Schach-Taktik zum Wochenende #1

Hier mal wieder eine nette Schach-Taktik-Aufgabe, mit welcher ich das Wochenende begrüße:

Korobov (2664) – Mithil (2318)
25th Abu Dhabi Open (1), 07.08.2018

Weiß am Zug gewinnt!

Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura – Das Millionen Dollar Lächeln

Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura gehören zur Weltspitze im Schach. Als Otto-Normal-Schachspieler will man natürlich seinen Idolen nacheifern. Nicht selten sieht man bei Turnieren irgendwelche 1500 DWZler, welche in einer Turnierpartie nach ein paar Zügen schwungvoll ihre Armbanduhr abstreifen und neben das Schachbrett legen. Genau so, wie es schon Kasparov unzählige Male machte. Hübsch abgeschaut. 🙂

Kasparov Uhr

Dann gibt es natürlich noch die nachträgliche schnelle Analyse am Brett. Auch hier wird gerne abgeschaut und das besonders bei Anand. Augen etwas kritisch zusammenkneifen und auf einen leeren Punkt im Raum schauen, Kinn etwas nach oben und mit kurzen Handbewegungen etwas unterhalb des Kinns mit den Händen Züge andeuten.

Schachspieler machen alles, um ihren Idolen so Nahe wie möglich zu kommen. Für alle die wirklich dazugehören wollen, habe ich etwas Besonderes gefunden. Das Millionen Dollar Lächeln. Macht es wie die Super-GMs! Macht es wie der Weltmeister! 😀

Carlsen Million Dollar Smile

Nakamura Millionen Dollar Smile

Wenn ihr also bei eurem nächsten Turnier euren Gegner mit diesem Lächeln begrüßt und ihn anschließend nach ein paar Zügen mit dem Uhr zur Seite legen beeindruckt habt, sollte euer anschließender Sieg mit einer Post-mortem-Analyse im Anand-Style gefeiert werden. 😛

Bis bald

Euer Benny

Schachtraining mit IM Thomas Reich

Mit IM Thomas Reich laufen die Vorbereitungen für den Saisonstart richtig gut. Gerade in Eröffnungsfragen kommt bei jedem von uns immer mit einer guten Idee um die Ecke. Gerade die Eröffnungsbehandlung war bei vielen in unserem Team noch eine Baustelle. Zu oft mussten sich einige Spieler von Anfang an durch schlechte Stellungen quälen. Die Zeit zwischen den Saisons blieb aber nicht ungenutzt und nun hat fast jeder unserer Spieler sein kleines aber feines Eröffnungsrepertoire.

IM Thomas Reich Schachtraining

Heiße Stellung und kaltes Eis

Wieder einmal ging es bei Ralf um die Festigung des Budapester Gambits. Einige Varianten haben wir mittlerweile bis zum 25. Zug komplett analysiert. Kein Wunder, dass unser Ralf vor einiger Zeit damit auch Fidemeister Bernd Salvermoser beim Schnellschach einen Punkt abknöpfen konnte. Ritschi hatte seine Analysen im Gepäck und konnte uns wertvolle Tipps geben.

IM Thomas Reich Schachtraining

In einigen Testpartien konnte Ralf sehr gut mithalten und das neu erlernte Wissen direkt in der Praxis prüfen.

IM Thomas Reich Schachtraining

So ging der Abend wieder viel zu schnell vorbei. Für die kommende Saison haben wir uns viel vorgenommen. Bis November ist allerdings noch etwas Zeit, welche die meisten von uns auch tatkräftig nutzen werden. Wenn wir diesen Spaß am Schach und diese Motivation beibehalten, können wir in den Mannschaftskämpfen mit etwas Glück auch den ein oder anderen Erfolg verbuchen. Eines ist aber sicher! Leicht werden wir es unseren Gegner nicht machen. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Schachtraining – Wer steht besser?

Neben unseren Jungs und Mädels im Verein, welche ausschließlich Freizeit-Schach spielen, trainiere ich auch ambitionierte Schachspieler, welche sich ins Training wirklich reinknien. Um zu testen, wie weit ein Schüler bereits ist, zeige ich im Training gerne folgende Stellung:

Schwarz ist am Zug. Um sich einen Überblick zu verschaffen, gebe ich meinen Schülern 10 Minuten, um anschließend mitzuteilen, welche Seite wohl besser steht.

So gut wie alle Schüler sind bei Ansicht der Stellung der Meinung, dass Weiß besser steht und Schwarz Probleme hat und jeder ist der Meinung, dass Schwarz im besten Fall nicht mehr als Ausgleich hat.

Weiß hat Entwicklungsvorsprung und verfügt offensichtlich über mehr Raum. Gleichzeitig droht er, mit dem Springer den ungedeckten Bauern auf c6 zu nehmen, das die Auswahl der Züge von Schwarz einschränkt. On-Top hat Weiß auch noch die bessere Bauernstruktur.

Auf der Plus-Seite von Schwarz könnte man das Läuferpaar nennen, welches allerdings ziemlich inaktiv ist. Es ist schon ziemlich schwer, an der schwarzen Stellung Gefallen zu finden.

Ich muss zugeben, dass diese Stellung eine harte Nuss ist. Schachspielern läuft es nicht ohne Grund zuwider, sich vom Läuferpaar zu trennen und im vorliegenden Fall würde Weiß auch noch einen gedeckten Freibauern erhalten. Wer sich allerdings intensiv mit den Blockade-Fähigkeiten eines Springers beschäftigt hat, wird die Lösung finden.

1…Lxe5!

Eine tolle Sache! Da muss man schon Einiges an Selbsthass besitzen, um diesen Zug auszuführen. Schließlich gibt Schwarz das Läuferpaar auf und schenkt dem Weißen einen gedeckten Freibauern. Man kann dieses Vorgehen entweder als ziemlich tiefsinnig oder einfach nur dumm bezeichnen.

Ein Zug wie 1…De8 würde zwar das Läuferpaar behalten und den Bauern auf c6 decken, jedoch kommt Weiß anschließend nach 2.Sac4 Le7 3.Te2 gefolgt von Tae1 in Vorteil, indem er die Schwächen auf der e-Linie ausnutzt. 3.Sf3 ist auch ziemlich gut.

2.dxe5

Der Zug 2.fxe5 scheitert an 2…f4 3.Lf2 f3 mit Angriff für Schwarz.

2…c5

Ein ziemlich logischer Zug, da er dem Weißen das Feld d4 verwehrt und gleichzeitig dem verbliebenen schwarzen Läufer gute Aussichten auf dem Feld b7 beschert. 2…g5 ist eine interessante Alternative, um die g-Linie zu öffnen. Allerdings muss Schwarz hier nichts übereilen und zunächst den Läufer auf b7 platzieren. Wie ich auch meiner DVD „Die Russische Schachschule“ bereits vermittelt habe, wäre ein Turm auf der offenen g-Linie gepaart mit einem Läufer auf b7 und der offenen Diagonalen ein tödliches Gespann.

Man beachte diesen wunderschönen Blockadespringer auf e6!

Schauen wir uns nun die vorliegende Stellung an, kommen wir zu folgendem Schluß:

Die e-Linie war ein Schlüsselfaktor des weißen Angriffs und ist nun geschlossen. Die Bauern von Weiß stehen auf der selben Feldfarbe wie der weiße Läufer und grenzen ihn hiermit in der Bewegungsfreiheit ein. Zieht der schwarze Läufer nun auf b7, steht es wohl außer Frage, dass dieser Läufer seinem Gegenstück auf e3 weit überlegen ist. All das sollte dazu führen, dass wir die schwarze Stellung auf einmal recht ansprechend finden. Aber halt! Haben wir da nicht den gedeckten Freibauern von Weiß vergessen? Mitnichten! Dieser Bauer steht auf der e-Linie und wird von dem Springer auf e6 sicher blockiert. Dieser Springer wirkt auch ziemlich zielsicher auf die Felder c5, d4, f4 und g5. Genau dieser Springer wäre ohne den Bauern auf e5 recht labil. So aber wird er sehr gut vom gegnerischen Bauern geschützt 🙂

durch den letzten Zug von Schwarz (2…c5) hat Weiß keinerlei Einbruchsfelder und nicht den Hauch eines Angriffsziels. Ein Bauerndurchbruch steht dem Weißen ebenfalls nicht zur Verfügung. Die schwarzen Figuren sind aktiver als die weißen Figuren und es ist Schwarz, der einen Angriff und Durchbruch mittels g7-g5 einleiten kann.

3.Tad1

Türme gehören ja bekanntlich auf offene Linien. Weiß begnügt sich damit, die einfachen Regeln zu befolgen. Er wird allerdings bald feststellen, dass diese d-Linie eine Straße ist, welche ins Nichts führt.

3…De8

Bringt die Dame in Sicherheit. De7 oder Dh4 sind ebenfalls ganz gut. Hier hatte Schwarz die freie Wahl 🙂

4.Sc4

An dieser Stelle hat Schwarz nun die Wahl zwischen dem Läuferzug nach b7 nebst g7-g5 und dem sofortigen g7-g5 wonach fxg5 mit f4 beantwortet wird und der schwarze Angriff läuft. Beide Möglichkeiten haben ihre Berechtigung. Alle schwarzen Figuren fühlen sich pudelwohl und leiten einen koordinierten Angriff ein.

Es ist schon bemerkenswert, wie man mit wenigen Zügen auf dem Brett die Meinungen seiner Schüler umlenken kann. Angewendet in der Praxis kann dies ziemlich erheiternd sein. Ich erinnere mich sehr gut an meine Partien die ich gegen Klaus Gschwendtner (Um die 2100 DWZ) gespielt und einige davon gewonnen habe und er nach manchen Partien die Welt nicht mehr verstanden hat. Zitat von Klaus: „Das kann doch nicht sein! Ich stehe die ganze Zeit einfach nur gut und wie aus dem Nichts stehe ich schlecht!„.

Wir alle bewerten Stellungen immer nach unseren Erfahrungswerten. Ein Blick reicht und wir finden die Ausgangsstellung (oben) ziemlich gut für Weiß. Wir haben auch die ganzen positiven Aspekte von Weiß in der Ausgangsstellung aufgeführt. Ich bin mir auch sehr sicher, dass wir gegen mittelmäßige Vereinsspieler diese Stellung mit Weiß gewinnen würden, da sich der mittelmäßige Spieler grundsätzlich dagegen wehrt, sein Läuferpaar aufzugeben und hier sogar noch einen gedeckten Freibauern zuzulassen.

Wenn wir im Schach besser werden möchten, müssen wir uns von diesem Mittelmaß befreien und unser Wissen mit den richtigen Motiven ausbauen. In der vorliegenden Stellung ist es unter anderem die richtige Bewertung eines Blockade-Springers.

Ich hoffe, dass dieser kleine Einblick mein Schachtraining Lust auf mehr gemacht hat. 🙂

Bis bald

Euer Benny

Train the Trainer Seminar mit IM Roman Vidonyak und GM Josif Dorfman

Zwischen Juli und August fand in München die Train the Trainer Fortbildung mit IM Roman Vidonyak und GM Josif Dorfman statt. Als B-Trainer des DSB habe ich mir natürlich nicht die Chance entgehen lassen und bin der Einladung gefolgt. Mit einer Koryphäe wie GM Josif Dorfman, welcher sogar Trainer von keinem Geringeren als Garry Kasparov war, hat man es schließlich nicht jeden Tag zu tun.

Ganz nebenbei konnte ich mit diesem Seminar auch meine B-Trainer-Lizenz verlängern. Hierzu muss man alle Jahre eine entsprechende Fortbildung absolvieren.

IM Roman Vidonyak führte mit gewohnter Routine durch den Lehrgang und gab allen Teilnehmern wertvolle Tipps fürs Schachtraining. Manchem Teilnehmer war allerdings die Zielsetzung des Kurses offensichtlich nicht klar. So wurde ein paarmal gequengelt, dass Roman doch mehr praktische Übungs-Beispiele zum Grübeln zeigen solle.

Meiner Meinung nach fand Roman eine gute Mischung aus praktischem Training und nützlichem Aufbau von Trainings-Stunden. Ganz im Fokus war hier die Schachmethode von Josif Dorfmann. Diese wurde im Detail erklärt und wurde von allen Teilnehmern dankbar angenommen.

Roman Vidonyak

Einen Tag vor Abschluss des Seminars stieß dann auch der Stargast GM Josif Dorfman in unsere Runde. Hier wurde das bereits Gelernte abgefragt und anhand von beliebigen Stellungen zeigte Dorfman anhand seiner Schachmethode, wie die einzelnen Stellungen zu bewerten sind.

Etwas irritierend fand ich, dass Dorfman zu Beginn sagte, dass diese ganzen Computerbewertungen einen Schachspieler nicht voran bringen, da Computer nicht in der Lage sind, Stellungen verbal und methodisch zu erklären. Hier hat er natürlich absolut recht. Problematisch fand ich aber, dass während dem Besprechen von einzelnen Stellungen dann doch noch eine Engine hinzugeschalten wurde und sowohl Dorfman, als auch Vidonyak um die Wette schätzten, wie denn wohl die Bewertung der Engine ausfallen würde. Hier griff Roman auf die Chessbase-Engine-Cloud zu, in welcher Privatpersonen gegen Entgelt Engines auf High-End-Hardware bereitstellen.

Josif Dorfman

Romans Favorit war die neuste Stockfish-Engine, welche auf 42 Kernen ihren Dienst verrichtete. Anmerken muss ich hierbei, dass sowohl Roman und auch Josif dem Irrglauben unterliegen, dass es sich hierbei um einen Computer mit 42 Prozessoren handelt. 🙂 Aber 42 Kerne ist ja auch schon eine ordentliche Menge Holz. Eine weitere, von mir nicht geteilte Meinung von Roman und Josif ist, dass eine Stellung von einer Engine mindestens 30 bis 35 Halbzüge Tief berechnet werden muss, um eine halbwegs gute Stellungsbewertung in Bauerneinheiten zu erhalten.

Ich habe zu diesem Irrglauben bereits einige Abhandlungen geschrieben und möchte diesen kalten Kaffee nicht unbedingt erneut aufwärmen. Fakt ist einfach, dass Engines es bei der Anzeige der Suchtiefe nicht immer sehr genau nehmen. Bestes Beispiel ist die Engine Rybka, welche die echte Suchtiefe absichtlich verschleiert und eine viel geringere Suchtiefe anzeigt, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Gleichzeitig ist es auch nicht so, dass eine hohe Suchtiefe bessere Ergebnisse anzeigt. Bereits im Suchtiefenbereich von ~20 Halbzügen legt sich eine Engine ziemlich schnell fest mit der Stellungsbewertung. Eine drastische Veränderung wird man bei Suchtiefe 30 in der Praxis so gut wie nie finden. Deswegen sind Suchtiefen im 20er-Bereich mit Stockfish vollkommen ausreichend um eine zuverlässige Stellungsbewertung zu erhalten.

Dorfman konnte die unterschiedlichen Stellungen recht gut einschätzen und fand auch immer passende Fortsetzungen. War die Engine mal nicht seiner Meinung, lag es laut Roman und Josif daran, dass die Engine offenbar nicht tief genug gerechnet hat. 😉

Allerdings muss ich auch sagen, dass die Fortsetzungen die Dorfman wählte immer ziemlich gut waren. Hier konnte man sehr schön sehen, dass dieser Großmeister ein absolut faszinierendes Stellungsverständnis besitzt. Es gab allerdings auch ein paar Aussetzer. In einer Partie, welche ich vor einigen Monaten gegen den starken Spieler Sven Szaleva mit den weißen Steinen spielte, kam es zu folgender Stellung:

Hier sah Dorfman den Schwarzen klar im Vorteil und zeigte Varianten, in welchen Weiß direkt die große Rochade ausführte. Richtig angetan war er von der weißen (meiner) Stellung nicht. Eher beiläufig merkte er an, dass ihm der Bauer auf g4 recht komisch vorkommt. Hier zeigte sich wieder einmal sein geniales Stellungsverständnis. Er wusste nicht, dass ich mit Weiß einen Londoner gegen Sven spielte und genau dieser Bauernzug nach g4 passte nicht ganz so zur gespielten Eröffnungs-Variante. Ich selbst fand meine Stellung nicht übel und auch der Bauer auf g4 machte mir keine Sorgen. Ich konnte einige Züge später diese Stellung in ein gewonnenes Leichtfiguren-Endspiel abwickeln, aber mit nur noch ein paar Minuten auf der Uhr war die Gewinnführung nicht ganz so trivial, weshalb ich Sven Remis angeboten habe, was er auch dankend annahm.

Aber zurück zu Dorfman. Nachdem er sich also für einen schwarzen Vorteil in Höhe von etwa -0,8 Bauereinheiten entschieden hat, wurde die Engine angeworfen. Diese zeigte tatsächlich eine Bewertung von 0.02Bauerneinheiten an. Natürlich lag das an der geringen Suchtiefe, aber mit jedem Halbzug mehr Suchtiefe änderte sich nichts an der Bewertung. Recht witzig war, dass die Engine nicht dem Pfad von Dorfman folgte und die lange Rochade ausführte, sondern sich für meinen Partiezug Lg3 entschieden hat. Auch die nächsten Partiezüge von Weiß waren die erste Wahl der Stockfish-Engine. Hier meinte Dorfman, dass Weiß wohl schon vor dieser Stellung einen Fehler gemacht hat, dass so ein Zug wie Läufer g3 notwendig ist und die Engine diesen vorschlägt.

Dorfmans Klasse ist unbestritten, jedoch habe ich sowohl in meiner gezeigten Stellung, als auch in einigen anderen Stellungen die Objektivität vermisst. Sobald sich Dorfman für eine Seite (Schwarz oder Weiß) festgelegt hat, wurden nur noch die Vorteile dieser Seite ins Auge gefasst. Eventuelle Chancen der anderen Seite wurden nicht im Ansatz in Betracht gezogen. Diese Unausgewogenheit in der Stellungsbewertung könnte man nun Ignoranz nennen, aber ich denke das Dorfman einfach viel mehr aus einer Stellung lesen kann als ich es jemals können werde und er einfach mehr praktische Chancen für Schwarz gesehen hat als Stockfish und ich.

Josif Dorfman

Mit einem Seitenhieb ging es dann auch schon direkt zur nächsten Stellung, welche laut Dorfman viel interessanter sei, als die Vorherige (meine Stellung). Ganz in seinem Element prüfte Dorfman die Stellungsmerkmale anhand seiner Schachmethode und zeigte ziemlich interessante Varianten. Nach etwa 10 Minuten machte dann allerdings ein Teilnehmer darauf aufmerksam, dass man auf eine Bewertung der gezeigten Stellung nach der Schachmethode verzichten kann, da Weiß forciert 4 Bauern für eine Figur gewinnen kann. Nun fiel es auch Dorfman sofort auf, womit das Analysieren von beliebigen Stellungen auch direkt ein Ende fand. Soviel also zu der wesentlich interessanteren Stellung. 😉

Bevor ein falscher Eindruck entsteht, möchte ich an dieser Stelle sagen, dass Dorfman ein absoluter Spitzentrainer ist, welcher die meisterhafte Gabe hat, Stellungen zu verstehen. Mit seiner Schachmethode versucht er sein Stellungsverständnis greifbar zu machen und das gelingt ihm auch wirklich gut. Ein Manko ist aber meiner Meinung, dass er seiner Schachmethode zu dogmatisch folgt und praktisch immer versucht, beliebige Stellungen in den Rahmen seiner Schachmethode hinein zu pressen. Zwar gelingt im das immer sehr gut, jedoch wirken die Erklärungen manchmal sehr gekünstelt und passend gemacht. Für einen Schüler der diese Schachmethode lernen will ist es hierbei schon sehr schwere Kost, die viel Zeit zum Verdauen braucht. Unser GM Niclas Huschenbeth hatte im letzten Jahr ebenfalls das Vergnügen, an einem Seminar mit Dorfman teilzunehmen. Er fand die Ansätze der Dorfman-Schachmethode interessant und erhellend, aber so richtig überzeugt wirkte er auf mich nicht.

Ich bin mir sicher, dass das Lernen dieser Schachmethode nur dann funktioniert, wenn man sich von allen Vorurteilen und Zweifeln befreit. Man muss die Schachmethode so nehmen wie sie ist und sollte der Versuchung widerstehen, irgendetwas in dieser Methode in Frage zu stellen. Hier muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass dieser Josif Dorfman mit der Weltklasse gearbeitet hat und durch sein Training unglaublich viele Talente groß geworden sind.

Beim Seminar ging es weiter mit gemütlicher Plauderei. Hier erzählte Dorfman interessantes Insiderwissen und lustige Anekdoten. Beispielsweise gab er einen kleinen Einblick, wie GM Boris Gelfand analysiert. Dorfman verabredete sich mal mit ihm, weil er Gelfand eine interessante Idee in einer Eröffnung zeigen wollte. Er freute sich schon, mit Gelfand die Idee zu analysieren und klopfte an seine Tür im Hotel. Gelfand machte auf, gab die Variante in seinen Computer ein und sagte zu Dorfman, dass sie jetzt beide gemütlich Essen gehen werden, anschließend noch etwas spazieren gehen werden er danach einen Blick auf das Ergebnis der Engineanalyse werfen wird. Diese Art der Zusammenarbeit empfand Dorfman gelinde gesagt als ziemlich langweilig.

In höchsten Tönen sprach Dorfman aber über Kasparov. Dieser sprudelte in beim Analysen nur so vor kreativen Ideen und Varianten.

Unschön wurde es, als Dorfman über Kramnik sprach und dabei erwähnte, dass dieser auch mal gerne Trainer unbezahlt ließ.

Mit all den Geschichten könnte man locker eine Seifenoper bis zur zehnten Staffel füllen. Auf die Frage, wer seiner Meinung nach den WM-Kampf zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana gewinnen wird, sagte Dorfman, dass dies ganz klar Carlsen sei. Dieser habe einfach die größte Begabung. Dorfman machte dies auch anhand eines Beispiels deutlich.

Beim Blitzen und beim Schnellschach zählt die Intuition und die Begabung eine besondere Rolle. Hier sieht man am besten, wer eine Stellung rein intuitiv besser und schneller erfassen kann. Carlsen ist hier ein absolutes Ausnahmetalent. Während Carlsen das Wesen einer Stellung sofort erfassen kann, brauchen andere Großmeister einfach länger. Zwar kommt Caruana am Ende zur selben Erkenntnis wie Carlsen, aber es dauert bei ihm einfach länger. Anand war ebenfalls ein absolutes Ausnahmetalent. Genau das ist auch der Grund, warum Topalov um jeden Preis bei der damaligen WM dem Tiebreak aus dem Weg gehen wollte und auch Karjakin gegen Carlsen im Tiebreak eingegangen ist.

Wie soll Caruana in London frei aufspielen, wenn er weiß, dass er im Tiebreak gegen Carlsen keine Chance hat? Beim aktuellen Sinquefield Cup 2018 wurde unter anderem Nakamura gefragt, was Caruana machen muss, um Weltmeister zu werden. Nakamuras direkte Antwort: „Er muss wie ein Computer spielen.

Nachdem Dorfman uns allen sowohl schachlich, als auch hinter der Bühne einen guten Einblick in die Schachwelt gegeben hat, war dieser Seminartag schneller vorbei, als einige von uns es sich gewünscht hatten.

Anmerken möchte ich noch, dass es natürlich auch zwei Bücher von Dorfman gibt, in welchen er seine Schachmethode dem interessierten Publikum aufzeigen möchte. Dies allerdings mit einer solchen Unverständlichkeit, dass das Durcharbeiten schon ordentlich anstrengt. Hier sind die beiden Bücher von Aagaard (Angriffslektionen 1 und Angriffslektionen 2) wesentlich lockerer geschrieben und wesentlich verständlicher. Auch wenn Aagaard nicht direkt auf Dorfman hinweist, merkt man beim Lesen ziemlich schnell, dass die Bücher von Dorfman als Vorlage dienten.

Es folgte noch ein weiterer Tag mit IM Roman Vidonyak, in welchem nochmals gutes Trainingsmaterial gezeigt und vermittelt wurde.

Alle Teilnehmer gingen anschließend wieder zufrieden ihrer Wege. Manch einer hatte mit Hamburg als Heimatort noch eine lange Reise vor sich, aber jeder war der Meinung, dass sich dieses Seminar absolut gelohnt hat.

Für mich war dieses Seminar absolut erfrischend, auch wenn sich der Inhalt zum größten Teil auf das Training im Spitzenschach bezog. Wenn ich hierbei auf meine Jungs und Mädels im Schachcenter blicke, muss ich schmunzeln.

Bis zum nächsten Mal

Euer Benny

Schachclub Ippotis auf Rhodos

Gerne schauen wir bei unseren Reisen durch die Welt bei anderen Schachvereinen vorbei. So auch diesmal auf Rhodos. Wie es der Zufall will, residierte der einzige Schachclub auf der Insel gerade mal eine Straße weiter von unserem Hotel. Laut Google soll hier täglich zwischen 17 und 21 Uhr Schach gespielt werden. Ein Blick auf die Webseite zeigte allerdings auch „Neuigkeiten“ aus 2014. Am Montag um etwa 19 Uhr wagten wir den Abstecher und fanden ein wunderschönes Anwesen, welches allerdings schon etwas länger geschlossen zu sein scheint. Unter dem Briefkasten stapelte sich einige Post.

Gerne hätte ich ein paar Partien gegen die örtlichen Spieler geblitzt. Ich begnügte mich mit ein paar Bildern von Außen und bin gespannt, ob beim nächsten Besuch etwas mehr los ist 🙂

Schachclub Rhodos 2018

Der Eingang vom Rhodos Schachclub Ippotis

Schachclub Rhodos 2018

Eine hübsche Plakette darf natürlich nicht fehlen 🙂

Schachclub Rhodos 2018

Schach spielen macht hier mit Sicherheit Spaß! Wenn denn nur die Schachspieler da wären.

Schachclub Rhodos 2018

Der kleine Wildwuchs auf dem Gehweg deutet an, dass hier schon einige Zeit keine Figuren mehr geschoben wurden.

Schachclub Rhodos 2018

Ein letzter Blick…….

Sebastian Finsterwalder gewinnt den 5-Seenland-Pokal 2018

Mit Sebastian Finsterwalder hat der 5-Seenland-Pokal 2018 einen würdigen Sieger gefunden. Ich selbst war nicht vor Ort, weshalb ich auf die übliche Berichterstattung verzichte. Dennoch erreichte mich ein kurzes Video von der Siegerehrung im Klinikum Starnberg:

 

Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an Sebastian Finsterwalder.

Bis bald

Euer Benny

Vereinsabend mit dem Traxler und dem Budapester Gambit

Will man seine Schach-Schüler fürs Schach begeistern, kommt man um den Traxler nicht herum. Wie schon letzte Woche, war auch am gestrigen Donnerstag diese scharfe Waffe das Thema unserer Trainingsstunde. Schachspieler brauchen Motivation!

Als Trainer bekommt man von unerfahrenen Spielern sehr oft zu hören, dass das Taktiktraining anstrengend ist und man sowieso diese Stellungen nicht aufs Brett bekommt. Diese Aussage ist so nicht richtig. Beim Taktiktraining geht es in erster Linie darum, taktische Motive zu lernen. Hiervon gibt es viele Tausend und wenn man mit dem Taktiktraining anfängt, kennt man diese ganzen Motive natürlich noch nicht. Aus diesem Grund ist es nur allzu verständlich, dass die Chance die erst wenigen gelernten Motive aufs Brett zu bekommen, gering ist. Wenn man sich aber mal ein Jahr durch tägliche Taktiktraining durchgebissen hat, wird man die Früchte seiner Arbeit in jedem Fall ernten.

Es geht allerdings auch etwas schneller.

Der Traxler ist für Trainer eine wunderbare Möglichkeit, seinen Schülern Themen wie Kompensation für geopfertes Material, schnelle Entwicklung, Königssicherheit und Figurenkoordination begreifbar zu machen. Gleichzeitig bietet der Traxler einen guten Einstieg in das Thema Vorbereitung und öffnet die Tür zum praktischen Anwenden von gelernter Taktik.

Die meisten Varianten im Traxler sind ziemlich forciert. Es gibt eine handvoll Abweichungen, welche man aber in der heimischen Analyse erlernen kann. Die taktischen Motive ähneln sich sehr stark und genau hier zeigt sich sehr gut, wer ernsthaft Taktik trainiert hat. Mit einer guten Vorbereitung und vielen Trainingspartien bekommen die Schüler die notwendige Sicherheit, sich in den resultierenden scharfen Stellungen zurecht zu finden. Ein mit Weiß unvorbereiteter Gegner kann hier schnell unter die Räder kommen.

Erfahrungsgemäß sind es gerade die Spieler im Bereich bis 1600 DWZ, welche eventuell die ersten Züge einer Hauptvariante kennen, aber in Nebenvarianten hoffnungslos am Brett die Wahrheit finden müssen. Die richtigen Züge für Weiß im Traxler am Brett zu finden, ist für Anfänger eine ziemlich schwierige, bis fast schon unlösbare Aufgabe.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wer von unseren Jungs und Mädels den Mumm hat, diese Eröffnung in der Praxis anwenden. 🙂 Bis zu den Mannschaftskämpfen ist ja noch etwas Zeit.

Pünktlich um 20 Uhr waren wir dann auch wieder im „El Diablo“ zum Vereinsabend. Natürlich wieder mit unserem IM Thomas Reich. Neben spannenden Blitzpartien wurde natürlich auch wieder analysiert. Einmal mehr war das Thema das Budapester Gambit. Ganz konkret ging es um folgende Variante:

In dieser Stellung benötigt man mit Schwarz schon einen gewissen Skill, um einen Plan zu finden. Hier empfehle ich auf jeden Fall das Studium der Partie Aronian gegen Ivanchuk , gespielt beim FIDE Kandidatenturnier 2013. Aber auch IM Ritschi zeigte uns ein paar gute Ideen und Fortsetzungen.

In den anschließenden Schnellschach-Trainingspartien behielt allerdings Ritschi die Oberhand.

Damit ging wieder ein Vereinsabend zu Ende, der gerne noch bis in die frühen Morgenstunden hätte gehen können. Nur allzu gerne erinnere ich mich an die Vereinsabende beim Schachverein PTSV Neustadt, bei welchen erst mit dem Sonnenaufgang die Bretter weggeräumt wurden. Das ist aber auch schon gut 25 Jahre her. 🙂

Bis bald

Euer Benny

 

Schachtraining und Vereinsabend

Beim Schachtraining stand gestern der Traxler-Gegenangriff auf dem Programm. Gerade unsere noch unerfahrenen Mitglieder neigen oftmals zu Fingerfehlern in der Eröffnung. So kommt es gelegentlich vor, dass aus einer geplanten italienischen Partie mit den schwarzen Steinen ein Desaster wird. Schauen wir uns kurz die Zugfolge an:

…und anstatt nun den Läufer nach c5 zu ziehen, greifen Anfänger gerne zu dem Zug 3…Sf6. Getreu der Regel, dass die Springer vor den Läufern entwickelt werden sollen. Allerdings sollte man dieser Regel nicht ganz dogmatisch folgen. Der Springerzug nach f6 lädt den Weißen ins Zwei-Springer-Spiel und kann zu recht scharfen Verwicklungen führen. Spätestens nach dem Zug 4.Sg5 von Weiß, fängt der unerfahrene Spieler mit den schwarzen Steinen das Grübeln an. Die Hauptfortsetzung 4…d5, welche einen Bauern opfert, findet man ohne Kenntnis nicht so einfach am Brett. Weiterhin müssen wir mit Schwarz auch davon ausgehen, dass Weiß diese Variante ziemlich gut kennt, wenn er diese mit dem Zug 4.Sg5 anstrebt. Gerade im Anfängerbereich empfehle ich, sich nicht auf die Hauptvariante einzulassen, sondern mit 5…Bc5 (Traxler-Gegenangriff) das Spiel maximal zu verschärfen.

Der Vorteil dieser Variante ist, dass man sich sehr gut auf die taktischen Motive vorbereiten kann. Gleichzeitig ist es Schwarz, welcher für das geopferte Material Initiative bekommt und Weiß entlang einer ganzen Reihe von Zügen ziemlich viele Fehler machen kann. Hier zahlt es sich auf jeden Fall das tägliche Taktiktraining aus.

Nach dem Traxler-Training ging es dann direkt zum Vereinsabend ins Diablo. Hier wurde dann das zuvor Erlernte sofort in die Praxis umgesetzt.

 

Sofia_Schachfreunde_Topschach

Aber auch andere Eröffnungen wurden an diesem Abend getestet. So hat Janos mit der Drachenvariante endlich eine Eröffnung gefunden, in welcher er sich wiederfindet. Zwar zieht er einige Züge noch zu schablonenhaft, aber die Mittelspiele waren dann doch immer sehr vielversprechend.

Sizilianisch Drachenvariante

Wilde Partien gab es auch bei mir, wobei ich den ganzen Abend mit Schwarz und Weiß Spanisch auf dem Brett hatte.

Spanisch soll das sein

Sofia erklärt die Stellung

Damit ging wieder einmal ein schöner Vereinsabend zu Ende. Der nächste Donnerstag hat sich aber bereits im Kalender angekündigt 😉

Bis dann

Euer Benny

Unbekannte Partien von Wilhelm Steinitz aufgetaucht

Bei einer Blind-Simultanveranstaltung trat Wilhelm Steinitz im Februar 1875 in Oxford an sieben Brettern an, bei welchen er an Vieren den vollen Punkt holte, zwei Partien nicht zu Ende gespielt wurden und eine Partie verlor.

Die Partien dieser Blind-Simultanveranstaltung galten als verschollen. Nun aber tauchten sie in einer Sammlung auf. Während in der Einladung zum Blindsimultan der erste Weltmeister noch versehentlich als „Herr Stemitz“ angekündigt wurde, war spätestens beim Event allen klar, um welches Kaliber es sich hier handelt.

Nachfolgend drei bisher unveröffentlichte Partien aus dem Blind-Simultanevent:

Bei der letzten Partie handelt sich um eine Partie, welche nicht zu Ende gespielt wurde. Allerdings kann man davon ausgehen, dass Steinitz hier recht gut steht.