr gut an meine Partien die ich gegen Klaus Gschwendtner (Um die 2100 DWZ) gespielt und einige davon gewonnen habe und er nach manchen Partien die Welt nicht mehr verstanden hat. Zitat von Klaus: „Das kann doch nicht sein! Ich stehe die ganze Zeit einfach nur gut und wie aus dem Nichts stehe ich schlecht!„.

Wir alle bewerten Stellungen immer nach unseren Erfahrungswerten. Ein Blick reicht und wir finden die Ausgangsstellung (oben) ziemlich gut für Weiß. Wir haben auch die ganzen positiven Aspekte von Weiß in der Ausgangsstellung aufgeführt. Ich bin mir auch sehr sicher, dass wir gegen mittelmäßige Vereinsspieler diese Stellung mit Weiß gewinnen würden, da sich der mittelmäßige Spieler grundsätzlich dagegen wehrt, sein Läuferpaar aufzugeben und hier sogar noch einen gedeckten Freibauern zuzulassen.

Wenn wir im Schach besser werden möchten, müssen wir uns von diesem Mittelmaß befreien und unser Wissen mit den richtigen Motiven ausbauen. In der vorliegenden Stellung ist es unter anderem die richtige Bewertung eines Blockade-Springers.

Ich hoffe, dass dieser kleine Einblick mein Schachtraining Lust auf mehr gemacht hat. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Train the Trainer Seminar mit IM Roman Vidonyak und GM Josif Dorfman

Zwischen Juli und August fand in München die Train the Trainer Fortbildung mit IM Roman Vidonyak und GM Josif Dorfman statt. Als B-Trainer des DSB habe ich mir natürlich nicht die Chance entgehen lassen und bin der Einladung gefolgt. Mit einer Koryphäe wie GM Josif Dorfman, welcher sogar Trainer von keinem Geringeren als Garry Kasparov war, hat man es schließlich nicht jeden Tag zu tun.

Ganz nebenbei konnte ich mit diesem Seminar auch meine B-Trainer-Lizenz verlängern. Hierzu muss man alle Jahre eine entsprechende Fortbildung absolvieren.

IM Roman Vidonyak führte mit gewohnter Routine durch den Lehrgang und gab allen Teilnehmern wertvolle Tipps fürs Schachtraining. Manchem Teilnehmer war allerdings die Zielsetzung des Kurses offensichtlich nicht klar. So wurde ein paarmal gequengelt, dass Roman doch mehr praktische Übungs-Beispiele zum Grübeln zeigen solle.

Meiner Meinung nach fand Roman eine gute Mischung aus praktischem Training und nützlichem Aufbau von Trainings-Stunden. Ganz im Fokus war hier die Schachmethode von Josif Dorfmann. Diese wurde im Detail erklärt und wurde von allen Teilnehmern dankbar angenommen.

Roman Vidonyak

Einen Tag vor Abschluss des Seminars stieß dann auch der Stargast GM Josif Dorfman in unsere Runde. Hier wurde das bereits Gelernte abgefragt und anhand von beliebigen Stellungen zeigte Dorfman anhand seiner Schachmethode, wie die einzelnen Stellungen zu bewerten sind.

Etwas irritierend fand ich, dass Dorfman zu Beginn sagte, dass diese ganzen Computerbewertungen einen Schachspieler nicht voran bringen, da Computer nicht in der Lage sind, Stellungen verbal und methodisch zu erklären. Hier hat er natürlich absolut recht. Problematisch fand ich aber, dass während dem Besprechen von einzelnen Stellungen dann doch noch eine Engine hinzugeschalten wurde und sowohl Dorfman, als auch Vidonyak um die Wette schätzten, wie denn wohl die Bewertung der Engine ausfallen würde. Hier griff Roman auf die Chessbase-Engine-Cloud zu, in welcher Privatpersonen gegen Entgelt Engines auf High-End-Hardware bereitstellen.

Josif Dorfman

Romans Favorit war die neuste Stockfish-Engine, welche auf 42 Kernen ihren Dienst verrichtete. Anmerken muss ich hierbei, dass sowohl Roman und auch Josif dem Irrglauben unterliegen, dass es sich hierbei um einen Computer mit 42 Prozessoren handelt. 🙂 Aber 42 Kerne ist ja auch schon eine ordentliche Menge Holz. Eine weitere, von mir nicht geteilte Meinung von Roman und Josif ist, dass eine Stellung von einer Engine mindestens 30 bis 35 Halbzüge Tief berechnet werden muss, um eine halbwegs gute Stellungsbewertung in Bauerneinheiten zu erhalten.

Ich habe zu diesem Irrglauben bereits einige Abhandlungen geschrieben und möchte diesen kalten Kaffee nicht unbedingt erneut aufwärmen. Fakt ist einfach, dass Engines es bei der Anzeige der Suchtiefe nicht immer sehr genau nehmen. Bestes Beispiel ist die Engine Rybka, welche die echte Suchtiefe absichtlich verschleiert und eine viel geringere Suchtiefe anzeigt, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Gleichzeitig ist es auch nicht so, dass eine hohe Suchtiefe bessere Ergebnisse anzeigt. Bereits im Suchtiefenbereich von ~20 Halbzügen legt sich eine Engine ziemlich schnell fest mit der Stellungsbewertung. Eine drastische Veränderung wird man bei Suchtiefe 30 in der Praxis so gut wie nie finden. Deswegen sind Suchtiefen im 20er-Bereich mit Stockfish vollkommen ausreichend um eine zuverlässige Stellungsbewertung zu erhalten.

Dorfman konnte die unterschiedlichen Stellungen recht gut einschätzen und fand auch immer passende Fortsetzungen. War die Engine mal nicht seiner Meinung, lag es laut Roman und Josif daran, dass die Engine offenbar nicht tief genug gerechnet hat. 😉

Allerdings muss ich auch sagen, dass die Fortsetzungen die Dorfman wählte immer ziemlich gut waren. Hier konnte man sehr schön sehen, dass dieser Großmeister ein absolut faszinierendes Stellungsverständnis besitzt. Es gab allerdings auch ein paar Aussetzer. In einer Partie, welche ich vor einigen Monaten gegen den starken Spieler Sven Szaleva mit den weißen Steinen spielte, kam es zu folgender Stellung:

Hier sah Dorfman den Schwarzen klar im Vorteil und zeigte Varianten, in welchen Weiß direkt die große Rochade ausführte. Richtig angetan war er von der weißen (meiner) Stellung nicht. Eher beiläufig merkte er an, dass ihm der Bauer auf g4 recht komisch vorkommt. Hier zeigte sich wieder einmal sein geniales Stellungsverständnis. Er wusste nicht, dass ich mit Weiß einen Londoner gegen Sven spielte und genau dieser Bauernzug nach g4 passte nicht ganz so zur gespielten Eröffnungs-Variante. Ich selbst fand meine Stellung nicht übel und auch der Bauer auf g4 machte mir keine Sorgen. Ich konnte einige Züge später diese Stellung in ein gewonnenes Leichtfiguren-Endspiel abwickeln, aber mit nur noch ein paar Minuten auf der Uhr war die Gewinnführung nicht ganz so trivial, weshalb ich Sven Remis angeboten habe, was er auch dankend annahm.

Aber zurück zu Dorfman. Nachdem er sich also für einen schwarzen Vorteil in Höhe von etwa -0,8 Bauereinheiten entschieden hat, wurde die Engine angeworfen. Diese zeigte tatsächlich eine Bewertung von 0.02Bauerneinheiten an. Natürlich lag das an der geringen Suchtiefe, aber mit jedem Halbzug mehr Suchtiefe änderte sich nichts an der Bewertung. Recht witzig war, dass die Engine nicht dem Pfad von Dorfman folgte und die lange Rochade ausführte, sondern sich für meinen Partiezug Lg3 entschieden hat. Auch die nächsten Partiezüge von Weiß waren die erste Wahl der Stockfish-Engine. Hier meinte Dorfman, dass Weiß wohl schon vor dieser Stellung einen Fehler gemacht hat, dass so ein Zug wie Läufer g3 notwendig ist und die Engine diesen vorschlägt.

Dorfmans Klasse ist unbestritten, jedoch habe ich sowohl in meiner gezeigten Stellung, als auch in einigen anderen Stellungen die Objektivität vermisst. Sobald sich Dorfman für eine Seite (Schwarz oder Weiß) festgelegt hat, wurden nur noch die Vorteile dieser Seite ins Auge gefasst. Eventuelle Chancen der anderen Seite wurden nicht im Ansatz in Betracht gezogen. Diese Unausgewogenheit in der Stellungsbewertung könnte man nun Ignoranz nennen, aber ich denke das Dorfman einfach viel mehr aus einer Stellung lesen kann als ich es jemals können werde und er einfach mehr praktische Chancen für Schwarz gesehen hat als Stockfish und ich.

Josif Dorfman

Mit einem Seitenhieb ging es dann auch schon direkt zur nächsten Stellung, welche laut Dorfman viel interessanter sei, als die Vorherige (meine Stellung). Ganz in seinem Element prüfte Dorfman die Stellungsmerkmale anhand seiner Schachmethode und zeigte ziemlich interessante Varianten. Nach etwa 10 Minuten machte dann allerdings ein Teilnehmer darauf aufmerksam, dass man auf eine Bewertung der gezeigten Stellung nach der Schachmethode verzichten kann, da Weiß forciert 4 Bauern für eine Figur gewinnen kann. Nun fiel es auch Dorfman sofort auf, womit das Analysieren von beliebigen Stellungen auch direkt ein Ende fand. Soviel also zu der wesentlich interessanteren Stellung. 😉

Bevor ein falscher Eindruck entsteht, möchte ich an dieser Stelle sagen, dass Dorfman ein absoluter Spitzentrainer ist, welcher die meisterhafte Gabe hat, Stellungen zu verstehen. Mit seiner Schachmethode versucht er sein Stellungsverständnis greifbar zu machen und das gelingt ihm auch wirklich gut. Ein Manko ist aber meiner Meinung, dass er seiner Schachmethode zu dogmatisch folgt und praktisch immer versucht, beliebige Stellungen in den Rahmen seiner Schachmethode hinein zu pressen. Zwar gelingt im das immer sehr gut, jedoch wirken die Erklärungen manchmal sehr gekünstelt und passend gemacht. Für einen Schüler der diese Schachmethode lernen will ist es hierbei schon sehr schwere Kost, die viel Zeit zum Verdauen braucht. Unser GM Niclas Huschenbeth hatte im letzten Jahr ebenfalls das Vergnügen, an einem Seminar mit Dorfman teilzunehmen. Er fand die Ansätze der Dorfman-Schachmethode interessant und erhellend, aber so richtig überzeugt wirkte er auf mich nicht.

Ich bin mir sicher, dass das Lernen dieser Schachmethode nur dann funktioniert, wenn man sich von allen Vorurteilen und Zweifeln befreit. Man muss die Schachmethode so nehmen wie sie ist und sollte der Versuchung widerstehen, irgendetwas in dieser Methode in Frage zu stellen. Hier muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass dieser Josif Dorfman mit der Weltklasse gearbeitet hat und durch sein Training unglaublich viele Talente groß geworden sind.

Beim Seminar ging es weiter mit gemütlicher Plauderei. Hier erzählte Dorfman interessantes Insiderwissen und lustige Anekdoten. Beispielsweise gab er einen kleinen Einblick, wie GM Boris Gelfand analysiert. Dorfman verabredete sich mal mit ihm, weil er Gelfand eine interessante Idee in einer Eröffnung zeigen wollte. Er freute sich schon, mit Gelfand die Idee zu analysieren und klopfte an seine Tür im Hotel. Gelfand machte auf, gab die Variante in seinen Computer ein und sagte zu Dorfman, dass sie jetzt beide gemütlich Essen gehen werden, anschließend noch etwas spazieren gehen werden er danach einen Blick auf das Ergebnis der Engineanalyse werfen wird. Diese Art der Zusammenarbeit empfand Dorfman gelinde gesagt als ziemlich langweilig.

In höchsten Tönen sprach Dorfman aber über Kasparov. Dieser sprudelte in beim Analysen nur so vor kreativen Ideen und Varianten.

Unschön wurde es, als Dorfman über Kramnik sprach und dabei erwähnte, dass dieser auch mal gerne Trainer unbezahlt ließ.

Mit all den Geschichten könnte man locker eine Seifenoper bis zur zehnten Staffel füllen. Auf die Frage, wer seiner Meinung nach den WM-Kampf zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana gewinnen wird, sagte Dorfman, dass dies ganz klar Carlsen sei. Dieser habe einfach die größte Begabung. Dorfman machte dies auch anhand eines Beispiels deutlich.

Beim Blitzen und beim Schnellschach zählt die Intuition und die Begabung eine besondere Rolle. Hier sieht man am besten, wer eine Stellung rein intuitiv besser und schneller erfassen kann. Carlsen ist hier ein absolutes Ausnahmetalent. Während Carlsen das Wesen einer Stellung sofort erfassen kann, brauchen andere Großmeister einfach länger. Zwar kommt Caruana am Ende zur selben Erkenntnis wie Carlsen, aber es dauert bei ihm einfach länger. Anand war ebenfalls ein absolutes Ausnahmetalent. Genau das ist auch der Grund, warum Topalov um jeden Preis bei der damaligen WM dem Tiebreak aus dem Weg gehen wollte und auch Karjakin gegen Carlsen im Tiebreak eingegangen ist.

Wie soll Caruana in London frei aufspielen, wenn er weiß, dass er im Tiebreak gegen Carlsen keine Chance hat? Beim aktuellen Sinquefield Cup 2018 wurde unter anderem Nakamura gefragt, was Caruana machen muss, um Weltmeister zu werden. Nakamuras direkte Antwort: „Er muss wie ein Computer spielen.

Nachdem Dorfman uns allen sowohl schachlich, als auch hinter der Bühne einen guten Einblick in die Schachwelt gegeben hat, war dieser Seminartag schneller vorbei, als einige von uns es sich gewünscht hatten.

Anmerken möchte ich noch, dass es natürlich auch zwei Bücher von Dorfman gibt, in welchen er seine Schachmethode dem interessierten Publikum aufzeigen möchte. Dies allerdings mit einer solchen Unverständlichkeit, dass das Durcharbeiten schon ordentlich anstrengt. Hier sind die beiden Bücher von Aagaard (Angriffslektionen 1 und Angriffslektionen 2) wesentlich lockerer geschrieben und wesentlich verständlicher. Auch wenn Aagaard nicht direkt auf Dorfman hinweist, merkt man beim Lesen ziemlich schnell, dass die Bücher von Dorfman als Vorlage dienten.

Es folgte noch ein weiterer Tag mit IM Roman Vidonyak, in welchem nochmals gutes Trainingsmaterial gezeigt und vermittelt wurde.

Alle Teilnehmer gingen anschließend wieder zufrieden ihrer Wege. Manch einer hatte mit Hamburg als Heimatort noch eine lange Reise vor sich, aber jeder war der Meinung, dass sich dieses Seminar absolut gelohnt hat.

Für mich war dieses Seminar absolut erfrischend, auch wenn sich der Inhalt zum größten Teil auf das Training im Spitzenschach bezog. Wenn ich hierbei auf meine Jungs und Mädels im Schachcenter blicke, muss ich schmunzeln.

Bis zum nächsten Mal

Euer Benny